Leute, so geht smarter Rap.

Eine Minute nach Mitternacht. Da, wo jetzt eigentlich Freude und Aufregung sein sollten, ist nichts. Leere. Stille. Eine Leere, die ein Mann in mir hinterlassen hat. Doch hier geht es nicht um meinen Vater oder einen Verflossenen, es geht um den Rapper Shindy.

Ich weiß schon jetzt, dass den nächsten Morgen, den nächsten Tag, diesen Freitag, eine Trauer und eine Tristesse durchziehen wird. Es ist der Tag, an dem Shindys Album "Drama" hätte erscheinen sollen.

Der 10. Mai war lange Zeit in meinem Kalender dick markiert. Die Singles "Dodi" und "Affalterbach" stellten alles in den Schatten, was der Rapper je produziert hat. "Drama", da war und bin ich mir sicher, wird den zuvor veröffentlichten Tracks in nichts nachstehen.

Shindy schien anderer Meinung. Im April kam die Nachricht, dass er das Releasedatum um zwei Monate auf den 12. Juli verschoben hat. Die Tracks seien noch nicht so weit.

Und nun sitze ich da und denke nach. Drama. Selten bringen deutsche Rapper Alben auf den Markt, die so sehr von ihren Titeln leben, so authentisch sind, wie "Drama". Schon vor der Veröffentlichung hält das Album alles, was Shindy uns je versprochen hat.

Drama ist Programm. Da wäre einmal der Stress mit Bushido, unter dessen Label Shindy seine ersten drei Alben veröffentlichte. Heute hat der Rapper sein eigenes Label, "Friends with money". Dann ist da noch der Stress mit Capital Bra und Shirin David, die erst auf "Affalterbach" zu hören war, keine Credits bekam und anschließend einfach ausgetauscht wurde. Damit beweist Shindy zwei Dinge: Er beherrscht das Drama in Perfektion und er ist auch noch der Dramaturg seines eigenen Stückes.

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Wie das klassische Drama gliedert sich offenbar auch Shindys Albumphase in fünf Teile. Da ist die Lösung von Bushido, die Gründung seines eigenen Labels, die Zeit vor seinem Album samt all der Schlagzeilen und die Verschiebung des Release-Dates, dann die Veröffentlichung selbst und der letzte Zug, in dem wahrscheinlich eine Tour oder ähnliches stattfinden wird.

Damit beweist Shindy, dass "Drama" trotz der Verschiebung schon längst erschienen ist. Das Album entfaltet seine Wirkung bereits vor seiner Veröffentlichung. Es steckt in den kleinen Details, in Zeilen wie "Interessant, du hast Shindy gemacht, Mashallah, mach noch mal". In den Momenten, in denen er Shirin David "Alles klar Beyoncé, bleib besser zu Hause, du Spinnerin" textet. In seinen raren Instagram-Postings, unter denen auch mal "Wo sind meine Shirizzles?" steht. Wenn er über seinen Größenwahn rappt, über seinen unstillbaren Hunger. Das alles ist Drama, das alles ist Shindy, das alles ist sein neues Album.

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Also kein Grund, traurig zu sein, sage ich mir selbst. Wir befinden uns gerade in der spannendsten Phase des Dramas, in Phase drei. Hier passieren all die Wendungen, all die Morde, all das, ja, Drama. Dazu gehört zwischenzeitlich auch eine Traurigkeit. Eine Sehnsucht nach mehr. Dessen scheint sich Shindy bewusst zu sein. Er spielt damit.

Mit seinen Moves kurbelt Shindy die Vorbestellungen an. Er wird auf Platz eins der Charts landen, so wie bereits mit den Platten zuvor. Die zwei Monate mehr garantieren ihm den Thron, ganz sicher. Oder wie Shindy sagen würde: "Meine Vorbestellungen ficken deine erste Woche, meine Vorbestellungen ficken deine zweite Woche."

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Quelle: NOIZZ-Redaktion