Labels, Radio-Sender und Streaming-Dienste scheffeln die meiste Kohle.

Die Welt ist ungerecht. Zum Beispiel in Sachen Musikindustrie. Die macht Milliarden-Umsätze – und wächst das erste Mal seit 2008 wieder, Spotify, Apple Music und Co. sei Dank. Und was haben die davon, ohne die es diese Branche gar nicht gäbe, die Musiker? Die schauen dumm aus der Wäsche. Na ja, fast.

Eine Studie der Citigroup (ja, die von der Citi Bank) hat herausgefunden, dass Musiker gerade einmal zwölf Prozent der gesamten Umsätze der US-Industrie erhalten.

Die gute Nachricht zuerst: Das ist mehr vom Kuchen als sie jemals hatten (zum Vergleich: 2000 betrug der Wert etwa 7 Prozent). Das liegt auch an den Streamingdiensten, die inzwischen sehr viel mehr direkt an die Musiker abgeben als noch vor einigen Jahren.

Die schlechte ist aber: Insgesamt machte das Musikbiz mit Labels, Streamingdiensten und anderen Komponenten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43 Milliarden. Das ist scheiße viel Geld. Die zwölf Prozent, die sich nun aber auf alle Künstler verteilen, sind unterschiedlich groß. Natürlich verdient ein Kanye West mehr als Tame Impala.

Wie kann man dieses Ungleichheit verändern?

Laut Studie gibt es dafür nur drei verschiedene Ansätze.

1. Bereits existierende Vertriebsformen werden zusammengeführt: Konzertveranstalter könnten etwa mit Streamingplattformen wie Spotify zusammen arbeiten, wodurch Geld direkter an die Künstler ausgegeben wird.

2. Alle zahlen in einen Topf ein und schütten an die Künstler gemeinsam aus (das dürfte den verschiedenen Streamingdiensten aber gehörig stinken).

3. Streamingdienste wie Spotify könnten anstelle von Labels treten. Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich und zum Teil nur eine Frage der Zeit. Schon jetzt gibt es exklusiv eingespielte Sessions nur für Spotify oder Apple Music. Und Jay-Zs Streaming-Dienst Tidal ist noch einen Schritt weiter und übernahm etwa für „4:44“ von Jay-Z die gesamte Distribution des Albums.

Diese drei Modelle führen aber nur dann zu mehr Einnahmen bei den Künstlern, wenn die Prinzipien der Musikbranche so bleiben wie sie sind – also dass Künstler das meiste Geld durch Konzerte und Streaming einnehmen.

Diese Entwicklung würde auch bedeuten, dass sich Marktmacht lediglich verschiebt: Statt der Labels wären auf einmal die Streamingdienste die Bosse. Ob es das leichter für kleine Künstler macht, sich zu etablieren und von der Musik zu leben, ist fraglich.

Schon jetzt nimmt die Kommerzialisierung neuer, digitaler Vertriebswege kuriose Züge an, wie wir etwa bei der Instagram-Veröffentlichung von Jaden Smiths neusten Album gesehen haben.

Wen es interessiert: Den Report in voller Länge könnt Ihr auf Englisch unter diesem Link nachlesen.

Quelle: Noizz.de