Billie EIlish räumt ab, Lil Nas ist der Master of Playback, Missy Elliott is back, Miley Cyrus singt sich die Seele aus dem Leib, Shawn Mendes und Camila Cabello werden romantisch. Und sonst so?

Es gab Zeiten, da bedeuteten die MTV Video Music Awards einfach alles. Sie waren neben den Grammys DAS Highlight der US-Musikbranche, Jahr für Jahr – und auch ganz Europa schaute hin. Seit 1984 wir der "Moonman" verliehen. Der Preis ist besonders cool, weil schon immer wir, die Fans entscheiden durften, wer gewinnt.

Das hat sich ein bisschen verändert. Schließlich sind Musikvideos und MTV nicht mehr ganz so wichtig. Aber immer noch so wichtig für die Jugend und Popkultur, dass wir jedes Jahr darauf hin fiebern was diesmal passieren wird. Denn wo sonst treten an einem Abend alle Popstars der Stunde auf, zum Teil mit exklusiven Songs und Features? In diesem Jahr fanden die VMAs in Newark im US-Bundesstaat New Jersey statt.

Und ehe ihr jetzt fragt: Nein, es gab keine Jersey-Shore-Action. Ja, enttäuschend. Immerhin durfte der Cast inklusive Snooki auf dem Roten Teppich posieren. Wer bei den Awards eigentlich gewinnt, interessiert bekanntlich nur am Rande, hier trotzdem mal eine kurze Zusammenfassung:

Billie Eilish, Taylor Swift und Ariana Grande haben bei der Verleihung der MTV Video Music Awards die wichtigsten Preise gewonnen – also Girl-Power! Ari wurde zur Künstlerin des Jahres gekürt, Tay Tay durfte sich für ihren Song "You Need to Calm Down" über die Trophäe für das Video des Jahres freuen.

Billie Eilish konnte an diesem Abend die Preise in den Kategorien "Beste neue Künstlerin", "Push Künstlerin des Jahres" und für den Videoschnitt zu ihrem Hit-Song "Bad Guy" mit nach Hause nehmen.

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Billie ist zur Zeit auf Tour in Europa unterwegs, unter anderem wird sie auch bald beim Lollapalooza in Berlin zu sehen sein. Deswegen gab es leider keine ikonische VMA-Performance von ihr. Dafür aber jede Menge andere spannende Highlights.

Wir haben das Wichtigste für euch einmal zusammen getragen.

10 Jahre nach Kanye: Was macht Taylor Swift?

Den Abend eröffnen durfte Taylor Swift. Wer auch sonst, wenn nicht sie? In diesem Jahr feiern wir nämlich ein besonderes Jubiläum. Vor exakt zehn Jahren, es waren die VMA 2009, gewann Taylor Swift den Preis "Best Female Video" für ihren Song "You Belong To Me".

Das fand Kanye West gar nicht cool. Er stürmte die Bühne und warf Tay Tay unterschwellig vor, den Preis nicht verdient zu haben, weil Beyoncé viel cooler sei. Naja, die hat immerhin den wichtigsten Preis damals abgeräumt, das "Video of the Year". Aber egal. Damit begann ein Megazickenkrieg zwischen Kanye und Taylor, der irgendwie in "Look What You Made Me Do" eskalierte.

Was macht Taylor also zehn Jahre nach dem wohl most shocking Moment in der Geschichte der VMAs? Sie performt einfach – und räumt nebenbei den Preis ab, den Beyoncé damals vor zehn Jahren gewonnen hat. Kanye West, was sagst du jetzt?

Aber mal ganz ehrlich: Die Soundtechnik war schon miserabel. Alles klang irgendwie einen Ticken zu dumpf – den schreienden Teenie-Fans war das aber wahrscheinlich eh egal.

Funfact am Rande: Schauspieler John Travolta, ihr wisst schon der aus den 70er-Tanzfilmen "Grease" und " Staurday Night Fever", konnte Drag Queen Jade Jolie nicht so ganz von Tay Tay unterschieden. Als er den Moonman als Laudator überreichen wollte, drückte er nämlich zuerst Jolie die Trophäe in die Hand. Okay. Kann ja mal passieren.

