Und mit ihr kehrt ein Teil meiner Jugendhelden zurück.

Mit Wir sind Helden ist es für mich so: Als sie 2003 mit dem Song „Guten Tag” aus dem Nichts da über die Bildschirme von Viva und MTV flimmerten, so herrlich-charmant mit einem Video im DIY-Style, da war ich, zarte 13, hin und weg. Wir sind Helden wurden zu Helden meiner Jugend.

Dazu gehörte auch die manchmal etwas quäkende Frontsängerin Judith Holofernes. Wenn ich darüber nachdenke, dann sind ihre liebevollen Textzeilen vielleicht mit der Grund, wieso ich Literaturwissenschaft studiert habe und schon immer sehr auf den Text bei Popmusik geachtet habe.

Seit 2012 pausieren Wir sind Helden. Trotzdem machen die Bandmitglieder fleißig Musik. Bassist Mark Tavassol hatte Spaß mit Klaas Heufer-Umlauf im Bandprojekt „Gloria”. Und nun hat es auch Judith Holofernes geschafft, uns mit einem Soloalbum zu beglücken.

Es heißt „Ich bin das Chaos” – aber so viel Chaos ist es gar nicht. Das Cover aufgeräumt in schwarz-weiß. Die Lyrics interessant-verworren-wortspielerisch wie immer mit einer Menge Berliner Insider Witzeleien.

Nur eins hat sich geändert: Wir sind älter geworden. Nicht nur Judith Holofernes. Auch ich bin keine 13 mehr, sondern 27. „Ich bin das Chaos” ist musikalisch ausgereifter als alle Wir-sind-Helden-Platten zuvor und etwas ruhiger, auch wenn man merkt, dass der jugendliche Rebell noch immer da drin steckt, in der Judith.

Und trotzdem lausche ich dem Album und fühle mich wieder ein bisschen so verzaubert, wie damals bei Wir sind Helden. Ein bisschen ruhiger als als pubertierender Quark. Aber mindestens genauso schön.

Quelle: Noizz.de