Für den Franzosen ist seine neue EP "Aftermath" ein neues Kapitel in seinem Leben.

Manchmal scheint das Leben ziemlich ungerecht. Zumindest könnte man diesen Gedanken bekommen, wenn man zum ersten Mal die tragische Geschichte des französischen Duos Her hört. Die zwei Freunde Simon Carpentier und Victor Solf starteten richtig durch. Ihre sexy aufgeladene Mischung aus Electro, Soul und Hip-Hop bescherte den beiden 2015 ihren ersten großen Hit: Die Nummer "Five Minutes" war Teil einer iPhone-Kampagne.

Und plötzlich waren Simon und Victor, die bereits seit 2007 zusammen Musik machten, überall bekannt, ihre Konzerte fast immer ausverkauft. Jeder wartete auf das Debüt. Es schien richtig gut zu laufen. Doch dann starb Simon 2017 mit 27 Jahren an Krebs. Nur wenige Monate, bevor ihr Album erscheinen sollte. Victor musste es alleine durchziehen, es fertigstellen, veröffentlichen, Interviews geben. Immer und immer wieder den Verlust eines Freundes erzählen und zugleich über ihr gemeinsam geschaffenes, neues Werk reden.

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Victor spielte sogar noch zwei Jahre danach Konzerte mit den Songs von Her, nur er alleine auf der Bühne. Er war zu diesem Zeitpunkt aber bereits so weit, dass er wusste, dass er mit Her nicht mehr weiter machen konnte. Nur, was kann nach so einem tragischen Verlust eigentlich folgen? Vielleicht ist es dann am einfach am besten, man selbst zu sein.

Bezeichnenderweise trägt Victor Solfs erste Solo-EP den Titel "Aftermath". Darauf sind Songs, die so zart und zugleich tief persönlich sind, dass sie beim Zuhören einen fast zerreißen. Sie erzählen die Geschichte eines Künstlers, der sich nach all dem, was er erlebt hat, nicht mehr verstecken möchte – sondern einfach nur er selbst sein möchte. So singt er im Song "Traffic Lights":

"We were friends. Now you blend in with the crowd. Painful memories. Memories turn to songs with time. No more traffic lights and we jump."

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Es ist ein Neuanfang, ein neues Kapitel in Victor Solfs Leben, dem er sich nun stellt. In dem Pressetext zu seiner neuen EP liest man, dass er sich lange Zeit so gefühlt habe, als hätte er ein Spiel spielen müssen: "Ich war eben gezwungen im Rampenlicht zu stehen. Ich liebe Menschen, den Kontakt mit ihnen. Am Ende jedes Her-Konzerts konnte ich locker zwei Stunden an unserem Merchandising-Stand verbringen und mit den Fans plaudern. Ich will keine Rollen mehr spielen. Ich bin Victor Solf. Es steht auf dem Plattencover.

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Das Resultat von diesem Emanzipationsprozess ist aber keine Abgrenzung von Her – es ist eher ein Hand in Hand gehen. Die Stücke auf "Aftermath" sind nicht weniger vielschichtig, vielleicht sind sie noch einen Ticken emotionaler – aber genauso unwiderstehlich. Wir haben die Möglichkeit genutzt und bei Victor mal selbst nachgefragt, wie es sich anfühlt, nach einem Verlust nochmal neu anzufangen.

NOIZZ: Wie fühlt es sich an, jetzt solo unterwegs zu sein?

Victor Solf: Es fühlt sich wirklich gut an. Ich bin wirklich gespannt auf dieses Projekt. Es ist ein neues Kapitel in meinem Leben.

NOIZZ: Ist es dir leicht gefallen, weiter Musik zu machen oder hast du kurz überlegt, es sein zu lassen?

Victor: Nein, niemals. Es ist einfach ein Teil von mir, so wie die Luft, die ich atme.

NOIZZ: Deine EP trägt den Titel "Aftermath" – wie kamst du auf den Titel?

Victor: Es ist eine Gemütslage. Es ist chaotisch, es ist unordentlich – aber es ist genauso, wie ich Dinge erschaffe, wie ich sie wieder neu aufbaue.

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NOIZZ: Hattest du denn eine genaue Vorstellung davon, wie deine neuen Stücke klingen sollten?

Victor: Am Anfang nicht – aber das ist der beste Part daran. Du entdeckst Dinge. Nach einer Weile wusste ich mit großer Sicherheit, dass ich alle Songs erstmal am Klavier schreiben wollte – ganz ohne einen Computer oder eine Drum Machine. Dann habe ich mich entschlossen, alles bei mir Zuhause zu produzieren: Ich habe aufgehört, nach Perfektion zu suchen. Ich wollte lieber in die tiefen Emotionen der Songs eintauchen.

NOIZZ: Wie würdest du dann deine Musik beschreiben?

Victor: Ich mag keine Schubladen. Ich liebe Nina Simone und Kanye West, Al Green und Jon Hopkins. Genauso liebe ich klassische Musik: Yann Tiersen, Bach, Ravel, Max Richter. Es ist ein Mix aus allen Genres.

NOIZZ: Sind das auch deine musikalischen Vorbilder?

Victor: Wenn ich singe, dann habe ich immer Sam Cooke, Ray Charles und Marvin Gaye im Hinterkopf.

NOIZZ: Was hat dich zu den Songs, die es dann auf die EP geschafft haben, inspiriert?

Victor: Ich wollte herausfinden, was mich glücklich macht. Was ich wirklich in meinem Leben brauche. Ich habe am Ende realisiert, dass ich gar nicht so viel brauche.

NOIZZ: Hast du jemals daran gedacht, auch in Französisch zu singen?

Victor: Nein, bis jetzt nicht. Vielleicht bei meinem nächsten Projekt.

Hier kannst du in Victors EP "Aftermath" reinhören:

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Quelle: Noizz.de