Miley Cyrus tritt zum ersten Mal nach ihrer Trennung von Liam Hemsworth auf

Ich lege mich hier mal fest: "Slide Away" ist der stärkste Song, den Miley jemals geschrieben hat. Und bei den VMAs präsentiert sie uns all ihre Gefühle. Sie steht da auf der Bühne, wie eine weiblich Prince und singt: "It's time to let you go". Wow. Noch nie waren die VMAs so ehrlich, wie in diesem Moment. Danke, Miley.

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Haltet euch fest: Missy Elliott is back!

Es ist, als wäre sie nie weggewesen. Sie rockt noch immer so wie damals. Dafür bekam sie mehr als verdient den "Video Vanguard Award"-Ehrenpreis für ihr Lebenswerk. Ich meine schaut sie euch an: Was diese Frau für den Hip-Hop getan hat, kann ihr keiner nach machen.

Den Preis übergab ihr niemand geringeres als Cardi B, die nach eigenen Angaben Missy Elliott als ihr größtes Vorbild sieht. In ihrer Dankesrede, bedankte sich Missy bei Janet Jackson, Busta Rhymes, Peter Gabriel und Madonna sowie allen Tänzern, denn ohne sie wäre jede Performance nur halb so cool.

Lizzo zeigt, was Liebe bedeutet

Aprops Missy Elliott: Mit der hatte auch die gute Lizzo schon die Möglichkeit zusammen zu arbeiten. Dass der Sängerin egal ist, was andere von ihr Denken und sie ihr Ding durch zieht, wissen wir. Dem Publikum In Jersey gab sie aber eine wichtige Message mit auf den Weg:

"You deserve to feel good as hell!", also ihr verdient es euch verdammt gut zu fühlen. Dabei performte sie vor einem riesigen Hintern. Damit zeigte sie einmal mehr, dass der Popzirkus im 21. Jahrhundert sich nicht ausschließlich um schöne Gesichter und Best Images dreht.

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Achtung, jetzt wird es kitschig: Shawn Mendes und Camila Cabello zelebrieren ihre Liebe

Ja, die Klatschpresse berauscht sich an den beiden schon seit einigen Monaten. Bei den beiden Turteltauben knistert es. Manch böse Zungen glauben, dass das ein einziger PR-Coup sei, wegen ihrer gemeinsamen Single "Señorita". Die ist übrigens der offizielle Sommerhit des Jahres 2019.

Aber mal ehrlich, wer diese kitschige High-School-Musical-eske Performance sieht, kann gar nicht mehr daran zweifeln, dass die beiden sich gesucht und gefunden haben. So, das war's jetzt aber auch dazu.

Nach RosalÍas VMA-Performance, sollte wirklich jeder checken, wie großartig sie ist

Ja, hierzulande ist Rosalía noch eher ein Geheimtipp. Die spanische Flamenco-Sängerin singt auf katalanisch und verzaubert die ganze Welt mit ihren geheimnisvollen Klängen.

Reinhören und überzeugen lassen.

Damit ihr's wisst: Lil Nas wird 2079 US-Präsident

Ja, auch Männer sind bei den VMAs aufgetreten. Das meiste, wie etwa die Jonas Brothers, war eher unspektakulär. Ausnahme: Lil Nas X. In seiner wirklich krassen Performance zu seiner neuen Single "Panini" nimmt er uns mit in die Zukunft.

2079 gibt es noch immer Remixe von "Old Town Road" – hach, wie selbstironisch er doch ist – und noch viel wichtiger: Lil Nas ist US-Präsident. Geil, oder? In so einer Zukunft können wir leben. Gleichzeitig stellt er dabei unter Beweis: Er ist der König des Playbacks. Naja, wer seinen Song auf TikTok groß macht, sollte das auch drauf haben.

Und was haben wir von den VMAs gelernt?

Nach all den Diskussionen um #metoo und Frauen im Musikbusiness, ist Pop 2019 definitiv weiblich – zumindest solcher mit Message und Attitude. Künstlerinnen wie Taylor Swift, Miley Cyrus, Lizzo und Billie Eilish ebnen den Weg für eine neue Generation, die keine Scheu hat für Toleranz; Selbstliebe und Gleichheit im Mainstream einzutreten.

Und das fühlt sich richtig gut an.

Quelle: Noizz.de