Deutsch-Rap trifft Melancholie: Milan veröffentlicht EP „Schwarzer November“

Kevin Dusch

HipHop, Popkultur, Politik
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Milan, der DIY-Künstler: Musik, Texte, Videos, alles selbst gemacht
Milan, der DIY-Künstler: Musik, Texte, Videos, alles selbst gemacht Foto: Promo / Promo / Arnes Agentur

Rap-Newcomer Milan: ein DIY-Künstler wie aus dem Lehrbuch.

Deutschrap hat die Melancholie für sich entdeckt. Klar, Gangster-Rap wird nie alt, auch hierzulande landen Bretter wie GZUZ’ „Was hast du gedacht“ oder „Fightclub“ von Capital Bra regelmäßig auf den vorderen Chartplätzen. Doch spätestens seit Bausas Hymne „Was du Liebe nennst“ sind auch Gefühle in Raptexten wieder erlaubt.

Das brachte viele neue Gesichter in die Szene, heute kommt ein weiteres dazu. Milan heißt dieses Gesicht. Ein Rapper aus Rostock, der uns mit seiner Debüt-EP „Schwarzer November“ auf fünf Tracks in eine Welt zwischen Selbstzweifel und Scheiß-drauf-Attitude mitnimmt.

Sound für die Seele

Im Mittelpunkt: der ewige Kampf gegen die Hater. Aber nicht etwa Internet-Trolle oder andere Rapper, es geht um die Hater des Alltags. Die, die nie zufrieden sind, egal wie sehr man versucht, es ihnen Recht zu machen. Ihnen setzt er seinen Track „Besser als ich“ entgegen. Voll düsterem Sarkasmus rechnet er mit all jenen ab, die ihm Steine in den Weg legen – und spricht damit wohl jedem von uns aus der Seele. Denn die ewig Zweifelnden, die kennen wir doch alle.

Dazu ein experimenteller Synthie-Sound, kantig, ungebügelt, oft beklemmend. Und genau darum glaubt man Milan was er rappt, da wirkt nichts gestellt, nichts überproduziert, sondern einfach real. Und tatsächlich ist Milan ein DIY-Künstler wie aus dem Lehrbuch. Musik, Texte, Videos, alles selbst gemacht. Die Beats entstehen in seinem Wohnzimmer.

Alles selbstgemacht – und das bleibt auch so

Ein Blick in Milans Vergangenheit zeigt, woher sein authentischer Selfmade-Sound kommt. Die Mutter des Deutsch-Irakers starb, als er 15 Jahre alt war, danach zog ihn seine Oma groß. „Zu der Zeit fing das alles mit der Musik an. Erst auflegen, dann produzieren und Texte schreiben. Und dann ging es vom Rap zum Electro Hop, so würde ich es mal nennen.“

Natürlich wünscht er sich, mit seiner Musik eines Tages Hallen zu füllen. Aber: „So wie ich die Musik jetzt mache, erfüllt es mich und lindert viele Dinge, das ist das wichtigste. Alles andere kommt oder auch nicht.“

(Deutsch-)Rap hört Milan privat kaum, „obwohl es da sehr sehr viel Gutes gibt. Rin, Nimo, Fler gefallen mir. Insgesamt bin ich musikalisch aber auf nem anderen Film. Höre mehr Metal und elektronisches Zeug.“ Features mit anderen Rappern? „Mit Keinem, außer man kann Prodigy von Mobb Deep wieder lebendig machen.“

Quelle: Noizz.de