Shirin David züchtet mit ihrem Einstieg ins Rap-Game eine neue Generation Boss-Bitches heran

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Und das ist gut so.

Sie ist YouTuberin. Sie saß bei "Deutschland sucht den Superstar" in der Jury. Und sie ist eine Frau. Shirin David hatte Recht, als sie kürzlich in ihrer Insta-Story feststellte, dass ihre bisherigen Karriere-Moves und ihr Geschlecht ihren Einstieg ins Rap-Game nicht gerade erleichtern dürften.

Schließlich ist Rap trotz aller Haiytis, Jujus und Ewas männlich dominiert. Rap hat nichts mit der bunten YouTube-Welt und schon gar nichts mit trashigen Castingshows zu tun. Und trotzdem: Die Hamburgerin, bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius, legte mit ihrem allerersten Rap-Track "Gib ihm" ein richtiges Brett hin. Sie dominierte die Charts. Brach Deutschrap-Klick-Rekorde. Knackte eine Playlist nach der anderen.

Große Klappe, Riesen-Po, fette Autos: eine Party für den Materialismus

Shirin gibt uns alles, was wir von einer echten Rap-Queen sehen wollen. Dass das Gesamtpaket sehr nach der einstigen Königin des American-Rap aussieht, ist kein Zufall. Mit Lines wie "Stepp' in die Soirée, Attitude ist Nicki" macht Shirin unmissverständlich klar, dass sie nach der Krone greift. Ob sie je zu einer so komplexen popkulturellen Figur mit den Rap-Qualitäten einer Nicki Minaj heranwächst, bleibt offen. Fest steht: Shirin inszeniert sich wie keine Deutsch-Rapperin vor ihr als ultimative Boss-Bitch – genau wie ihr US-Vorbild.

Shirin David ist schon jetzt die personifizierte Boss-Bitch.

Per "Urban Dictionary"-Definition ist das nämlich "eine selbstbewusste, erfolgreiche und unabhängige Frau, die ihre Meinung äußert. Sie ist ehrlich, setzt Grenzen und hat keine Angst, das zu tun, was sie will. Ihre Träume sind groß, aber ihr Ehrgeiz ist größer. Sie ist eine Befürworterin des Female-Empowerments. Ihr Erfolgsstreben macht sie zu einer einflussreichen Persönlichkeit, Vorbild und Mentorin für andere Frauen."

Ein Typ Frau, den es in dieser Form lange nicht gab. Grüße gehen raus an Unterdrückung, mittlerweile veraltete Rollenbildern und gesellschaftliche Zwänge – die auch für den Rap galten, immer noch gelten. Eine Frau am Mic, das konnte man sich vor wenigen Jahren nur in Ausnahmefällen vorstellen. Heute haben wir einen Haufen junger Rapperinnen, die den Spieß umdrehen. Seit Neuestem ganz vorne mit dabei: Shirin David. Und die dreht den Spieß in Sachen Boss-Bitch noch ein Stückchen weiter – nicht nur in Sachen Optik und Lyrics.

Keine Frage – auch Loredana, Ebow und Co. sind selbstbewusst, erfolgreich, unabhängig. Juju und Nura zeigten uns mit ihren Hits, dass sich natürlich auch Frauen Dinge herausnehmen dürfen, die klassischerweise nur Männer tun. Bei SXTN ging es allerdings mehr um den nächsten Partyabriss und die Normalisierung von Wörtern wie "Fotze" aus dem Mund einer Frau.

Und auch Rap-Sensation Eunique, die Shirin inhaltlich näher kommt – und zweifellos mit ihrer Technik rasiert –, kann sich eine Boss-Bitch-Scheibe bei ihrer neuen Rap-Kollegin abschneiden. Zwar betont auch Eunique in ihren Texten ihren Feminismus und verbreitet mit ihrem Kobra-Militär (so nennt sie ihre Fans) Female-Empowerment. Allerdings bleibt bei Eunique Folgendes aus: der öffentliche Beef, an dem sie ihre Boss-Bitchness messen kann.

