Es heißt “Hokus Pokus“.

Trinkste Schwarztee, haste auch Belag auf den Zähnen. Ist ähnlich, wenn man sich Darjeeling anhört. So richtig einfach läuft einem das nicht rein. Die Melodien kommen auf einen zu, wie das Lockern einer eigentlich recht festen Handbremse, die Stimme von Sänger Jan erzeugt durchaus cozy Schauer auf dem Rücken, aber dann hauen die da irgendeine verschrobene Saitenspielerei rein oder Wimmern aus dem Hintergrund (“Odyssey“) und man fragt sich ein bisschen “Was zur Hölle?!“ – bis man merkt, dass das Endergebnis ziemlich genial ist.

Zauberei oder was?!

Es ist einer der ersten wärmeren Abende in Berlin. Man sitzt auf der Terrasse, das Bier kommt aus dem Kühlschrank, die Zigaretten sind selbstgedreht, im Hintergrund flackern die Lichter der S-Bahn an der Haltestelle Warschauer Strasse. Darjeeling veröffentlichen dieser Tage ihre zweite Platte. “Hokus Pokus“ heißt sie und lässt in Aufmachung und Sound einen eindeutigen Hang zur Freakshow erkennen. “Wir sind ja auch irgendwie Freaks“ ist Bassist Markus' Statement dazu. Er lacht “Ja komm, die interessantesten Menschen sind immer die Randgestalten.“ Recht hat er. Und in ihrer Freak-Feier sind Darjeeling dann auch so richtig konsequent – oder war das wahnsinnige Lachen auf der ersten Single-Auskopplung “Shiver“ reiner Zufall?

“Das war alles Tills Verdienst. Er macht das Sounddesign.“ – Sounddesign..aha. Knarrende Türen, hallende Schritte, erwähntes Lachen. Klar, muss so ein Album schon haben. “Wir hatten einfach Bock. Manches war Zufall, wir lassen beim Spielen immer Dinge passieren und sind da ganz offen," erklärt Jan. Sein Bandkollege fügt hinzu: “Ja, und wenn wir Sachen gemacht haben, die wir nicht so richtig einordnen konnten, haben wir einfach gesagt: 'Ist halt Hokus Pokus!' und dann haben wir es so gelassen.“ Ein bisschen Freiheit bei den Aufnahmen also. Zulassen von anarchischen Momenten, die vielleicht nicht identifizierbar sind, aber bei denen man einfach merkt, dass sie so schon ihre Richtigkeit haben.

Ponyreiten mit Substanzen

So in etwa lässt sich auch die ganze Platte zusammenfassen: Solide und manchmal mit einem Hang zum Wahnsinn. Oder als hätten die Beatles sich auf einer Wiese getroffen, sich hart das LSD reingezogen, alle Gitarren verstimmt, die sie gefunden haben und dann Ponyreiten auf Feine Sahne Fischfilet gespielt “Ja, also das kann man schon so sagen. Beatles auf jeden Fall.” Mit dem Vergleich zum linken Punkbrett kann Darjeeling aber auch gut leben. Sie wurden aber auch schon mit Jack Johnson verglichen. Also dem Typen, bei dem der erste Surfer-Song erfolgreich war – und dessen Alben danach genau diesen einen Song in Endlosschleife kopiert haben. Aber auch das ist ok. Eigentlich ist den Jungs egal, womit man sie vergleicht. Sie haben einfach nur Lust, Musik zu machen.

>> Noch mehr Musik: Sängerin Mine im Interview – über Quarterlife-Crisis, Heimatlosigkeit und die Scheide

Getroffen haben sie sich vor Jahren im heimatlichen Wuppertal, wo Markus als einziger immer noch lebt. Die anderen beiden wohnen in Berlin, studieren oder arbeiten und widmen sich den Rest der Zeit ihren Bandprojekten. “Dass wir jetzt unsere zweite Platte rausbringen bedeutet uns schon viel. Wir haben uns in unserem Sound weiterentwickelt und machen genau das, was wir halt machen wollten. Das ist cool!“ erklärt Till. Die Terrasse füllt sich mit Menschen, die zur Listening-Session eintreffen und die sich “Hokus Pokus“ heute zum ersten Mal anhören. Es wird bierseeliger, die Sonne geht unter, die Boxen werden lauter. Man bedauert kurz, heute sein Gras nicht mitgenommen zu haben: Die LSD-Beatles beim Ponyreiten aus Wuppertal würden dann nämlich bestimmt noch besser knallen.

Hokus Pokus erscheint am 12. April 2019 auf Listen Records.

Eine Tour wird es auch geben:

12.04. – Köln, Blue Shell

13.04. – Wuppertal, LOCH

27.05. – Lüneburg, Café Klatsch

28.05. – Kiel, Hansa48

29.05. – Bremen, Karton

30.05. – Jena, Café Wagner

31.05. – Berlin, Monarch

>> Und noch mal Musik-News: Shirin David züchtet mit ihrem Einstieg ins Rap-Game eine neue Generation Boss-Bitches heran

Quelle: Noizz.de