Sie sind selbst für Charli XCX zu cool.

Als ich Teenager war und angefangen habe meinen musikalischen Horizont zu erweitern, gab es Girlgroups wie die Spice Girls oder die von mir heiß geliebten Popstars-Gewinner No Angels. Nicht, dass die schlechten Pop gemacht hätten - ich meine hey, die Spice Girls haben Girl-Power erfunden! – aber es war doch sehr retortig.

Ähnlich geht es auch der von uns allesamt geschätzten Pop-Ikone Charli XCX. Wie sehr lieben wir zwar unsere Castingbands– #guiltypleasures –, hätten uns im Nachhinein aber doch etwas mehr Individualität gewünscht. Zum Glück kann uns Charli damit nun behilflich sein. Zusammen mit Netflix hat sie nämlich kurzerhand ihre ganz eigene, perfekte Castingband zusammengestellt – ohne Kompromisse. Vier starke Frauen, die allesamt auch alleine das Zeug zum Star hätten. Zusammen aber brillieren sie.

Darf ich vorstellen? Nasty Cherry:

"Ich hätte mir gewünscht, dass es so eine Band wie Nasty Cherry schon gegeben hätte, als ich 14 war", sagt sie im Trailer zur Netflix-Doku-Reality-Serie, die die Band vorstellt, in unseren Popzirkus einführen soll und weiter: "Meine Vision ist es, dass sie die größte Band der Welt werden und eine Band, der ich gerne zugehört hätte und von denen ich mich inspiriert gefühlt hätte, wenn ich, sagen wir mal, 15 gewesen wäre." So viel Hype kann natürlich furchtbar in die Hose gehen – oder aber wunderbar aufgehen.

So wie eben im Falle von Nasty Cherry. Bis auf Gitarristin Chloe Chaidez, die nebenbei auch noch Frontfrau der Indieband Kitten ist, sind alle anderen Bandmitglieder Musikneulinge. Debbie Know-Hewdson ging ab und zu mal als Drummerin auf Tour mit anderen Künstlern, für Sängerin Gabi Bechtel ist die Band eine Premiere, Bassitin Georgia Somary hat sogar extra Bass spielen nur für Charlis Bandprojekt gelernt. Außerdem hat sie genauso wie Debby ihre britische Heimat verlassen, nur um big in LA zu werden.

Zum Glück könnte man sagen, denn neben Dream Wife sind Nasty Cherry eine der spannendsten Gitarrenbands der vergangenen Jahre. Und dabei wird der feministische Anspruch, eine Band zu haben, die nur aus Frauen besteht, selber ihre Songs schriebt und Instrumente spielt, sogar mit produziert – denn das ist noch immer keine Selbstverständlichkeit in der Musikbranche – ganz zur Nebensache.

Denn Nasty Cherrys Sound ist vor allem eins: extrem geil

Ihre Songs klingen wie ein heißer One-Night-Stand für den man gerne immer wieder seine Prinzipien über Bord wirft. Ihr Sound ist so cool, als seien CSS gerade mit The Clash ins Bett gegangen. Oder als hätten The Cure endlich Instagram. Chloe, Gabi, Debby und Georgia sehen zudem nicht aus wie aus dem Ei gepellt, sie haben ihren eigenen Style: rough und selbstbewusst. Nicht irgendein schleimiger Manager hat sie gecastet, sondern Charli XCX. Den platten Bandnamen kann man als Hommage an ihre Casting-Wurzeln werten.

Als ich das erste Mal ihre Single "Win" gehört habe, lief sie praktisch in Endlosschleife: So ein lockerer Indierock-Pop-Song, wie aus dem Ärmel geschüttelt. Ein bisschen 80s-Vibe und trotzdem so nah am Puls der Zeit, dass ich auf einmal selbst dachte, ich sei auf irgendeiner US-Hausparty. "Music With Your Dad" hingegen ist so rotzfrech, dass man glatt wieder zum Rebellen werden könnte. Also, wenn du noch einen coolen Soundtrack für deine Abende brauchst: Nasty Cherry haben ihn.

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Auf Netflix könnt ihr in "Nasty Cherry: I'm With The Band" noch mehr Einblicke sehen, wie die vier mit der Hilfe von Charlie XCX zu einer Band geworden sind – mit allen Höhen und Tiefen. Auf das Debütalbum muss man noch ein bisschen warten. Dazwischen höre ich einfach "Fuck Modern Love" – immer und immer wieder.

Und hier kannst du in ihre neue EP "Season 1" reinhören:

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Quelle: Noizz.de