An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
Die Single „Cry by the River“ taucht tief ab in seine persönliche Gefühlswelt.

Schauspieler Daniel Donskoy sitzt in einem knallig-gelben, tief aufgeknöpften Hemd am Klavier und singt sich den Kummer aus der Seele. Bei einem intimen Sneak-Peek-Konzert im Spiegelsaal im Club „Clärchens Ballhaus“ präsentiert er einem ausgewählten Publikum seine selbst geschriebenen Songs. Dabei steht Donskoy sonst eigentlich nicht hinter dem Mikrofon, sondern vor der Kamera. Aktuell als kleinkrimineller Pseudo-Priester in der RTL-Serie „Sankt Maik“.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Der deutsche Schauspiel-Star („Tatort“, „SOKO Leipzig“, „Heldt“) hat aber noch mehr auf dem Herzen, als er in seinen Rollen offenbaren kann. Als er sich nach langen Drehtagen immer wieder zur Entspannung an sein Klavier setzt, symbolisch die Schale seiner Rollen knackt und alles rauslässt, was ihn persönlich beschäftigt, fasst er einen Entschluss: „Das will ich hauptberuflich machen.“ Das chaotische Auf und Ab seines Künstler-Lebens hat der 28-Jährige in Songs umgewandelt, die er selbst geschrieben hat.

Einer davon ist „Cry By The River“. Der Text erzählt von zwei Freunden, die sich treffen, um zusammen zu weinen. Heute feiert der Song Premiere. Wir waren am Wochenende bei der Sneak-Peak dabei. Kurz vor seinem Auftritt haben wir den Neu-Sänger abgefangen und uns erzählen lassen, warum er es wagt, die Musik als sein letztes Hobby aufzugeben und wie der Vibe des noch namenlosen Albums wird, das 2020 erscheinen soll.

NOIZZ: Obwohl du vor der Kamera stehst und erfahren als Model und Schauspieler bist, merke ich dir deine Aufregung an. Warum bist du überhaupt noch so nervös vor deinem Auftritt?

Daniel Donskoy: Beim Schauspiel spiele ich eine Figur, zum Beispiel einen psychopathischen Mörder im „Tatort“ das bin ja nicht ich, da muss ich keine Angst haben. Aber, wenn ich mich mit der Musik komplett öffne und singe: „Mir wurde wehgetan, mein Herz blutet“, und das zu völlig Fremden, ist das erstmal schwierig. Du gehst ja auch nicht einfach auf der Straße zu fremden Leuten und sagst: „Hey, übrigens, mir wurde gerade das Herz gebrochen und ich habe richtig Liebeskummer“. Aber genau deshalb liebe ich die Musik so. Das ist für mich die purste Form, mich auszudrücken. Ich kann‘s auch nicht vergleichen, obwohl ich oft danach gefragt werde, was besser ist: Schauspiel oder Musik? Aber es sind zwei ganz unterschiedliche Dinge, wie Tomaten und Avocados.

Woher kommt eigentlich deine Liebe zur Musik?

Daniel: Musik begeistert mich schon immer, ich liebe Musik, seit ich ein kleines Kind war. Ich spiele Klavier, seitdem ich 4 Jahre alt war. Meine Oma war Klavier-Lehrerin, mein Opa spielt Geige, meine Mama spielt Gitarre. Aber niemand hat eine künstlerische Karriere verfolgt. Musik war bislang mein schönstes Hobby. Alles andere, was mir Spaß macht, mache ich ja bereits beruflich. Also habe ich die letzten zwei Jahre stark mit mir gerungen, ob ich die Musik auch noch hauptberuflich mache sollte. Und das war ein krasser Prozess für mich. Plötzlich entsteht da dieser Druck, und bisher ist Musik für mich ein Ventil, genau dafür gewesen. Wenn ich nach einem langen Drehtag nachhause komme, setze ich mich erstmal ans Klavier. Wenn ich einen scheiß Tag hatte und es mir richtig kacke geht, setzte ich mich ans Klavier. Wenn irgendwas nicht läuft oder funktioniert – ich setz‘ mich ans Klavier. Und wenn man erstmal anfängt, das zur Arbeit zu machen, frage ich mich, ob das so bleiben kann. Ich hoffe, ich kann mir diese Momente aufsparen, die ich für mich zuhause habe.

Und trotzdem zieht es dich auf die Bühne.

Daniel: Ja, ich hatte jetzt meine ersten Konzerte, und es ist einfach das beste Gefühl. Wenn du dein Herz öffnest, und jemand versteht deine Musik, wippt mit oder weint oder ist irgendwie spürbar damit verbunden. Das ist unbeschreiblich.

Es klingt, als wären deine noch unveröffentlichten Songs sehr emotional und persönlich. Was ist deine Message, was steht hinter deinen Songs?

Daniel: Es geht viel darum, einen Anker zu finden. Ich bin in meinem Leben viel umgezogen, bin in , Tel Aviv und Berlin aufgewachsen und lebe seit acht Jahren in London und Berlin. Ich bin auf der Suche nach diesem Ankerpunkt, jeder irgendwie. Es ist egal, ob man den in der Liebe findet, in seinem Zuhause, bei Freunden, bei der Familie. Aber immer geht’s für mich um Liebe, nicht immer unbedingt im romantischen Sinne.

Kannst das genauer erklären?

Daniel: Ein Song heißt „A Mothers Letter to her Child“ und basiert auf einem kurzen Gedicht, was ich meiner Mutter mal geschrieben habe, da war ich 18 Jahre alt und bin gerade ausgezogen. Ich hatte es wiedergefunden, gelesen und dachte mir zuerst: „Was ist das für ein Scheiß“. Aber dann fand ich es spannend, zu rekonstruieren, wie das damals war, diesen Schritt zu wagen, von Zuhause auszuziehen und dieses Gefühl einzufangen und mit einer Melodie zu hinterlegen. Ein anderer Song heißt „Grandmothers Piano“. Da war ich das erste Mal alleine in der Wohnung meiner Großeltern und saß an dem Klavier, mit dem ich spielen gelernt habe. Und plötzlich kam mir der Gedanke: „Fuck, irgendwann sind sie nicht mehr da, irgendwann sind sie tot.“ Dieses Gefühl der Endlichkeit habe ich in diesen Song verpackt.

Dein Leben ist ultra voll gerade, wie entspannst Du Dich?

Daniel: Ich weiß gerade einfach, wenn ich nach Hause komme, habe ich meine Ruhe. Ich muss nicht regelkonform leben. Wenn ich lieber schreibe, statt schlafe und das um 4 Uhr morgens, muss ich keine Rücksicht nehmen. Wenn ich nicht allein in meiner Wohnung wäre, könnte ich das gar nicht. Ich bin seit Jahren Single, habe mich dazu entschlossen und finde es super. Ich glaube, die Musik replaced das irgendwie für mich. Sie nimmt einen Raum ein, den ein Mensch einnehmen könnte. –. Das ist ein problematischer Ausgangspunkt für eine romantische Beziehung, aber mal schauen, was die Zukunft bringt. Aber ich muss alleine leben, eigentlich, gerade jetzt.

Quelle: Noizz.de