Der Rapper beherrscht die Kunst des Humors.

Es gibt wenig anspruchsvollen Rap auf dem globalen Musikmarkt. Davon betroffen ist besonders deutscher Rap – denn den versteht man auf Anhieb. Da singt einer vom "Bratan", läuft im Gucci-Jogger rum und ist so eloquent wie die Tomate in Omas Garten. Eben gar nicht. Und dann ist da Shindy.

Mit seinen letzten Singles "Affalterbach", "Dodi" und "Road2Goat" hat sich der Stuttgarter nicht nur vom Label Ersguterjunge emanzipiert, sondern auch sein Geschick für Lyrics und Trends bewiesen. Nun kam die Single "EFH" samt Video raus.

Es mag erst einmal etwas verwirrend sein, wenn man da Wolfgang Bahro, der "Jo Gerner" in der Daily Soap GZSZ darstellt, sieht. In Shindys Video spielt Bahro den Vater eines Teenager-Jungen, der in seinem Zimmer zu Shindy abgeht. Merch und Fanboxen pflastern die Wände seines Zimmers. Er fühlt sich gangster, während er "EFH" feiert.

Das Video lebt vom GZSZ-Vibe.

Von der Ironie des kleinen Jungen, der alles andere als gangster ist. Wahrscheinlich war Shindy auch einst so, feierte Rapper in seinem Kinderzimmer. Die Ikea-Regale in diesem spießigen Einfamilienhaus wollen so gar nicht zu dem passen, was Shindy bisher gebracht hat. Zu den Champagner-Sausen. Den Luxuskarren. Ein Paradoxon: Der Rich-Rapper und das Spießertum. Und doch ist es Realität. Denn viele Jungs sind wie der kleine Mann im Video, der "Papi Pap" anhimmelt. Shindy-Fans gibt es in allen Schichten. Dafür braucht es nicht immer viel Bling-Bling (obwohl es davon trotzdem genug in "EFH" gibt).

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"EFH" lebt von subtiler Ironie.

Von Wortwitzen. Eben von den Paradoxen. Shindy zeigt damit, dass er Humor hat, sich selbst nicht allzu ernst nimmt und die Kunst des Humors beherrscht. Er spricht damit ein anderes Publikum an, als gewisse Bratans. Den ein oder anderen Diss verkneift er sich auch nicht: "An mein altes Label: Danke für die Chance, die recorden da anscheinend nicht nur Songs."

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Shindy ist smart. Das muss der Hörer nur verstehen können. Denn spätestens wenn er bei "Jo Gerner" vor der Tür steht, von zwei Frauen flankiert, und sich über die Lautstärke der Musik beschwert, prallen zwei Welten aufeinander. "Wir können alle drei nicht schlafen", erklärt Shindy fast wehleidig.

Shindy ist immer noch derselbe und dennoch ein anderer. Er gibt uns einen Einblick in seine Welt. Er feiert die Patek, den Benz UND das Einfamilienhaus – alle drei Dinge befinden sich bei Shindy auch in derselben Preisklasse.

Quelle: NOIZZ-Redaktion