Im Leben von Rapper WizTheMc kommt gerade einiges zusammen, und zwar auf die Jackpot-Art und Weise. Der 21-jährige Lüneburger lebt in Kanada, hat seine ersten Hits in der Tasche, sein Label liebt ihn für das, was er ist und jeder Song seiner gerade veröffentlichten ersten EP "What About Now" ist eine potenzielle Hymne.

Musiker*innen leben ja bekanntlich in einer Parallelwelt. Während wir ihren Release rauf und runter hören, sind sie längst einen Schritt weiter – haben sich in neue Beats verliebt, basteln an anderen Lyrics oder erfinden sich gerade komplett neu. Womöglich haben sie sich an deinem neuen Lieblingstrack schon lange sattgehört. Und dann: kommt die Promophase! Zurück in die Zukunft! Der kalte Kaffee wird eingeschenkt und muss getrunken werden. Wie sich das wohl anfühlt? Immer einen Schritt voraus sein und dann das alte Ich noch einmal besuchen – zusammen mit ganz vielen anderen Menschen. Schon crazy.

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In genau so einer Situation steckt WizTheMic als wir uns kürzlich zum Zoom-Call zwischen Berlin und Toronto verabreden. Ich sitze im Büro in Deutschland, der Rapper in seiner Wohnung in Kanada. Ich habe seine erste EP gerade gehört, er arbeitet schon an seinem ersten Album. "Ja, das ist schon merkwürdig", sinniert er grinsend, als ich ihn nach der Parallelwelt frage. Man müsse sich dann erstmal wieder bewusst machen, dass das immer noch neue Musik ist, sagt er. "Aber die Promophase, das Reden mit den Leuten hilft mir, mich wieder in den Mood zu versetzen."

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Dass Wiz seine EP immer noch liebt, obwohl er gedanklich schon im Album hängt, ist offensichtlich, so aufgeregt und stolz spricht er über "What About Now". Ich versteh ihn. Die EP vermittelt dieses elektrisierende Gefühl, das dir nur ein gut gemachter Coming-of-Age-Streifen gibt, der das richtige Maß Romantik mit einer ordentlichen Portion Realismus vereint. Jeder einzelne Songs ist eine potenzielle Hymne. Der Soundtrack für deinen Heimweg, auf dem du deinen neuen Tinder-Crush oder deine miserable Beziehung mit dir selbst verhandelst.

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Es geht um Liebe, Weed und Sex: Die Dreifaltigkeit so vieler Generationen

Thematisch eine sichere Bank. Aber ist die EP deshalb gleich ein Brett, das Wiz’ Karriere festigt? Dass das Gesamtpaket passt, beweist zumindest die erste Auskopplung schonmal eindrücklich. "For A Minute" hat auf Spotity an die 12 Millionen Streams eingesackt – und das zu Recht. Der Track kommt überschwänglich happy um die Ecke, nur um dich dann mit recht sexuellen Lines zu überrumpeln. Ein kleines Überraschungspaket.

Ich war in mir drinnen soft, aber ich wusste nicht, wie ich das zeigen sollte.

Sich selbst überrascht hat Wiz vielleicht zum ersten Mal, als der heute 21-Jährige verstand, dass er keinen supermaskulinen Rap machen muss, um er selbst zu sein. Als Teenie hörte er US-Rapper wie Tyga und versuchte sie zu imitieren, war damit aber eigentlich schon lange nicht mehr d‘accord: "Ich war in mir drinnen soft, aber ich wusste nicht, wie ich das zeigen sollte. Als ich 13 war, war das auch noch gar nicht so ein Ding, dass man über Emotionen redet – und ich war mit mir selbst noch nicht im Reinen", erzählt er mit.

Heute sieht sich Wiz anders, differenzierter, losgelöst von maskulinen Stereotypen. Und das funktioniert sowas von gut. Sogar Leute aus seiner alten Heimat, Lüneburg, die eher der Sparte "sehr maskuline Boys" zuzuordnen sind, würden seinen doch sehr poppigen Rap feiern. "Dass die mir positives Feedback zu meinen weichen Lyrics geben, ist so schön."

Bis Wiz an diesen Punkt gekommen ist, hat es seine Zeit gedauert. Fünf Jahre macht er ohne Labelvertrag Musik. Was für manche*n Künstler*in zur Zerreißprobe wird, reflektiert Wiz heute als genau richtig. "In den fünf Jahren war ich total anti-label. Ich hatte immer Angst, dass ein Label einen in eine Box packt und dich komplett verändern will." Als sich dann Label anfingen, für ihn und seine Kunst zu interessieren, war dann aber doch alles anders:

Ich habe gemerkt, dass Labels mit mir sprechen wollen, weil ich so bin wie ich bin. Nicht nur wegen meiner Musik, sondern auch für meine Personality. Mir ist aufgefallen, ich muss mich gar nicht verändern. Die kaufen mich so, wie ich bin.

Wer wissen möchte, wie Wiz so ist, der hört seine EP jetzt auf Spotify und checkt seinen Instagram aus. Da entpuppt sich der Musiker nämlich zum Philosophen, spricht über Meditationsformen, das eigene Ego in Bezug auf erfolgreiche Kolleg*innen – und was sonst so wichtig ist, um aufs Leben klarzukommen.

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  • Quelle:
  • NOIZZ.de