Der Musiker verstarb mit 46 Jahren.

Ich konnte nichts machen, nichts sagen, nur die Hand vor den Mund halten und schlucken, mit einer komisch intimen Schwere im Körper, für lange Minuten.

Ein Freund hatte mir aus bei WhatsApp geschrieben: „Ey, bist du bereit für eine sehr traurige nachricht?“ Meine Antwort: „Ich weiß es nicht aber ja.“ Es klang nach Tragödie und es klang nach Tod und nach einer blöd eingeleiten Nichtigkeit. Er schrieb: „Seeed frontmann nabe ist verstorben.“

[Mehr dazu: So trauern die Fans um Seeed-Frontmann Demba Nabé]

Es fühlte sich kurz so an, als hätte es sich in dieser Nachricht um ein entferntes Familienmitglied gedreht. Jene Person, die einem nahesteht und viel bedeutet, obwohl man sie nur einmal im Jahr sieht, jener Mensch, der trotzdem der Lieblingsverwandte ist.

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Ich wollte so sehr glauben, Fake-News hätten es in den Tagesspiegel geschafft.

Ich wollte mich überzeugen, Nabé würde wieder auferstehen, wie der totgesagte russische Journalist Arkadi Babtschenko.

Das ist das symbolkräftige Gefühl für das, was Seeed auslöst, was diese Band ausmacht. Hörten Fans wie ich Nabés Stimme, dann fühlten sie sich eins mit Fremden, fühlten sich verbunden mit der Welt, mit dem verfluchten Rest der Menschheit.

Die Vibes waren so friedlich, so ehrlich, brüderlich und schwesterlich. Und voller Liebe für das Leben, die Liebe, die Lust. Einen Herzbeat im Sekundentakt für den Reaggeton und Ska, für Berlin als Weltstadt und für die Welt als Heimat für Berlin. Demba Nabé war voller Energie, natürlich für die Fans und natürlich natürlich für die Musik, immer wieder für die Musik.

Bei Berühmten kenne ich diesen krass-persönlichen Bezug nicht, diese ergreifende Obsession und Zuneigung. Bis jetzt. Eigentlich. Doch jetzt ist das anders.

Deshalb zünde ich Donnerstag, 21.49 Uhr eine Kerze an, sie riecht so, wie Seeeds Konzerte sind, wie Nabés Stimme war, warm und holzig und nach dem süßen Leben, diesem Paradies, wo sich Menschen aus allen Herrgottsländern in Berlin beim Lollapallooza vor der Bühne vereinen, Schweden, Argentinier, Letten, Afghanen, Franzosen, Polen, und Seeeds deutsche Songtexte mitsingen.

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Möge Demba Nabé das sehen, wenn er mit Swag und 'nem Johnny von dem Reagge-Wolken-Dancefloor runterwinkt. RIP.

Quelle: Noizz.de