Aus der Provinz in alle Gehörgänge.

Ist ja leicht, "krasser Newcomer" zu schreien, wenn irgendeine Band mal wieder drei Akkorde zu einem Song zusammenbekommen hat. Ist dann aber gar nicht so leicht, auch tatsächlich zu liefern, wenn man so genannt wird. Kriegen Provinz allerdings ganz gut hin: Man hört bei den Jungs gleich mehrfach hin – und bekommt dann die Songs nicht mehr aus der Birne.

Liegt vielleicht an der schnoddrig angesoffenen, aber dennoch rau ergreifenden Stimme von Sänger Vincent. Oder an den dazu harmonisierenden Stimmen der anderen Jungs, wenn Provinz demonstriert, wie das mit der Mehrstimmigkeit geht. Vielleicht sind es auch die nachdenklichen Texte. Oder doch der hübsch reinlaufende Pop, der hin und wieder mit Folk, Rock und Drama flirtet?

Provinz, das sind Vincent, Moritz, Leon und Robin aus der Umgebung von Ravensburg. Also tatsächlich aus der Provinz. Den Bandnamen gabs quasi gratis dazu – und war für die Band anfangs auch eher noch eine banale Angelegenheit. Mittlerweile hat der Begriff für die Musiker aber an Bedeutung gewonnen: Sie haben gemerkt, wie sehr ihre Herkunft die Sicht auf die Welt und das alles geprägt hat. Daraus ergeben sich natürlich auch die ehrlichen, mitunter kritischen und poetischen Lyrics der Band – zu hören auf der im Mai erschienenen EP "Reicht Dir Das". Ja, das war ein dringender Anspieltipp!

NOIZZ hat Provinz 4 Fragen gestellt und über Wahrnehmung und eigene Lieblingszeilen gesprochen.

NOIZZ: Eure Texte beschäftigen sich häufig kritisch mit eurer Umwelt. Habt ihr das Gefühl, dass man gar nicht mehr anders kann, als sich kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was gerade schief läuft?

Provinz: Auf jeden Fall. Einen Vorteil, den man als Musiker hat, ist der, dass man alles, was einen beschäftigt und was um einen herum passiert, mit der Musik verarbeiten kann. Und kritische Wahrnehmung gehört auf jeden Fall auch zum Songwriting dazu!

Wenn man von euch jetzt noch nie was gehört hat: Welchen Song von euch sollte man sich als Einstiegswerk auf die Ohren geben, um einen guten ersten Eindruck zu bekommen?

Provinz: Das wäre dann wohl "Neonlicht". Der Song stellt uns zum einen musikalisch gut vor, zum anderen erzählt er ein bisschen, wo wir herkommen.

Welche ist bisher eure gelungenste Textzeile?

Provinz: Wir würden sagen "Fängst die dreckige Stadt zu fressen, bis wir fast daran ersticken" aus Neonlicht. Oder "Du sagst, es geht uns viel zu gut in diesen kranken Zeiten. Schaust traurig in dein leeres Glas hinein" aus "Was uns High" macht.

Seit Monaten wird ja nun schon gepredigt, dass die Gitarren endlich wiederkommen – Hip-Hop und R'n'B seien auf dem absteigenden Ast. Wie seht ihr das: Stimmt das?

Provinz: Auf jeden Fall kann man einen Wandel bemerken. Auf einmal stehen Künstlerinnen wie Billie Eilish auf demselben Level wie etablierte Hip-Hop-Acts. Genauso merkt man in der deutschen Musik, dass der glattgebügelte Mainstream-Pop durch roughere Livemusik und Gitarrensounds ersetzt wird. Das liegt vielleicht daran, dass man durch die Wandlung von Radio zu Spotify viel weniger vorgeschrieben bekommt, was jetzt angesagter Musiktrend ist und dadurch jeder seinen individuellen Geschmack bilden kann.

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Wo wir beim Thema Spotify sind: Wir haben Provinz gebeten, uns eine Playlist zu kuratieren. Gesammelt werden sollte Musik, die engagiert ist oder noch irgendeine Art weiteren Gedanken erlaubt. Herausgekommen ist eine grandiose Mische, die so gut reinhaut wie Fanta mit Korn (... oder so. Trinkt man das Zeug nicht auf dem Land?!)

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Quelle: Noizz.de