Und der Typ fand das noch nicht mal merkwürdig.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit der Musik

Ich bin ein großer Musikfan. Mein Musikgeschmack erstreckt sich von Rocklegenden wie The Rolling Stones oder Janis Joplin über die 2000er- Pop-Prinzessin Britney Spears, aber auch Emocore und natürlich Rap von Cro bis Eminem.

Wenn ich auf einer Party die DJane spiele, funkelt in den Augen meiner Freunde manchmal die Furcht vor der nächsten Horrornummer und manchmal glitzern auch die Tränen der Nostalgie.

Mit meinen legendären Mixtapes quäle ich auch regelmäßig meine Lover! Ich hasse es, wenn es beim Sex still ist: Also muss mich der Typ entweder so hart nehmen, dass ich laut aufstöhne oder es läuft einfach etwas Musik im Hintergrund.

Wenn ich das erzähle, dann gucken mich meine Freunde schräg an: „Wie läuft das denn? Sagst du etwa bevor es zur Sache geht: 'Hey, warte, ich muss noch eben Musik anmachen?'“ Das hat mich eine Freundin letztens gefragt, worauf ich den Kopf schüttelte.

„Im Auto ist das ja ganz klar: Da läuft eh Musik und Zuhause, na ja... Da kommt es nicht so häufig vor, aber wenn, dann geht es richtig zur Sache“, sagte ich darauf mit einem breiten Grinsen.

Musik gaukelt dir Gefühle vor, wo keine sind

Welche Musik dabei läuft, hat übrigens extreme Auswirkungen auf die Art, wie der Fick sich dann entwickelt! Musik kann ja oft extrem emotional sein und das ist Gold wert, wenn die Beziehung eben hauptsächlich von Sex und weniger von Gefühlen dominiert wird.

Ihr kennt Tino ja schon: Wir hatten eine Affäre ohne Gefühle. Dementsprechend unemotional war unser Sex. Also kamen wir schnell auf die Idee, einfach Musik beim Sex laufen zu lassen.

Er selbst war Musiker und hatte mindestens einen genau so merkwürdigen Musikgeschmack wie ich.

Eigentlich unterhielten wir uns bei jedem Treffen über die neuen Songs unserer Lieblingskünstler oder spielten uns dabei sogar Rap-Battle vor.

Meistens einigten wir uns allerdings auf das Album „XOXO“ von Casper. Wahrscheinlich lag das daran, dass die Songs genau widerspiegelten, wie wir uns fühlten: emotional abgefuckt.

Wenn ich in der Bahn sitze und das Lied „XOXO“ aus den Tiefen meines Spotify-Kontos nach oben gespült wird, dann kriege ich auch heute noch Gänsehaut. Dann kann ich Tinos Lippen auf meinen, seine Haut zwischen meinen Fingern spüren und habe den Geruch seiner Haare in meiner Nase.

Ich erinnere mich daran, wie ich mich beim Sex an ihn presste und mich in seine Oberschenkel krallte, während wir beide den Text mitflüsterten.

Wir sangen die Lieder gemeinsam mit

Auch wenn das jetzt albern klingt, aber ein elementarer Teil unseres Ficks waren immer die Lieder, die wir beim Sex sogar mitsangen. Dass das in irgendeiner Weise nicht ganz normal war, fiel mir aber erst in einer anderen Situation auf: Als ich mit einem anderen Typen ins Bett ging.

Auch mit Luca hatte ich Sex im Auto. Es war unser erstes echtes Date und dass, obwohl ich es schon seit Ewigkeiten auf ihn abgesehen hatte.

Luca hatte mich emotional ziemlich in seinen Klauen aus Badboy und Traummann gefangen. Dementsprechend verrückt war dieses Treffen für mich: Es hatte ewig gedauert, bis wir endlich zueinanander gefunden hatten, deshalb sollte dieses Date auch absolut perfekt ablaufen.

In meinem Kopf war ich die Situation eigentlich schon so oft durchgegangen und hatte sogar geplant, welche Musik durch die Boxen dröhnen sollte: „230409“ von Casper sollte unser Song sein.

Als ich ihm allerdings die Casper CD unter die Nase hielt, verzog er das Gesicht: „Auf keinen Fall!“

Nach langer Diskussion einigten wir uns auf „Raop“ von Cro und so sollte also die Musik zu meinem emotionalen Triumphzug werden. Das hatte ich mir zwar irgendwie anders vorgestellt, aber okay.

Erst knutschten wir rum, dann öffnete ich seine braune Gürtelschnalle, zog seine Boxershorts runter und im Hintergrund lief der fröhliche Pop-Rap-Mix vom Panda-Mann.

Die Situation war so absurd, dass ich lachen musste. Ihm noch einen Kuss auf den Lippen platzierte und mich dann auf ihn setzte. Und dann ging es los - Lied für Lied passte ich meinen Takt dem Rhythmus der Musik an, während wir vögelten, flüsterte ich ihm immer wieder Textpassagen ins Ohr. An einer Stelle rappte ich sogar einen ganzen Part mit, worauf Luca lachen musste.

Eins musste man Cro aber lassen: Der Text passte wie die Faust aufs Auge und der Rhythmus war geil - vor allem für Sex!

Als wir danach an meinem Auto lehnten und rauchten, grinste ich ihn an: „Ich kann nicht glauben, dass wir das gerade getan haben.“ Meine Beine zitterten immer noch von dem heftigen Adrenalin-Kick den ich durch das spontane Date bekommen hatte. „Ich hatte noch nie eine Frau, die während des Sex mitgesungen hat“, sagte Luca dann und lachte.

Für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, ob ich mich vorhin absolut blamiert hatte. Dann schüttelte ich den Kopf und damit auch den Gedanken aus meinem Bewusstsein: Erstens war beim Sex alles erlaubt und zweitens zeigte diese Erfahrung doch nur, dass ich eben einzigartig war. Eine Frau, die beim Sex singt, wird er wohl so schnell nicht mehr finden.

Und das war schließlich mein Ziel: Ich wollte, dass er mich niemals vergessen würde. Und eins kann ich euch sagen: Das hat er bis heute nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de