"Klingt gut, oder? Stimmt nur leider nicht!"

Es klingt nach einer guten Geschichte: Ásgeir, seines Zeichens stille Seele und Musiker für die eher tiefgründigen Momente im Leben, muss durch eine schlimme Trennung. Er packt seine Sachen, schaltet mal eben allgemein den Flugmodus ein und schmollt irgendwo in der Isländischen Einöde vor sich hin. Als er nach Wochen Einsamkeit und Herzschmerz wieder in die Zivilisation zurückkehrt, hat er sein drittes Album "Bury The Moon" fertig. Eine Platte, geboren aus den Rissen seines Herzens. "Klingt gut, oder? Stimmt nur leider nicht!", sagt Ásgeir und lacht sanft. "Durch den Pressetext zur neuen Platte kam das so rüber, ja. Aber eigentlich war es nur so: Es gab eine Trennung und irgendwann danach habe ich tatsächlich einige Wochen in der Natur für mich alleine verbracht und bisschen Musik geschrieben. Ich hatte einfach Zeit, keine Bindungen und wollte sowieso mal wieder raus. Das ist alles."

Keine Romantik, kein Herzschmerz

Braucht der 27-Jährige offensichtlich auch gar nicht, um herrlich melancholisch zu klingen. Die elf Songs seiner neuen Platte sind bis zum Anschlag aufgefüllt mit Sehnsucht und kristallklarer Lethargie. Gleichzeitig ist auf "Bury The Moon" alles schick aufgeräumt, gut ausproduziert und insgesamt einfach wirklich sehr anschmiegsam für das allgemeine Ohr. Halt typisch für den Isländer, dessen Durchbruchs-Album "Afterglow" (2017) schon ähnlich intensiv begeisterte. Im Zentrum seines Schaffens ist immer Ásgeirs Stimme, die zwischendurch schwindelerregende Höhen erreicht und sich einem so richtig schön unter die Gänsehaut gräbt. Perfekte Musik also, wenn man vielleicht selber irgendwo im Wald hängt und über eine Trennung hinweg muss. Oder wenn man einfach mal Lust hat, ein bisschen traurig zu sein.

Hat er eigentlich schon mal versucht, Musik zu machen, die nach Cuba Libre am Strand klingt? Ásgeir nickt. "Ich habe solche Songs geschrieben – also so fröhlichere," er muss lachen. "Aber aus irgendeinem Grund habe ich zu denen keine tiefere Verbindung. Ich habe Schwierigkeiten, es als ehrlich zu empfinden." Uptempo gibts aber dennoch: Etwa das Stück "Until Daybreak", das ein richtig schniekes Elektrobett unter sich hat.

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Insgesamt war das mit der neuen Platte auch eigentlich eher eine fröhliche Angelegenheit, wie Ásgeir erzählt: "Seit den letzten Aufnahmen sind wir super zusammengewachsen. Die Stimmung war richtig gut und ich hoffe ein bisschen, dass man das auch auf der Platte hört", erzählt er. Vielleicht ist das ja das Geheimnis hinter dem tatsächlich sehr wohlklingenden Sound des Albums.

Überhaupt scheint der Musiker ein wenig gelöster und entspannter als noch vor ein paar Jahren. So als hätte er seine Schüchternheit überwunden. Man könnte mit etwas Phantasie sogar sagen: Ásgeir wirkt wie seine Songs – brauchen manchmal bisschen Anlauf nur um dann auszubrechen und einen komplett für sich einzunehmen. "Interessant – ich glaub, ich hab das so noch nie gesehen. Aber ja, vielleicht stimmt das: Vielleicht ist meine Musik wie meine Persönlichkeit." Er erzählt, dass er tatsächlich wahnsinnig lang braucht, um sich mit neuen Menschen wohlzufühlen. Doof als Musiker, der ständig auf Tour und an Promotagen mit immer wieder neuen Personen zu tun hat. "Ich habe echt gelernt damit umzugehen. Mittlerweile ist das alles nicht mehr so schwer", sagt er und zuckt mit den Achseln.

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Die Musik dürfte für Ásgeir eine Bündelung sein: Hier ist alles so dramatisch, wie ein Albumtitel wie "Bury The Moon" vermuten lassen würde. Schüchterheit, Liebe, Schmerz, Sehnsucht: Alle sind sie da auf dieser Platte und in der Feder dieses großartigen Musikers. Aber im Alltag, da ist das alles einfach nicht ganz so schlimm. Ist halt doch weniger traurig als man denken würde, der Àsgeir.

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  • Quelle:
  • Noizz.de