Ich war bei seinem ersten Konzert in Berlin.

US-Rapper Post Malone ist auf Europatour und hat gerade zum ersten Mal Hallen in Deutschland zum Leuchten gebracht. Irgendwo auf einer Schnittstelle zwischen Trap und Pop vermischt der 23-Jährige seinen Rockstar-Lifestyle mit einer tiefen Traurigkeit, die man heutzutage bei so vielen jungen Künstlern hört. Das macht er so gut, dass er seit seinem letzten Album Beerbongs & Bentleys zu den größten Musikern der Welt gehört.

Knapp 50 Millionen monatliche Hörer hat er auf Spotify. Das sind fast zehn Millionen mehr als Drake hat – SO groß ist Posty, auch wenn das in Deutschland irgendwie immer noch viele nicht auf dem Schirm haben.

Berlin, Warschauer Straße, circa 21:30 in der fast ausverkauften Mercedes-Benz-Arena. Unter gleißenden Lichtfontänen singt Posty seine Lieder. Ganz alleine steht er da auf der kleinen Bühne, die kaum mehr als ein Steg ist – und wirkt ein bisschen einsam. Dieses Bild sieht nicht nur extrem schön und eindrucksvoll aus, sondern transportiert auch genau das, was Post Malone in seiner Kunst zum Ausdruck bringt: den Traum vom Leben als Millionär und Rockstar gepaart mit Isolation und Weltflucht.

Hören kann man das zum Beispiel auf Rich & Sad– wie der Titel schon sagt – oder auf seinem Opener Paranoid, bei dem er es in der Hook auf den Punkt nagelt: „Sag mir, warum ich keine Erleichterung erfahre. Ich ringe mich vergeblich damit ab, meinen Frieden zu finden.“

Und im goldenen Glanz der Scheinwerfer wirkt der über und über tätowierte Sänger dann tatsächlich ein bisschen wie ein Messias, ein Mensch, der all das verkörpert, wonach sich Normalsterbliche sehnen, und der mit seinem Leid genau so menschlich und „normal“ ist, wie jeder andere in der Halle auch.

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Während der Show sagt Post Malone niemandem, was er zu tun hat. Keine Anleitungen zum Händeheben, kein „,Macht den Moshpit auf!“ – „Tut, was immer ihr wollt und gebt keinen Fick“, ist seine Haltung und so fühlt es sich in der Halle auch an: total entspannt. Für mich persönlich eine der schönsten Überraschungen des Konzerts: Er macht tatsächlich fast alles live mit der Stimme und singt super. Bei den Hooks läuft ein bisschen Playback im Hintergrund, aber das finde ich total legit.

Was auch hängen bleibt: Nach jedem Lied bedankt er sich beim Publikum – „Ladies and Gentlemen, ich danke euch so verdammt doll!“ Das liest sich vielleicht geschwollen, aber kommt total authentisch rüber. Er fühlt das einfach genau so, wie er es sagt. Fast 90 Minuten geht das so: Song auf Dank auf Song auf Dank. Zwischendurch eine kleine Gitarreneinlage – „Würde es euch stören, wenn ich ein bisschen Gitarre für euch spiele?“

Am Ende gibt es mit White Iverson, Congratulations und rockstar noch mal eine geballte Ladung Welt-Hits, gefolgt von einer flammenden Abschiedsrede. „Macht euer Ding und gebt keinen Fick auf andere. Lebt eure Träume! Danke, dass wir heute so eine schöne Zeit zusammenhaben durften, danke, dass ich durch euch meinen Traum leben darf. Ich liebe es so sehr, bei solchen Konzerten den ganzen Scheiß da draußen für eine Weile vergessen zu können und einfach eine gute Zeit zu haben. Habt einen schönen Abend und besauft euch ordentlich. Danke!“

Unter tosendem Applaus verlässt er sein lichterlohes Podest, wahrscheinlich, um genau das zu tun: zu saufen und „den ganzen Scheiß da draußen“ noch ein bisschen länger vergessen zu können.

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Quelle: Noizz.de