Kaputte Klos, geiles Wetter und giftige Raupen: Wir haben das fränkische Rockfestival für euch ausgecheckt.

Packt die Klappstühle aus und stellt das Dosenbier warm, denn: wir haben mit Rock im Park die Festivalsaison endgültig eingeläutet. Auch wenn das Nürnberger Rockevent nicht gerade das "deutsche Coachella" ist: bei vielversprechenden Wettervorhersagen und heftigem Line-Up hatten wir richtig Bock auf "abroggn", wie man in Franken so schön sagt. 72.500 Besucher wollten das gemeinsam mit uns tun.

Damit legten wir am Freitag direkt los. Knapp 30 Grad. Die Sonne brannte aufs Gelände und Monchi von Feine Sahne Fischfilet trommelte noch einmal animierend auf seinen Bauch; Gerade hatten die Jungs aus Meck-Pomm mit Pfeffi-Kanonen, Pyro und Punkrock für reihenweise heiße Fans und die erste Eskalation des Festivals gesorgt.

Dann das: die modernen Vakuum-Toiletten gaben den Geist auf. Wer Nachmittags mal musste, hatte Pech gehabt und musste sich locker eine Stunde für die Handvoll Dixis anstellen. Auch mehrfache Versuche, die Throne aus Porzellan zu fixen, scheiterten. Erst am Samstag wurden sie dann mit der gleichen Menge an Dixi-Klos ersetzt. Ein Glück, dass man bei der Hitze das meiste Bier rausschwitzte. 

Es folgten Mörder-Gigs von Architects und Bring Me The Horizon, die nicht nur unsere Teenie-Emo-Herzen zum Glühen brachten, sondern auch mit krassen Tänzerinnen und Feuerwerfern alles abrissen. Dann die ultimativen Feels: Das Comeback von Die Ärzte. Sechs Jahre lang war es still um die "beste Band der Welt". Und dennoch hat es sich angefühlt, als wären die Berliner keinen Tag weggewesen. Gänsehaut und Tränen schon nach den ersten beiden Songs, starke Ansagen gegen Rechts und Hitshitshits. Alle waren sich wieder sicher: Es gibt nur einen Gott – BELAFARINROD. Auch der starke Regen hat die todes-textsicheren Fans nicht gejuckt. 

Das erledigte dafür dann aber eine giftige Raupe, die auf den Campingplätzen ihr Unwesen trieb. Der sogenannte Eichenprozessionsspinner hat feine Härchen, die allergische Schockreaktionen auslösen. Durch die Hitze vermehrte sich die Raupe auf dem Festivalgelände explosionsartig. Laut Hilfsorganisationen habe man in gut 200 Fällen ärztliche Hilfe leisten müssen, meist ging es dabei um allergische Reaktionen ohne schwerwiegenden Verlauf. 

So konnten dann alle ohne größere Probleme in den nächsten Festival-Tag starten und sich auf Legenden wie Tenacious D und Slipknot freuen. Auch für Rap-Fans lieferte der Samstag ordentlich ab: Die Berliner Crew BHZ, KC Rebell, Kontra K, Bonez MC & RAF Camora, und zum Mörder-Abschluss des Tages: Casper und Marteria, natürlich standesgemäß mit ihrem Monstertruck.

Was an diesem Tag leider böse aufgestoßen ist: Der Samstag war fast eine reine Pimmel-Party mit nur einer einzigen weiblichen Künstlerin, der Drummerin des Black Rebel Motorcycle Clubs. Das geht besser, Rock im Park!

Luft nach oben hat das Festival auch, was Mülltrennung und veganes Essen angeht. Abgesehen von mittelmäßigen Falafeln, Spaghetti mit Tomatensauce und (na klar) Pommes, ging da leider nichts. Da können andere Festivals eindeutig mehr. 

Gut, wir sind nicht für kulinarische Erlebnisse angereist, sondern wegen der Musik. Am finalen Tag stand diesbezüglich noch einmal Schweiß, Eskalation und vor allem Slayer an. Uns hauten besonders der wunderbare Drangsal, die Rockstar-Performance von Cage-the-Elephant-Frontmann Matt Shultz und The 1975 um. Wahrscheinlich hören wir nie wieder auf, von Matty Healys wahnsinniger Bühnenpräsenz zu schwärmen. 

Du leckst dir jetzt schon die Ravioli-Fingerchen, weil dich das Rock-im-Park-Fieber gepackt hat? Dann behalte Dienstag, den 11. Juni im Auge. Ab 12 Uhr startet dann nämlich der Vorverkauf des limitierten Frühbucher-Kontingents für 2020. Dann feiert das Rockfestival 25-jähriges Jubiläum. Bis dahin: Rrrock on!

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Quelle: Noizz.de