Mero veröffentlichte als Reaktion auf die Vorwürfe jetzt Verkaufszahlen.

Diese Zahlen sagen zwar nicht direkt etwas über seine angeblich eingekauften Streams aus, aber immerhin: Auf Instagram teilte der "Wolke 10"-Interpret stolz die Anzahl kürzlich verkaufter Tickets für seine anstehende Tour. "Danke für über 42.000 verkauften 'echten' Tickets fünf Monate vor der Tour", verteidigt er seinen Erfolg.

Was war passiert? Vergangenen Freitag erschütterte die Dokumentation "Der Rap Hack" die Deutsch-Rap-Szene. Der 22-minütige Film, produziert vom öffentlich-rechtlichen Y-Kollektiv, stellte uns Hacker Kai vor. Vollends vermummt und mit verzerrter Stimme berichtete der von seiner illegalen Tätigkeit: Streamingzahlen- und Chart-Manipulation. Zusammen mit einem ganzen Team würde er dafür sorgen, dass aus einem Niemand ein Star wird: "Für 50.000 besorg ich dir ne Goldene Schallplatte", erklärte er lässig.

Wie er das macht? "Du musst dir vorstellen: Ich hab 150.000 oder 250.000 deutsche Accounts auf Spotify. Und die hören dann nonstop den Song." Seine Auftraggeber? Angeblich die Managements der Rap-Stars. Oft wüssten die Rapper selbst gar nicht Bescheid. Er habe bereits für die aktuell fünf erfolgreichsten Deutschrapper Aufträge entgegengenommen. 

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Meros Label schiebt Chart-Manipulation von sich

Unter anderem fällt der Name Mero. Der 18-Jährige ging im März 2018 mit "Baller los" erstmals auf die Eins der deutschen Single-Charts, danach noch zwei weitere Male. Nicht nur Mero selbst reagiert jetzt mit seinem Instagram-Post auf die Vorwürfe. Auch sein Label gibt ein Statement ab:

Groove Attack & Groove Attack TraX stellen klar, dass wir zu keinem Zeitpunkt Klicks gekauft oder sonstige Manipulationsbestrebungen unternommen haben, um Artists künstlich zu Ruhm zu verhelfen. Der große Erfolg unseres Künstlers Mero hat dazu geführt, dass auf Betreiben einer der Major-Companies eine Überprüfung der Streaming-Zahlen erfolgte. Die GfK stellte fest, dass die Abrufzahlen hoch seien, konnte aber keine Auffälligkeiten feststellen.

Man sei traurig, dass verdienten Künstlern aus dem eigenen Haus unterstellt werde, dass ihr Erfolg auf Fälschungen basiere. Hunderttausende Fans würden täglich ihre Musik, hätten Tickets für die Konzerte gekauft und würden ihnen in den sozialen Netzwerken folgen. "Sie sind die Basis für den Erfolg, ihnen gebührt unser Dank!"

Rapper Xatar kritisiert fehlende Beweise

Xatar, Mitgründer vom Label Groove Attack TraX, setzt sich ebenfalls mit voller Kraft für die Richtigstellung der Tatsachen ein – und nimmt seinen Schützling Mero via Social-Media in den Schutz. "Freunde, akzeptiert eine Sache: Mero hat alles rasiert, wird – so Gott will – weiter rasieren. Sero El Mero rasiert gerade alles und es wurden noch nie von uns Fake-Streams oder Fake-Views gekauft."

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Eines ist Xatar jedoch ein besonders großer Dorn im Auge. Die Beweislage. In der Dokumentation unternimmt Reporter Ilhan Coskun den Versuch, selbst mit einem Song durch gekaufte Streams in die Charts zu kommen. Einen Haufen Klicks sahnt er ab, in die Charts schafft er es allerdings nicht. "Mein Label hat heute mit der Gfk und mit dem Bundesverband für Musikindustrie gesprochen. Diese 100.000 Streams wurden als 6.000 Streams gewertet, weil da eine Auffälligkeit festgestellt wurde."

Außerdem zerschlägt der Labelgründer die Behauptung, dass Mero innerhalb von 24 Stunden so viele Klicks wie US-Superstar Ariana Grande gesammelt hätte. Hacker Kai führte die Zahlen als Grund für mögliche Manipulation seitens Meros an. Nach Xatars Recherche stellt sich die Faktenlage allerdings ein wenig anders da. Ari schafft es innerhalb von 24 Stunden nämlich auf fette 50 Millionen Klicks, damit ist sie Mero um 64 Millionen Klicks voraus.

Aus Xatars Instagram-Story

lsk

Quelle: Noizz.de