Auf dieses Comeback habe ich seit acht Jahren gewartet.

Ich liebe nichts mehr als Liebeskummerlieder, die einen tief-traurigen Text haben, aber einen tanzbaren Beat, bei dem man so tun kann, als wäre einem der Herzschmerz voll egal – und sowieso #strongwoman und so.

Robyn, die schwedische Elektro-Pop-Sängerin, ist für mich seit den 2000ern die Meisterin solch schneidend-schmerzvoller Songs, die in jedem Club und im Radio rauf- und runterlaufen, ohne je zu nerven.

Meine Obsession mit der Musik der androgynen Powerfrau begann mit ihrem Hit „Be Mine“. Selten hat mich ein Song so fertig gemacht wie dieser.

Wenn ich „Be Mine“ heute höre, bin ich sofort wieder der 13-jährige Teenie, der stumm auf der Toilette heult, weil das Leben kompliziert ist und die Liebe, ach die, die sowieso.

Natürlich in dem störrischen Glauben, diese Schwärmerei wäre wirklich für die Ewigkeit. Höre ich den Song heute, ist es völlig egal, ob ich wirklich gerade Liebeskummer habe oder nicht. Denn der dramatische Beat, der in-die-Bauchgrube-schlagende Songtext lassen mein Herz pumpen, viel zu schnell schlagen.

Ich werde plötzlich nostalgisch und mich packt eine Wehmut und Sehnsucht, wie sie eben irgendwie doch nur Jugendliche packen kann – oder frisch Verlassene.

Und zwar mit einem neuen Sound irgendwo zwischen Homeparty-Chill, House mit 90s-Soul („Because It's in The Music“) und futuristischer Salon-Lounge-Musik („Beach2k20“).

Der erste Track „Missing You“ und der letzte Titel „Ever Again“ auf der neuen Platte kommen den legendären Dance-Pop-Vibes von „Be Mine“, „Dancing On My Own“, „With Every Heartbeat“ und „Call Your Girlfriend“ noch am nähesten.

Klar, irgendwie wird sich die Künstlerin in den vergangenen acht Jahren ja verändert, weiterentwickelt haben. Ja, so viele Jahre sind tatsächlich seit ihrem vorherigen Album „Body Language“ vergangenen.

Seit 23 Jahren ist die Schwedin im Business, bekam mit 16 Jahren ihren Plattenvertrag. Ihre Musik ist mit ihr erwachsen geworden.

Robyn selbst hatte laut einem Interview mit BBC keine Lust mehr auf diese Schiene. Über ihr Comeback sagt sie: „Als ich dieses Album geschrieben habe, war ich selbst ziemlich müde von all den traurigen Liebesliedern, die ich geschrieben habe.“

Die Sängerin packt Sehnsucht statt Seelenschmerz auf die Platte. Die Songs auf dem neuen Album – neun sind es insgesamt – muten zum Großteil eher sexy und sinnlich an, statt sentimental. Betörende Vorspielanspielungen in „Between The Lines“, flüssige Verführung im Titeltrack „Honey“. Musikalischer Schlafzimmerblick.

Packen einen bisherige Songs von Robyn bisher sofort, braucht man ein bisschen Zeit, um sich auf den neuen, sphärisch-minimalistischen Sound einzulassen, denn er zieht nicht direkt auf die Tanzfläche. Dafür auf die Bettkante.

Quelle: Noizz.de