Die Newcomerin über queere Popmusik, Selbstliebe und Bob Marley.

Fletcher heißt eigentlich Cari Elise Fletcher und macht zuckersüße Popmusik mit ehrlichen Untertönen: In ihrem Song "Undrunk" wünschte sie sich, sie könne ihre Ex-Freundin wieder ent-vögeln, könnte ein bisschen nüchterner sein und mit dem Herzschmerz klarkommen.

Dass Fletcher auf Frauen steht, wird nicht extra thematisiert. Das ist einfach so. Und ja: Wir haben 2019, und das sollte in einem Text wie diesem auch eigentlich keine Besonderheit mehr sein. Es sollte nichts sein, was noch mal erwähnt werden muss.

Gleichzeitig ist die aktuelle Bewegung von großartigen neuen Popstars wie Troye Sivan oder Hayley Kiyoko bemerkenswert. Es sind queere MusikerInnen, die auf ganz organische Weise ihre sexuelle Orientierung in ihre Kunst einbinden – und damit Verständnis und Bewusstsein schaffen. Fletchers Musik ist keine "lesbische Musik" – sie singt einfach über Lieben, Leiden und worüber man halt sonst so erzählen möchte.

Sie wurde mit dieser Aussage dazu schon häufig zitiert: "Ich finde, man sollte sich gar nicht mehr outen müssen!" Sie zielt damit darauf ab, dass diese ewigen Geschlechterdiskussionen endlich obsolet sein sollten. "Ich glaube das Problem der Welt generell ist, dass alle immer alles in Kategorien und Schubladen stecken wollen. Solange es in eine Schublade passt, kann man es eingrenzen. Das ist etwas, was ich wirklich nicht verstehe oder gut finde!" Sie erklärt, dass Geschlecht, Sexualität und selbst Persönlichkeiten total fluid sind, dass sich alles immer verändert. Und am besten geht es einem sowieso, wenn man allem möglichst offen gegenüber ist.

Fletcher ist ein Vorbild für junge Fans, die sich mit ihr identifizieren – egal aus welchen Gründen. "Ich weiß nicht, ob ich ein Vorbild sein möchte oder nicht. Ich versuche aber, genau die Art Künstlerin zu sein, die ich früher selbst gebraucht hätte." Fletcher erzählt, dass sie als junges Mädchen eher ein ängstlicher Charakter war. Dass sie viel mit sich ausgemacht hat und ihre Eltern ihr aber viel Freiraum für sich ermöglicht haben. "Außerdem bin ich absolut nicht in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. Wir hatten zwei CDs: Bob Marley und Celine Dion", erzählt sie und lacht.

Wenn man Fletcher eine Frage stellt, denkt sie immer erst kurz nach, was sie sagen möchte. Es ist keine generelle Skepsis, die von ihr ausgeht, aber vielleicht eine Art Vorsicht. Hört man sich ihre Lyrics an, scheint sie mit ihren Gefühlen ähnlich umzugehen: Sie gibt sie nicht einfach so her und leidet lange, wenn es schief geht.

Sie erzählt, wie sie Zeit brauchte, zu sich selbst zu finden "Es ist immer noch eine Reise. Man bekommt als Kind ständig gesagt, dass man seine Nächsten lieben soll, dass man nett zu anderen sein soll. Keiner sagt dir: Liebe dich selbst! Und vielleicht klingt das kitschig, aber ich finde, das ist der Schlüssel zu allem: Liebt euch endlich mal selbst!"

Die neue Single von Fletcher "If You're Gonna Lie" (ja, das Gitarren-Lick am Anfang ist von den allseits beliebten Red Hot Chili Peppers und ihrem Klassiker "Under the Bridge") singt sie von genau dem Kampf zwischen Selbstliebe und toxischer Beziehung. Clip und Song sind gewohnt gefühlvoll und wahnsinnig eingängig. Checkt es hier aus:

Quelle: Noizz.de