"Skrrt, skrrt, skrrt"

Es ist 2019 und Rap ist überall: in den Charts, in den YouTube-Trends, in Fashion und in unserer Sprache. Ausdrücke wie "Skrrt", "Brr" oder "Drip" tauchen mittlerweile überall auf. Hands down: Oft dann, wenn es eigentlich gar keinen Sinn macht. Was heißt das eigentlich – "skrrt", "brr"?

Zwischen Stacks, Racks, Guap und jeder Menge iced-out Drip, kann man tatsächlich schnell den Überblick verlieren. Genau hier hitten wir euch mit dem "State of the Art"-(T)Rap-Lexikon und polieren euren rap-affinen Wortschatz auf Hochglanz. Aus der Trap in den Mainstream: In Folge #1 geht es um Adlibs.

Adlibs?

Kleines Hip-Hop-Einmaleins vorweg: Eine Adlib ist alles, was mit der Stimme gemacht wird, aber nicht direkt zum Text gehört und im Song (traditionell) eher im Hintergrund stattfindet. Adlibs waren immer schon Teil von Rap, wenn auch nie so wichtig wie heute. Im Klassiker "Still D.R.E." von 1999 kann man zum Beispiel schon hören, wie Snoop Dogg die Adlibs in den Parts von Dr. Dre macht.

Einer der ersten Adlib-Kings war Lil John, der für sein "okay" oder "what" Anfang der 2000er auf unzähligen Songs als Featuregast eingebaut wurde. Zum Beispiel im Megahit "Yeah" von Usher.

Aus Adlibs als vereinzelten Einrufen hat sich in den letzten Jahren eine komplette Kunstform entwickelt, die im Song eine immer wichtigere Rolle einnimmt – teilweise genau so wichtig wie die eigentliche Hauptspur. Rap-Avantgardist Playboi Carti arbeitet in seinen Songs stellenweise nur noch mit Adlibs und Beat – sein Song "What" ist eine einzige Adlib, seine erste Strophe bei "Magnolia" beginnt mit mehreren Sekunden, in denen er einfach nur "woo" ruft.

Fast alle modernen Rap-Stars haben ihre Signature-Adlibs. Am bekanntesten sind zum Beispiel "It's lit" von Travis Scott, "Mama" von Takeoff (Migos), "Bi" von Playboi Carti oder "Straight up" von 21 Savage.

Nice. Jetzt, wo die Basics klar sind, kommen wir zum Highlight: dem Vokabular (spürt ihr diese 8.-Klasse-Französisch-Unterricht-Vibes?). Hier ein paar der bekanntesten modernen Adlibs, die ihr garantiert schon im Alltag gehört habt und von denen ihr gleich endlich wisst, was sie eigentlich bedeuten.

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1 – Skrrt

"Wock in my fanta, came in a two door phantom – skrrt, skrrt, skrrt" (Smokepurpp – Phantom)

Wahrscheinlich die bekannteste Adlib der Welt seit es Trap gibt. "Skrrt" ist das Geräusch quietschender Reifen und wird in Songs immer dann eingebaut, wenn es um teure Autos oder generell um Fortbewegung geht. In der Trap-Musik gehört der Ausdruck zum Standard-Repertoire. Etliche Künstler haben bereits Songs danach benannt, darunter: Kodak Black – Skrt, 21 Savage – Skrrt, Skrrt, Tory Lanez – Skrt Skrt oder auch der Österreicher Yung Hurn – Skrrt Skrrt.

2 – Burr

"Golf balls in my ear like burr burr burr"(Gucci Mane – Burr Burr)

Burr ist das Geräusch, das Amerikaner machen, wenn ihnen kalt ist. Sozusagen das Gegenstück zum deutschen "brrrh". Im Rap taucht "burr" immer dann auf, wenn es um Schmuck geht. Das kommt daher, dass Schmuck im Rapgame "Water" oder "Ice" genannt wird – weil die glänzenden Diamanten ein bisschen wie Eiskristalle beziehungsweise gefrorenes Wasser aussehen. Wer voll mit "Ice" ist, dem ist dementsprechend kalt – je kälter, desto mehr Schmuck. Kein Wunder also, dass Gucci Mane bei golfball-großen Ohrringen aus Diamanten sehr stark friert.

3 – Brrr

"Ridin in the coup with the wings (brr)" (Quavo – Get Right Witcha)

"Brrr" ist das "Zwitschern" einer Taube und wurde von "Cash Money Records"-CEO Birdman groß gemacht. Ihren Ursprung hat die Adlib in der Bedeutung des Worts "fly", was so viel wie cool oder fresh bedeutet. Deshalb ist "Fly like a bird" eine unfassbar oft gehörte Phrase, auch außerhalb von Rap. Die "Brrr"-Adlib kann aber auch benutzt werden, wenn es zum Beispiel um vogel-ähnliche Objekte geht, zum Beispiel bei Quavos Auto, mit Türen wie Flügeln.

4 – Rrrrrrrra, Pew, Phew, Poh, Bah, Bang, Fufufu, Boom (Pistolengeräusche)

Pistolengeräusche sind der Shit und existieren in gefühlt unendlicher Hülle und Fülle. Wie ein eigenes Subgenre innerhalb der Kunstform Adlibs. Hier ein kleines Best-of!

Die Maschinengewehr–Imitation "rrrrraaaa" hat ihren Peak wahrscheinlich in "Panda" von Desiigner erfahren, wobei es sich speziell bei diesem Lied auch um drehende Reifen handeln könnte – wer weiß das schon. "Phew phew" oder auch "popopop" hat Slaughter-Gang-Leader 21 Savage zur Perfektion getrieben, zum Beispiel bei "Red Opps". In der Hook zu "Can't tell" packt Young Thug sein ikonisches "fufufufu" aus. Im Mittelteil von "Bless yo Trap" spittet Adlib-King Smokepurpp ein filmreifes "bah bah bah brrrr", während Trippie Redd seinen Chorus zu "Icky Vicky" mit einem Ohrenschmaus von "boom boom boom" untermalt. Last but no least: Playboi Cartis Windhauch "phew", zu hören im Banger "Pull up".

Das wars mit Folge #1. Wir sehen uns bei Folge #2. Schreibt uns auf Instagram oder in die Kommentare, wenn ihr spezielle Wünsche habt, mit welcher Knowledge aus der Trap ich euch in Zukunft hitten soll.

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Quelle: Noizz.de