Fünf Jahre erfolglos, dann kam sein Durchbruch.

Manche Künstler geben uns Rätsel auf. Sie machen Musik, welche die Charts dominieren sollte – aber stattdessen sind da nur Ariana Grande & Co. Genau so verhält es sich mit Mishlawi. Bei dem Newcomer aus Portugal müssten eigentlich bei jedem Radiohörer die Alarmglocken losgehen – stattdessen nada.

Mit einem Sound, der so klingt, als hätten The Weeknd und Drake zusammen ein Kind gezeugt, startet Mishlawi nun endlich voll durch. Seit seinem 15. Lebensjahr geht er so oft ins Studio, wie er kann, um Songs aufzunehmen. Nach fünf Jahren, im Sommer 2018, dann endlich der Durchbruch. Sein Song "All Night" wurde auf Spotify über 8 Millionen Mal gestreamt – in Portugal wurde er zum Sommer-Hit.

Nun will Mishlawi an diesen Erfolg anknüpfen. Anfang des Jahres veröffentlichte er sein Debütalbum "Solitaire"; darauf zeigt er, dass er in keine Schublade passt. Er schafft es, sich sanfte R'n'B-Beats einzuverleiben ("Uber Driver") und gleichzeitig Hip-Hop-Tracks wie "Audemars" zu droppen, ohne dabei seinen eigenen Sound zu verlieren.

Während er von außen wie ein selbstbewusster, zielstrebiger Mega-Star wirkt, stellt sich während unseres Gesprächs heraus, wer er wirklich ist. Der 22-jährige Tarik, verwandelt sich als Künstler zu Mishlawi, um ein bisschen von sich selbst zu verstecken. Am Anfang denke ich, dass es doch eigentlich schade ist, dass er nicht das Gefühl hat, er selbst sein zu können. Doch irgendwann verstehe ich, dass genau diese Maske ihm das gibt, was ein guter Künstler braucht: eine perfekte Fassade.

"Ich fühle mich so, als wäre Tarik nicht Mishlawi. Ich werde zu Mishlawi, wenn ich unter Menschen bin, denen ich nicht zu 100 Prozent vertraue. Ich will einfach nicht, dass Menschen mich verurteilen. Menschen können ziemlich gemein sein, wenn sie dich nicht persönlich kennen."

Deswegen tritt Tarik lieber als Mishlawi auf. So kann er sein wahres Ich vor anderen beschützen. Während Mishlawi den Typ feiert, der bei einem Konzert in der ersten Reihe jede Textzeile mitsingen kann, ist Tarik sein Schulfreund viel wichtiger, der ihn gefeiert hat, als seine Songs noch "absoluter Müll" waren.

Mishlawi verbringt seinen Sommer auf den Festival-Bühnen Portugals, wo jede noch so kleine Provinz ihr kleines, staatlich gefördertes Musik-Festivals veranstaltet. So hat er es geschafft, viele Menschen auf seine Musik aufmerksam zu machen. Deswegen war es für ihn auch so ein großer Erfolg, als Leute irgendwann angefangen haben, Geld zu zahlen, nur um ihn zu sehen. Schließlich könnten sie ihn ja auch genauso gut umsonst sehen.

Bei seinen Auftritten ist Mishlawi mittlerweile ganz cool. Trinken tut er vorher nicht, Drogen nimmt er auch keine. Alles, was er tut, ist sein Outfit aufhängen und es vorher ansehen. "Ich mag nicht, wenn mein Zeug Falten hat", beichtet Mishlawi und deutet ein Lächeln an.

Obwohl er am liebsten überall bekannt wäre, hängt er schon sehr an Portugal. Kein Wunder, denn für ihn war Portugal die Heimat, nach der er sich gesehnt hat – als jemand, der als Kind ständig umgezogen ist. Aufgewachsen in New Jersey, zogen seine Eltern wenig später mit ihm nach Phoenix, Arizona. Danach ging es zwei Jahre lang nach Italien. Mit elf kam Tarik dann in Portugal an.

Als ich ihn von meinem bevorstehenden Portugal-Urlaub erzähle, schwärmen er und sein Manager von dem Land, das für sie nicht nur ein Wohnort ist – sondern ein Zuhause. Erst mit den Freunden, die Tarik dort traf, konnte Mishlawi richtig connecten. In Amerika war alles oberflächlicher, doch in Portugal waren seine Freunde es, die sein Interesse an Musik lostraten und seinen Charakter formten.

Wenn er einmal Heimweh bekommt, ist das einzige was ihm hilft, in sein Land zurückzukehren. Bei seinen Freunden sein, das Wasser hören. Portugal ist so wie Mishlawi: entspannt, unaufgeregt, authentisch.

Äußerlich stand Mishlawi aber immer eher unter dem Einfluss seines libanesischen Vaters. "Wenn ich Bart trage, sieht man erst meine arabischen Wurzeln", sagt Mishlawi. Das hat ihn zu der Person gemacht, die er ist. Doch so richtig arabisch fühlt er sich nicht. Im Gegenteil: Am Flughafen motzen die Grenzpolizisten ihn und seinen Vater immer an, fragen, warum "Tarik Ali Mishlawi" kein Arabisch sprechen würde.

Genauso wie er seinen Bart trägt, um seine ethnische Herkunft zu zeigen, trägt er eben auch den Namen Mishlawi, um sich als Künstler zu präsentieren. Tarik alias Mishlawi ist ein Künstler, der die Zeichen seiner Kunst um sich herum aufbaut, um seine Identität kommunizierbar zu machen. Und genau das macht ihn zu einem vielversprechenden Newcomer. Denn zu einem talentierten Musiker gehört eben nicht nur der Skill, einen Hit zu schreiben, sondern auch die Fähigkeit, seine eigene Identität gegenüber einem großen Publikum zu inszenieren.

Dass er beides kann, hat Mishlawi schon bewiesen. Jetzt muss das nur noch das Publikum außerhalb von Portugal erkennen. 

Quelle: Noizz.de