In dem YouTube-Format "Ali therapiert" wird Sido von seinem Rap-Kollegen Ali Bumaye interviewt. Das lockere Gespräch kippt schnell: Sido teilt wirre Gedanken über Kinderblut und gilt nun als Verschwörungstheoretiker.

Sido sieht aus wie ein Dichter und Denker, im Jogginganzug. Im Sessel vertieft, hat er die Beine übereinander gekreuzt und die Arme auf die Lehne gestützt. Er macht mit der Hand eine Geste, als wolle er etwas erklären. Ali Bumaye lacht. Eigentlich sollte er derjenige sein, der wie ein Therapeut aussieht. In seiner YouTube-Reihe "Ali therapiert" interviewt er Rap-Kolleg*innen. Mit Sido wollte er darüber reden, ob Entertainer Harald Juhnke und Altkanzler Schmidt wirklich an ihrem Alkohol- und Zigarettenkonsum gestorben sind. Doch Sido hat eine ganz andere Theorie, die überrascht.

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"Vielleicht hat er Kinderblut getrunken"

Das Gespräch fängt mit Debatten über die Corona-Krise an. "Das ist das, was der Westen die ganze Zeit macht: aus dem Unheil anderer Profit schlagen. Wenn Afrika das richtig macht, können die jetzt aus unserem Unheil Profit schlagen", sagt Sido. "Karma", kommentiert Ali Bumaye Sidos Gedanken. Die beiden Rapper philosophieren weiter und kommen irgendwann auf den Tod von dem mittlerweile verstorbenen Entertainer Harald Juhnke zu sprechen. "Der ist wegen Alkohol gestorben?", fragt Bumaye. "Das war vielleicht einer der Gründe. Wenn du 50 Jahre lang säufst und mit 75 stirbst, weiß ich nicht, ob das am Alkohol gelegen hat. Du kannst ja auch nicht über den Altbundeskanzler Schmidt sagen, dass er an Rauchen gestorben ist", sagt Sido. "Vielleicht hat er Kinderblut getrunken."

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Dass Menschen Kinderblut trinken, ist auf die umstrittene "QAnon"-Theorie zurückzuführen. Anhänger glauben daran, dass Kinder absichtlich entführt werden, um aus ihrem Blut einen Verjüngungstrank herzustellen. Eine Theorie, die auch schon Xavier Naidoo verbreitet hat. Auf die Frage von Ali Bumaye, ob Sido wirklich daran glaubt, reagiert der Rapper zögerlich. "Ich glaube schon daran, dass so was sein kann", sagt er. Das Gespräch vertieft sich über Kannibalismus-Dokus, die angeblich Fakten und Wahrheiten liefern zu mächtigen Politikern, alten Clans und Xavier Naidoo. "Der ist zu tief drin", sagt Sido und meint, dass er darauf nicht weiter eingehen möchte. "Sonst bekomme ich noch den Aluhut aufgesetzt" – ein Begriff, der metaphorisch verwendet wird, um Anhänger von Verschwörungstheorien zu bezeichnen.

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Zu spät. Der Rapper wird in den Medien bereits als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Das Problem: Selbst wenn Sido versucht hat, sich vorsichtig auszudrücken und sich davon distanzieren möchte – er hat trotzdem etwas gesagt, das den Irrglauben von Anhängern bestätigt. Damit stärkt er nicht nur Eliten-Hass, sondern auch den Vorwurf, dass vor allem Rapper Verschwörungstheorien verbreiten.

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  • Quelle:
  • Noizz.de