Das Mitglied des "House of Pharaos" war für die "Colors Show" in Berlin.

Sam Wise ist spätestens seit seinem Feature mit Octavian ein Rapper, den wir alle auf dem Schirm haben sollten. Der Londoner ist Teil des House of Pharaos-Kollektivs und startet nun erfolgreich als Solo-Künstler durch.

Mit seiner überraschend positiven Message, britischem Underground Style und abwechslungsreichen Videos zieht er seine Fans in den Bann. Seit ein paar Jahren gehört Sam mit fünf weiteren Artists zur Crew, die für ihre energiegeladenen Shows bekannt sind.

Wir haben ihn zum Interview getroffen – über Style, seine Message und seine Entwicklung.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

>> Logic und Eminem zerfleischen Mumble-Rap im gemeinsamen Song "Homicide"

Bei meinen Recherchen merke ich, dass ich bereits mehrere Songs von Sam Wise und seinem Kollektiv in meinen Spotify-Playlists gespeichert habe, was meine Vorfreude auf das Interview steigert.

Leider verlieren sich die Londoner Jungs dann in der Hauptstadt und haben fast zwei Stunden Verspätung. Egal. Sie sind gut gelaunt, und wir fahren in den 19. Stock, um das Gespräch bei schönem Ausblick zu führen. Sam und sein Manager sind beeindruckt. Sie zücken ihre Handys, machen erst mal eine Instagram-Story.

Sam scheint ein bisschen nervös zu sein. Er trägt zerrissene Jeans, einen Half-Zip von Nike und an den Füßen Nike Vomeros.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

NOIZZ: Sam, deine Musik ist ja nicht wirklich Grime, aber auch nicht der typische amerikanische Mumble Rap. In welche Schublade würdest du sie stecken?

Sam Wise: Ich bin froh, dass du das ansprichst, denn viele würden sagen, es ist Grime – weil sie kaum Ahnung davon haben. Ich kategorisiere meine Musik nur äußerst ungern. Ich glaube, dass sie in viele Schubladen passt, so wie ich selbst als Person.

Sie kommt aber schon sehr stark aus dem Hip-Hop. Ich habe so viele verschiedene Sounds und Ideen, die ich entdeckt hab' ... Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen: Sie ist ein Zweig von Hip-Hop. Aber am Ende bin das nur ich: Wise.

Sam Wise by Fritz Elsmann

Klingt plausibel. Vor allem, weil ihr bei House of Pharaos auch Grime-Sounds habt, aber trotzdem den Hip-Hop-Sound beibehaltet. Sam, deine Musik hat einen sehr positiven Vibe, es geht nicht um Gewalt oder andere negative Dinge. War das schon immer so?

Sam: Ja. Ich habe nie Musik gemacht, um Geld zu verdienen oder nur berühmt zu sein. Es ging immer mehr darum, einen Zweck zu erfüllen und einen positiven Beitrag zu leisten. Ich war früher mal in einer Art Jugend-Parlament und war Jugend-Bürgermeister und wollte unbedingt gewisse Dinge ändern. Allerdings hat mir diese Erfahrung nicht gefallen, weil ich mich zu dieser Zeit einfach nicht so wohl gefühlt habe.

Aber wenn du 14, 15, 16 bist, dann fängst an, dich für Sachen zu interessieren und dich von anderen abzugrenzen. Auch ich fing an, mich für bestimmte Musik zu interessieren und zu sehen und zu fühlen, welchen Einfluss sie hat. Ich wollte etwas Ähnliches schaffen und fing an, zu verstehen, dass auch Musik eine Art ist, die Menschen zu erreichen – so wie Politik.

>> WTF-Kollabo: Lil Wayne geht mit blink-182 auf Tour

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Und dann?

Sam: Da ich einen Performance-Kunst-Hintergrund habe, schien es mir sinnvoll, mit Musik anzufangen. Glo, mein Manager und guter Freund, den ich aus der Schule kenne, hatten die gleichen Ideen und wollten in dieselbe Richtung. Dann lernten wir andere Leute kennen, wie die Jungs von House of Pharaos. Die waren dann so: "Ja, Mann! Du bist auf dieser Welle, und wir mögen das!" So ist das dann alles irgendwie entstanden.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Du willst in deiner Musik also eine positive Message rüberbringen. Was hältst du von Leuten, die genau das Gegenteil machen?

Sam: Was das betrifft, bin ich erst kürzlich zu einer Erkenntnis gelangt. Ich fuhr im Bus durch die Londoner City, schaute aus dem Fenster und sah all die Denkmäler – alles Soldaten und Generäle. Ich sagte zu mir selbst: "Warte mal, diese Leute werden gelobt! Leute, die krasse Gewalt anwandten! Und dafür werden sie gefeiert – in den höchsten Reihen der Gesellschaft!"

