Ein Musikvideo, das die Generation der gerade Zwanzig-irgendwas-Jährigen perfekt porträtiert.

Seit mir Yungblud für NOIZZ via Instagram so herrlich raw und real ein paar meiner brennenden Fragen beantwortet hat, bin ich schockverliebt in die Songs des Rappers aus UK, der vor wenigen Tagen erst seinen 23. Geburtstag gefeiert hat. Gefeiert hat er das mit seinen aktuell 1,1 Millionen Instagram-Followern uns seiner Freundin, Popstar Halsey.

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Jedenfalls, vor wenigen Stunden hat Yungblud endlich das lang ersehnte Musikvideo zu seinem Track "Hope for the Underrated Youth [The future is bright because we're in it]" gedroppt – und es ist ein glänzendes, juvenile Juwel. Was für ein fucking schöner Titel auch:

Juvenile, das heißt als Adjektiv auf Englisch jugendlich, als Nomen Jugendlicher und im Prinzip ist der Rapper genau das: ein trotziger, liebevoller, rebellischer Teenage-Boy in einem androgynen Erwachsenen-Körper, der seine dünnen Beine in pinken Socken in derbe Boots steckt, ein kurzes schwarzes Kleid anzieht, sich die Augen schminkt und dann darüber spittet, dass die Zukunft einzig deshalb gut wird, weil seine Generation sie gestalten wird.

Seine Message ist erfrischend konträr zu dem schlechten Ruf, den junge Menschen zwischen 18 und 28 heute haben. Faul seien sie, süchtig, konsumversaut, ungebildet und meinungsschwach. Wirklich? Yungblud zeigt dieser Weltanschauung mit seiner Musik (und mit seinen Selfies auf Insta) gerne den Mittelfinger, auf dem, typisch für die Ambivalenz der Generation Y, ein schwarzes Herz tätowiert ist, wodurch der Rapper eben auch Liebe zeigt.

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Das nur am Rande. Zurück zum Grund für diesen Text: Das Musikvideo ist ein wunderschönes Werbe-Banner für diese abgestempelten Gestalten. Zu sehen ist Yungblud, wie immer in einem genderfluiden lewk (also Look), der sich Outfit-technisch irgendwo zwischen Knast-Insasse, Emo und Pippi Langstrumpf bewegt. Er gibt ein eskalierendes Konzert auf einem Fährboot, das über die Themse schippert, für manche Teenies, manche Studis, manche Twens, alle irgendwas dazwischen, die demonstrativ Regenbogenflaggen schwenken. Dabei rauchen, saufen, tanzen alle, weil Party und Politik für uns in diesem Alter eben ein unzertrennliches Gespann ist. Es wird geknutscht: Männer küssen Männer. Es werden Selfies gemacht. Es wird im Moshpit abgeschwitzt. Es wird ein Statement gesetzt.

Wir haben Spaß, wir haben Stärke, wir strotzen vor Lebensgier, wir haben keine Lust, dass ihr uns in Schubladen steckt. Der Songtext ist deep:

"Hidin' all my feelings but I know that I'm not dreaming, 'cause there's hope for the underrated youth. And I'm so far from telling you the truth, 'cause you keep on pulling me down, pulling me down, pulling me down. Yeah there's hope for the underrated youth."

Also sinngemäß: Ich will mich verstecken, aber es ist nicht nur ein Tagtraum, dass ich denke: Es gibt Hoffnung für die unterschätze Jugend, auch wenn das vielleicht nicht die ganze Wahrheit ist.

Damit besingt Yungblud dieses Lebensgefühl zwischen Weltschmerz und Idealismus, der uns junge Erwachsene antreibt, den Widerständen der älteren Generation zum Trotz, trotz dem Spott, Hohn und dem Mist, der aktuell auf der Welt abgeht und uns die Zukunft verbaut. Schöner Gedanke, den der Song schon im Titel teilt: Es gibt trotz dieser Zukunft Hoffnung, weil wir die Zukunft sind. Bam. Mic Drop.

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Quelle: Noizz.de