Je länger die Platte läuft, desto düsterer wird die Musik ...

Nach der Hälfte des neuen Prinz Pi Albums „Nichts war Umsonst“ (VÖ 3. November 2017) ist man als Hörer doch ganz schön überrascht. Der Grundton der Texte und Songs ist positiv, lebensbejahend, macht gute Laune.

Pi rappt über einen Sandstrand, den Sommer in der Stadt, dass er genug vom Hass hat und vor allem „keinen Bock mehr keinen Bock zu haben“.

Er ist älter geworden und mit dem Alter und den Erfahrungen lernt man, dass ja irgendwie am Ende doch alles gut geht, auch wenn alles anders als geplant kommt.

Man hat die alten Träume soweit durch, bekommt Kinder und sieht plötzlich, an welch kleinen Dingen diese sich erfreuen – und erinnert sich: „Wir waren auch mal blind, waren mal Kind.

Pis letztes Album „Im Westen Nichts Neues“ fehlte das Besondere. Die Songs waren nicht schlecht, aber wirklich hängen blieb kaum etwas. „Lagerfeuer-Rap“ nannte es laut.de. „Nichts war Umsonst“ ist deutlich besser.

Pi stärkt das Selbstbewusstsein seiner Hörer, bittet darum, nicht mehr so viel Energie darauf zu verwenden „Leuten zu imponieren, denen wir scheissegal sind“, hebt die schönen Dinge im Leben hervor.

Die besten Zeiten liegen vor uns“, rappt er in „Zahlen zählen nicht“, denn was wäre der „Grund, nicht gleich zu sterben, wenn alles schwarzgemalt wird“? Von Depression erstmal keine Spur, gerade im Verbund mit Bosse oder Mark Forster.

Das Albencover Foto: Ballyhoo Media

Doch im Verlaufe des Albums wird es dann Schritt für Schritt wehmütiger, düsterer. Es geht um verpasste Chancen im Leben und vor allem in der Liebe, um Frauen, deren Herz kalt wie der „Nordpol“ war, ums plötzliche Alleine sein, zerplatzte Hoffnungen, Weglaufen, verstorbene Freunde.

Ältere Pi-Fans entdecken auch Stücke alter Songs und Texte, zum Beispiel beginnt „Nordpol“ mit der gleichen Anfangsmelodie wie „Dumm“ und ein Teil von „Für immer und Immer“ greift die Erinnerung an „Laura“ auf, Pis bis heute vielleicht berührendster, persönlichster und stärkster Song überhaupt.

„Nichts war Umsonst“ ist ein vielseitiges Album, für helle Sommertage, aber auch für dunkle Winterabende. Und es erinnert einen daran, dass das „Schicksal manchmal einfach herein stolpert, klopft und da bleibt“.

Gute-Laune-Song

Das Feature mit Bosse, „Hellrot“, sowohl musikalisch als auch textlich.

Depri-Song

Trümmerfeld“.

Größter Ohrwurm

Eigentlich „Hellrot“, aber auch „Das Original“ geht ins Ohr.

Quelle: Noizz.de