Mit seinem neuen Album möchte der Singer-Songwriter neue Türen öffnen.

Max Prosa ist irgendwie anders: ein bisschen wie nicht-von-dieser-Welt. Ein kreatives Wirrwarr, das nur darauf wartet loszusprudeln. Das merkt auch jeder, der seinen Kurzfilm zum neuen Album „Keiner kämpft für mehr” gesehen hat.

NOIZZ:de: Wie kam es, dass du einen Film zu deinem Album gedreht hast?

Max Prosa: Es geht immer auch darum, einen Kontext mitzuliefern, für das was ich mache. Da hat sich der Film einfach angeboten. Ich hab’ mich mit dem Regisseur Marc Littler sofort gut verstanden und wir haben eine Idee dafür gesponnen: sind nach Irland gefahren, und haben alles wahr gemacht in dieser Kulisse mit den Liedern und mit allem, was ich da gesehen habe.

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Dort dreht er sich am irischen Strand entlang. Eben jener Ort, wo er sich vor exakt zehn Jahren entschieden hat, nur noch Musik zu machen, nichts Anderes mehr. Eine Reise zurück in die Vergangenheit. Dennoch ist vieles neu.

Ein bisschen wirkt es so, als habe Prosa mit seinem dritten Album „Keiner kämpft für mehr” versucht, all die Eindrücke die ihn in der Zwischenzeit beeinflusst haben einzufangen. Eingesammelt und zurück gebracht an den Ort, wo alles angefangen hat. Frei nach dem Motto: Ha, schau her, ich habs geschafft!

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Überhaupt scheint es für den 27-Jährigen extrem wichtig, die Dinge genau so darzustellen, wie sie sind.

Beim Dreh wurde sehr viel improvisiert – ist das für dich die wahrhaftigere Form, Dinge darzustellen?

Max: Ich glaube, dass es anders ganz schwer gegangen wäre, weil es ja kein Spielfilm ist. Hätten wir es zu genau aufgeschrieben, wäre uns das Gute, wozu es keine Sprache bedarf, verloren gegangen.

Der Film ist nur dadurch entstanden, weil wir Räume geöffnet haben. Ich wusste nie welche Frage Marc (der Regisseur, Anm. d. Red.) mir stellt und am Ende habe ich immer mehr gesagt, als er mich eigentlich fragte. Wir haben so tief wie möglich gegraben.

Tief graben. Das ist so etwas was ihn nicht loslässt. Prosas Texte sind sehr verdichtet, lyrisch wie ein Gedichtband. Schließlich kann man als Fan auch eine Gedichtflatrate auf seiner Internetseite bestellen – er ist eben nicht ein Künstler wie jeder andere.

Die Worte sind ihm fast schon wichtiger als die musikalische Inszenierung – auch wenn ohne die nichts funktionieren würde.

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Songs wie „Glücklich mit nichts” zeigen das ganz gut. „Wie ’ne Klinge im Wind, wie ein Vogel im Flug” – Zeilen, die man sonst eher bei Rilke liest. Er strebt, eine perfekte Symbiose aus Musik und Worten zu schaffen.

Verstehst du dich eher als Poet oder als Musiker?

Max: Ich sehe im Poetischen auf jeden Fall meine Stärke. Und auf Musiker kann man verschiedene Blickwinkel haben: Die Musiker in meiner Band zum Beispiel können alle objektiv gesehen ihr Instrument viel besser spielen als ich jetzt. Aber ich kann’s so, dass ich mein Lied spielen kann und entwickle das weiter.

Welche Rolle spielt Ästhetik für dich?

Max: Die Ästhetik von Worten ist mein Gebiet und da denke ich, bin ich sehr eigen. Im Laufe der Zeit hab ich ein Verständnis entwickelt, dass ich ständig hinterfragen muss.

Ästhetik der Worte kann auch so ein Lebensstil sein, der sich irgendwie einlebt und dann einrostet. Da ist es gut dann Gegenstände und Elemente reinzubringen, die da eigentlich gar nicht reingehören. Dinge und Worte, die von ganz woanders herkommen und plötzlich fallen sie einem auf.

Wie wenn man in eine Wohnung kommt und sagt: Was ist das denn hier für eine blaue Vase, die passt ja gar nicht hier rein? Aber trotzdem versucht man dann, diese blaue Vase zu integrieren. So ähnlich kann man sich das mit Worten auch vorstellen.

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Das poetische Verständnis seines musikalischen Schaffens merkt man auch der neuen Platte an. Wie bei seinem Erstling „Die Phantasie wird siegen” zeigt er, wie komplex man die deutsche Sprache mit Musik verbinden kann.

Im namengebenden Titelsong der neuen Platte führt er das par excellence vor: „Die Weltorgel dröhnt und klingt aggressiv / Friedensgespräche gingen wieder mal schief / Weit weg fallen Bomben, man bedauert das sehr / Und doch klingeln die Kassen und keiner kämpft für mehr.” Hier wird auch die politische Dimension seiner Texte deutlich.

Glaubst du eigentlich wirklich, dass keiner mehr bereit ist für mehr zu kämpfen?

Max: Ich hab das Lied mal auf einem Liedermacher-Festival gespielt. Und da kam jemand zu mir und sagte: Das stimmt doch gar nicht, was du da singst! Da hat er schon auf eine Art Recht. Aber Dichtung muss eine Einfachheit schaffen.

Es ist einfach eine Grundtendenz in unserer Gesellschaft, keinen Schritt zu viel aus der Komfortzone herauszugehen. Einfach zu sagen: Ja, ich bin gegen Kriege und deswegen bin ich auch dagegen, dass hier Waffen produziert werden. Das ist der konsequente Weg für mehr Frieden.

Genauso wie man heute sagt: Ey, wie konnte man Sklaverei zulassen? Das waren Menschen, wie du und ich.

Genau diese Einstellung ist es, die Max Prosas Lieder trotz alles gestochener Poesie und manchmal etwas versperrten Zugängen, so leicht und voller Leben wirken lassen. Sie reflektieren und feiern das Leben zu gleich. Klingt irgendwie nach Frühling.

„Keiner kämpft für mehr“ von Max Prosa ist heute bei Columbia erschienen.

  • Quelle:
  • Noizz.de