… und durchbricht dabei die Proll-Mauer.

„Und die Verantwortung, die ich für meine Familie hab', ist mein wunder Punkt. Meine Mum ist krank, ich muss weiterhustlen. Pokerface, Emotionen aus, ich muss weitermachen“, rappt Kollegah zu dröhnenden Beats in seinem neuen Track „Löwe“. Emotionale Zeilen, die man von dem Skandal-Rapper nicht gewohnt ist – und: Zeilen, die einfach nicht zur Umsetzung des Musikvideos passen wollen.

Geprotze auf höchstem Niveau

Kollegah spittet im Versace-Hemd auf den Dünen vor Dubai – umringt von vermeintlichen Scheichs. Wie so oft sorgen etliche massive Goldketten dafür, dass der Echo-Gewinner die Bodenhaftung nicht verliert. Oder eben auch nicht: Was Kolle an Protzerei im Video zu „Löwe“ auffährt, überbietet wohl all seine Vorgänger-Videos.

Der 34-Jährige sitzt im roten Hefner-Morgenmantel auf einer episch-riesigen Terrasse, bekommt Kaffee serviert, die Zigarre wird gebufft. Nächste Szene: Kolle präsentiert Gold-behangen seine zum Bersten trainierten Oberarme im Pool. Nächste Szene: Kolle steht als einziger Mensch auf einer absurd großen Yacht und verrät uns: „Yeah, stabiler als 'ne Panzerstahl-Legierung. Beef mit mir hat eine ganz fatale Wirkung wie ein Handgranaten-Zielwurf.“

Immer wieder wird stolz Produzenten-Legende Scott Storch eingeblendet, mit dem der Deutschrapper erstmals für sein kommendes Album „Monument“ zusammenarbeitete. Es ist ein wahres Fest der Prahlerei.

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Ein Fest der Prahlerei garniert mit privaten Details

Dass Kollegah und seine Mutter ein besonders gutes Verhältnis pflegen, ist kein Geheimnis. Fans wissen, der Musiker will seine Mutter stolz machen und das schafft er auch. Immer wieder veröffentlicht er Chat-Verläufe, die zeigen: Mama steht immer hinter ihrem Sohn. Wohl auch deshalb widmet Kollegah diesen Song ganz offiziell seiner geliebten Mutter. „Liebe dich, dieser Song ist für dich“, schreibt er auf Instagram.

Eine Widmung also, die der Musiker sogar erstmals mit sehr privaten Details wie der Erkrankung seiner Mutter und dem schlechten Verhältnis zu seinem Vater anreichert. „Papa, wir hab'n uns vier Jahre nicht geseh'n. Ich trag' dich immer noch im Herz, du bist mein Vater, nur das zählt“, heißt es im Track.

Wie passen überzogene Proleten-Szenen mit belastender Familiengeschichte zusammen?

Bei so einer Gefühls-Premiere, würde man da nicht meinen, dass selbst ein stabiler Kollegah in Sachen Proll-Gehabe einen Gang runter schaltet? Vielleicht durch seine alte Hood streift, im Auto sitzt und sich – auch – ein wenig nachdenklich gibt?

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Andererseits: Das ist halt Kollegah. Der Mann lebt davon, nicht müde zu werden, immer und immer wieder zu erwähnen, dass er es geschafft hat. Mit Ketten um den Hals und Zigarre an den Lippen. So drückt er sich aus. Kollegah lässt keine Möglichkeit aus, seinen musikalischen Trizeps anzuspannen.

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Und Mama, die scheint sowieso nichts dagegen zu haben, dass ihr Sohnemann mit dieser Attitüde sein Geld macht. „Wir beugen uns nicht vor Menschen, denen wir nicht in den Kram passen. Wir beugen uns nur vor Gott”, schreibt sie in dem veröffentlichten Chat-Verlauf zum Release von „Löwe“.

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Und am Ende versteht man Mama Kolle ja auch ein bisschen. Schließlich ist es sehr viel angenehmer einen Proleten-Sohn zu haben, der sich als römischer Herrscher in Sixpack-Rüstung inszeniert (so geschehen im Musikvideo zu „Nero“), als einen, der Koks dealt.

Das ist für die Mutter, die so tat, als wüsste sie nicht, dass ich Koka dealte. Weil ihr klar war, anders reicht das Geld nicht für die Monatsmiete“, gab Kollegah in seinem Song „Rauch“ aus dem Jahr 2016 preis.

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  • Quelle:
  • Noizz.de