Die neue Single „Glitza“ ist enttäuschend.

Haftbefehl war mal der leuchtende Stern am deutschen Straßenrap-Himmel. Wie fast alle Vorreiter der Kunst, musste auch er sich anfangs belächeln lassen, nur um spätestens seit „Chabos wissen wer der Babo ist“ als nationaler Held gefeiert zu werden. Sein Einfluss auf Jugendsprache und Straßenrap ist bis heute spürbar. Doch mit dem Erfolg und den Millionen, scheint sich beim Offenbacher Wunderknaben auch ein wenig Trägheit eingeschlichen zu haben. Dafür gibt es verschiedene Indikatoren, aber vor allem einen: Seine neue Musik ballert nicht mehr.

Glitza heißt die neue Single, die gerade gemeinsam mit Milonair und Joker Bra erschienen ist. Hafti macht die Hook und einen Part. Auch wenn der Song eigentlich unter Milonairs Namen läuft, ist es also eher Haftis Song. Und was soll man da sagen ... der einstige Babo ist off beat, müht sich mit unhörbaren Technik-Flows ab und rekonstruiert sein altes Drogendealer-Image, das bei einem CEO, Multimillionär und Major-Label-Signing einfach nicht mehr zieht.

Klar, Hafti hat schon immer irgendwie wild geflowt. Aber früher war er trotzdem immer im Takt. Es war gerade diese Mischung, aus ungezähmter Rohheit zusammen mit handwerklicher Kunstfertigkeit, die so brillant klang.

Auch als Feature auf dem mindestens fragwürdigen Song „Mathematik“ mit Rammstein-Frontsänger Till Lindemann, blieb vielen Chabos ein Geheimnis, wer der Babo ist. Was ist da los beim Zwei-Meter-Hünen?

Hafti ist Familienvater, und wie es so aussieht, nimmt er die Rolle ernst. Das ist natürlich richtig schön – wie viele Kinder von reichen Stars sehen ihre Eltern maximal am Wochenende über Facetime? Richtig: zu viele.

Als CEO seines Labels Azzlackz hat er natürlich auch jede Menge Business-Kram zu erledigen. Wenn man dann ohnehin genug Geld im Safe gestapelt hat, ist es irgendwie nicht verwunderlich, dass man einen Gang zurückschaltet und alles ein bisschen entspannter angehen lässt. So verständlich das auch sein mag, so schade ist das für seine eigene Musikkarriere.

Saudi Arabi Money Rich – einer der besten Songs, die er je gemacht hat. Das war 2014.

Der Babo war auf jeden Fall mal deutlich schlanker – und fitter als heute. Als ich ihn auf dem Splash! Festival 2015 live sah, hat er ohne Back-up komplett rasiert. Stimmlich war das eine der besten Live-Performances, die ich je gesehen habe. Drei Jahre später, gleiches Festival, sieht man Hafti auf der Bühne mit zwei Back-up-Rappern nach Luft schnappen.

Konto voll, Bauch voll – Hunger gestillt? Darf man noch auf ein saftiges Haftbefehl-Comeback hoffen? Ich glaube kaum, ich hoffe sehr.

Quelle: Noizz.de