Shirin hat diesen Beef. Sie misst sich – und zwar mit der vollen Gewalt einer fast 15-minütigen Instagram-Story gegen Rapper Shindy. Sie zeigt, dass sie nicht nur in ihren Videos eine Boss-Bitch ist, sondern auch hinter den Kulissen.

Aber von Vorne. Shirin und Shindy haben Streit. Der Grund: Der Platin-Rapper aus Bietigheim veröffentlichte kürzlich seinen Track "Affalterbach" inklusive Shirin-David-Hook, ohne diese namentlich zu erwähnen. Ein musikalischer Arschloch-Move – oder? Laut Shindy, bürgerlich Michael Schindler, sagte Shirin ihr Feature nur wenige Stunden vor Release ab. Was folgte, war ein Shitstorm der Megasorte gegen die Rapperin. Sie sei eine Nichtsgönnerin, war noch der netteste Diss.

Was machen, wenn eine Rap-Institution wie Shindy gegen dich wettert, während du dir als Newcomerin einen Namen machen willst?

Aus strategischen Gründen kleinbeigeben? Den Ball flach halten, um sich keine Feinde im Business zu machen? All das wäre nachvollziehbar gewesen. Nicht mit Shirin. Die Boss-Bitch rechnet ab. Und zwar ohne Rücksicht auf ihre Karriere, aber immer mit Blick auf ihre Authentizität.

>> Shirin äußert sich zu Shindy: Die 5 wichtigsten Aussagen

In ihrer Instagram-Story steht sie ihre Frau – gegen einen Mann, der im Business bis dato sehr viel mehr Macht besitzt als sie selbst. Sie lässt ihre Fans hinter die Kulissen blicken, erklärt, sie habe bereits Wochen vor Release abgesagt. Und: Sie spricht den Rapper direkt an:

Du kannst das mit Newcomern nicht machen und so mit mir umgehen, mich nach außen so darstellen – und dann in deine Story posten 'Free Affalterbach'. Du hast ganz bewusst die Leute auf mich gehetzt, mich wie eine charakterliche Bitch dargestellt und die Leute mich komplett fertigmachen lassen. Für einen Fehler, den nicht ich begangen habe. Wenn du so naiv bist zu glauben, dass du über allem stehst, Leute dir sagen, 'Nein, ich möchte nicht mit dir arbeiten', und du es dann nicht verstehst. Da kann ich nichts dafür!

Aussage gegen Aussage. Wem man am Ende mehr glauben schenkt, ist jedem selbst überlassen. Eines zeigt der Beef mit dem Rapper aber von vorne bis hinten. Nämlich, dass Shirin Grenzen setzt – wie eine Boss-Bitch. Keine Angst hat, das zu tun, was sie will – wie eine Boss-Bitch. Und ein Vorbild für andere Frauen ist – wie eine Boss-Bitch.

Und natürlich züchtet Shirin David mit dieser Attitüde auch eine neue Generation Boss-Bitches heran. Wer das nicht glaubt, wer nicht an den Einfluss der Blondine glaubt, der ist naiv. Denn den hat sie zweifelsohne. Sie versammelt auf ihren Social-Media-Kanälen mehrere Millionen Follower. Darunter Tausende junger Mädchen, die sie feiern – und sehen, wie sie sich nicht veräppeln lässt. Wie sie sich gegen das Patriarchat stemmt. Und: Wie sie nicht nur in ihren Videos auf dicke Hose macht.

Shirin beweist, dass sie mehr Eier in der Hose hat, als manch anderer Rapper, der sich wie ein Fähnchen im Wind nach den gnadenlosen Regeln des Rap-Business richtet.

>> Wieso wir Rapper wie Shindy und Shirin David gerade brauchen

Quelle: Noizz.de

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