Die Corona-Krise hat uns alle erwischt: Wir müssen zu Hause bleiben und uns irgendwie beschäftigen. Auch die Vertreter des Deutschrap haben das Problem – und zeigen sich neuerdings erstaunlich häuslich.

Was macht man mit seiner Streetcredibility, wenn die Street abgeriegelt ist? Das was Rapper sonst den ganzen Tag so machen, dürfte ja im Augenblick nicht ganz so leicht zu realisieren sein. Vor allem, weil auch Touren und Konzerte bis aus Weiteres abgesagt werden mussten. Was passiert also? Fahren Gzuz und seine Straßenbande nun nur noch einzeln in ihren Karren durch die Gegend, weil man dann die 1,5 Meter Abstand einhält? Werden nicht nur Hände sondern auch Spiegel ordentlich mit Desinfektionsmitteln bearbeitet, damit das Koks keimfrei gesnieft werden kann? Tja, keine Ahnung. Was wir wissen: So mancher Rapper der deutschen Hip Hop-Szene zeigt sich dieser Tage ungewohnt häuslich. Man möchte gar sagen: spießig.

Sido und seine Rouladen

Sido hat schon vor einer Woche mit seinem Youtube-Format losgelegt. "Zuhause mit Sido" heißt seine Show, die wöchentlich einmal live gestreamt wird. Das Ganze geht dann über einige Stunden und zeigt einen Tag des Rappers in Quarantäne. Nach der ersten Folge gab es einen achtminütigen Zusammenschnitt der Highlights: Sido beim Zähneputzen, beim Facetimen mit etwa Unge und elaborierten Diskussionen darum, ob mehr Menschen in Hallenbäder kacken oder in Freibäder oder aber über das Einkoch-Verhalten von Sidos Großmutter (die hat Kirschen eingekocht, aber das hat nie jemand gegessen, Sido will aber bald auch Gurken einkochen, sagt er).

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Nun war es am 3. April wieder so weit: Sido ging live. Schon vorher hatte der 39-Jährige angekündigt: Dieses Mal wolle er zusammen mit seinen Zuschauenden lecker Rouladen zubereiten. In der ersten Folge hatte es schon fachmännisch eingekochtes Gulasch gegeben. Sido scheint ein Freund der bodenständigen Küche zu sein – bei ihm findet sich zumindest nicht so sehr die Haute Cuisine. Aber macht ja nichts: Geschmeckt hat es offensichtlich, und das ist ja die Hauptsache. Fakt ist außerdem: Er erinnert ein wenig an einen guten Alman-Daddy, der erst die Rouladen aufsetzt und dann nachmessen geht, ob des Nachbarn Baumäste auch nicht zu weit über den Gartenzaun hängen. Ist ja auch eine Form Streetcredibility.

Bushido ist so richtig durstig

Man kennt es: Die Welt rastet aus wegen Corona, alle sind geschockt davon, wie wenig reiche Manager und ranghohe Politiker ausrichten können, wenn das Virus an unser aller Tür klopft. Und schon merken wir, wer die wahren Helden der Gesellschaft sind: Die Krankenpfleger, die LKW-Fahrerinnen, die Postboten – und der Durstexpress. Wait, what?! Naja, zumindest in Bushidos Welt ist das so: Der Rapper postete vor zwei Wochen ein leidenschaftliches Plädoyer für alle Mitarbeitenden von durstexpress.de:

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Er sagt: "Gestern Nacht um 0:04 h noch bei mir vorbeigekommen und Getränke geliefert. An alle Mitarbeiter erstmal ein riesengroßes Dankeschön für euren Einsatz." Scheint, als sei Bushido über die Maßen happy über seine Sprudellieferung. Weiß man ja, wie das ist: Da dreht die halbe Welt durch, wegen Krankheiten, Todesfällen, Klopapier, und was ist mit dem Herrn Ferchichi?! Er hat halt echt Durst, man!

Danach wird es noch ein bisschen bizarr: Der 41-Jährige ist nicht nur mega glücklich über seine eingetroffenen Getränke. Er macht sich auch echt Sorgen über seine zukünftigen Bestellungen: In seinem Insta-Post erklärt er, dass die Mitarbeitenden von Durstexpress doch bitte weiterhin zur Arbeit erscheinen und sich nicht krankschreiben sollen! "Ihr leistet einen guten und wichtigen Beitrag." schreibt der Künstler unter seinen Post. Ah. Na dann.

Dass es echt daneben ist, Menschen zu sagen, sie sollen doch bitte von Haustür zu Haustür tuckern und sich dabei selbst in höchstem Maße gefährden, während man selbst schick vor seinem Bücherregal zu Hause sitzt und eigentlich gar keinen besonderen Beitrag zu Krise leistet: Geschenkt. Dass Bushido aber, als Gangsterrapper erster Güte dasitzt, und (zumindest offiziell) unbezahlte Werbung für einen Getränkelieferservice macht – kann man sich nicht ausdenken. Bester Kommentar unter dem Post: "Hab Bushido einen Limonaden-Witz erzählt Fanta nicht so lustig..."

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Und der Rest?

Tja, und was macht eigentlich der Rest des Deutschrap in Zeiten von Corona? Ja, nicht etwa das, was der Rest der Welt üblicherweise so macht: Langsam mit der Jogginghose und dem Sofa zusammenwachsen (und auf den Durstexpress warten), während man langsam aber sicher Netflix durchgespielt hat. Xatar und SSIO etwa haben nun ihren eigenen Podcast "Pobidcast". In der ersten Folge rechnet Xatar am Beispiel von Loredana vor, welche Verluste eigentlich so finanziell auf einen Rap-Künstler zukommen, wenn er oder sie ihre Tour dank Corona absagen muss. Ist quasi bisschen Musik-Biz und BWL-Nachhilfe vom Großmeister.

Kontra K macht euch fit: Der Rapper zeigt, wie man am besten seinen Body stählt – auch in Zeiten von Corona. Und Capital Bra fährt bei Klaas im Auto vor, um sich zu beschweren, dass seine Rap-Kollegen das mit dem Corona irgendwie nicht so richtig ernst nehmen. Währenddessen rappt Olexesh auf Instagram von seiner eigenen Quarantäne. In einer Wohnung, die vollgepackt ist mit Nahrungsmitteln und Getränken (hat er etwa zusammen mit Bushido eine Sammelbestellung aufgegeben?!) rastet er so richtig aus, wie es nur ein echter Badboy kann: Er haut unbenutzte Stücke Klopapier in die Toilette. So macht man das halt auf den Straßen, Digga!

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  • Quelle:
  • Noizz.de