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Hip-Hop ist eine Miniaturform davon. Menschen sind von Natur aus fasziniert von Kriegern und wollen ihnen Respekt zollen. Vor allem Leute, die gewisse Dinge selbst nicht erlebt haben. Ich bin niemand, der anderen sagt: "Das kannst du nicht sagen!" Aber trotzdem ist es wichtig, zu wissen, welche Macht du hast, wenn du gewaltverherrlichende Dinge sagst.

Ich will das einfach nicht in meiner Musik haben.

Schön gesagt! Das hört man in deinen Songs. Aber nun mal alles auf Anfang. Wann und wie hast du begonnen, Musik zu machen?

Sam: Als Kind habe ich in Musicals mitgespielt – auch noch auf der Highschool. Richtig durchgestartet bin ich aber erst, als ich die anderen vom House of Pharaos kennenlernte. Bandana und Blaze machten damals schon Musik. Ich habe lediglich ein bisschen geschrieben, aber nicht wirklich darüber nachgedacht, jetzt unbedingt Musik zu machen.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Bandana und Blaze machten also ihr Ding, wir trafen uns, hingen zusammen ab, skateten ... und so hat sich House of Pharaos irgendwie geformt. Angefangen hat es mit Sessions mit LSOW, den kannte ich noch aus der Grundschule.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

>> Die Neuauflage vom Prada Cloudbust ist da

Als Kollektiv hatten wir von Anfang an diese krasse Energie – uns war egal, was die Leute über uns denken, wie wir uns anziehen oder so. Wir waren einfach nur motiviert und fingen an, zu arbeiten.

Bei deinem Song ''100 Degrees'' hast du mit Octavian zusammengearbeitet. Wie war das?

Sam: Mit Octo war es echt cool, Mann. Also, er ist ein megatalentierter Künstler, und es ist cool zu sehen, wie er sich entwickelt und welche Schritte er macht. Eigentlich haben wir uns getroffen, weil Octavian einen Track releast hatte, in dem er meinen Namen nennt und rappt "Like Sam Wise Imma get that". Einfach nur Love dafür!

Dann hab ich ihn geaddet und angeschrieben: "Yo, das ist nice, Bro!" Wir haben uns connectet, zwei Songs aufgenommen und am Ende "100 Degrees" rausgebracht.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Nice! So stellt man sich das vor. Jetzt mal Realtalk. Du machst das jetzt schon seit einiger Zeit. Was war in deiner bisherigen Karriere dein Lieblingsmoment?

Sam: Gute Frage! Es gab' Millionen gute Momente. Dummerweise hab' ich ein echt schlechtes Gedächtnis. Aber es gab eine Zeit auf der House-of-Pharaos-Reise, wo wir viel Aufmerksamkeit durch unsere Shows bekommen haben. Es gab keinen, der Konzerte so gemacht hat wie wir: krasse Moshpits, Wasserflaschen, die durch den Raum fliegen, krasse Energie!

Sam Wise by Fritz Elsmann

Du bist in Berlin, um ein Video für die "Colors Show" zu drehen. In Deutschland sind die Videos superbeliebt. In England auch?

Sam: Ja und Nein. Also, UK ist da ein bisschen komisch. Auf dem Kontinent sind die Leute ja mehr so: "Ja! Ich will so viele verschiedene Musiker wie möglich kennen!" Und auf der Insel sind alle eher so: "Na ja. Kenn' ich schon."

Aber wir sind alle Menschen und wir brauchen jemanden, der uns sagt, was cool ist. Ich glaube, meine Musik ist international, also freue ich mich echt auf die "Colors Show", um mehr Leuten zu zeigen, was ich so mache.

Sam Wise by Fritz Elsmann

Eine letzte Frage. Da ich viel über Streetwear schreibe, sind mir in deinen Videos vor allem deine ganzen Sneaker aufgefallen. Was ist zur Zeit dein Lieblingsschuh? Der Nike Vomero, den du gerade trägst?

Sam: Der ist lit, oder? Ich hab ihn gerade erst gekauft. Aber der Air Force 1 Low ist mein Favorit. Ich fühl' mich einfach am wohlsten, wenn ich ihn anhab, weil ich ihn sowohl mit Baggys, als auch mit Tracksuits oder Slim Jeans tragen kann.

Ich liebe Nike. Aber auch Adidas oder den Reebok Workout – oder Designer-Schuhe wie den Prada Cloudbust. Aber der Air Force 1 ist einfach zeitlos und passt zu allem

Sam mit Lotti nach dem Interview
  • Quelle:
  • Noizz.de