Der erste philippinische Künstler auf dem Coachella Festival.

Guendoline Rome Viray Gomez hat auf dem diesjährigen Coachella Festival Geschichte geschrieben. Der 21-Jährige, der unter seinem Künstlernamen No Rome bekannt ist, stand dort als erster philippinischer Künstler auf der Bühne. Zwar "nur", um mit Headliner The 1975 die gemeinsame Single "Narcissist" zu performen, dennoch ist der Newcomer seitdem in aller Munde.

Gerade erst ist seine aktuelle und zweite EP "Crying in the Prettiest Places" erschienen, die von der Talentschmiede Dirty Hit, Matty Healy und George Daniel von The 1975 produziert wurde. Die britische Band begleitet der Newcomer mittlerweile seit Monaten auf ihrer Welttournee im Rahmen ihres Albums "A Brief Inquiery Into Online Relationships".

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Mit seinem spherischem Mix aus Pop, R&B und elektronischen Elementen zieht Rome nicht nur die The-1975-Fans in sein Bann, die er momentan jede Nacht mit seiner Show unterhält. Seine Kunst trifft den aktuellen Zeitgeist und beschränkt sich nicht nur aufs Musikalische. Gemeinsam mit dem Grafikdesigner Samuel Burgess-Johnson entwickelt der 21-Jährige visuelle Konzepte und Bühnenshows, die die Geschichte seine Musik über das pure Hörvergnügen hinaus ausdrücken sollen. "Sam ist brilliant, er ist ein genialer Designer", schwärmt Rome über den Mann, der ihn entdeckte.

Schon beim Schaffensprozess behält der Sänger eine mögliche, optische Umsetzung im Hinterkopf: "Wenn ich Songs schreibe, stelle ich mir ein bestimmtes Farbschema vor oder nach welcher Tageszeit der Song aussehen würde. Geht die Sonne gerade unter? Ist es Nachts? Diese Referenzen sende ich an Sam und er macht meistens nur daraus schon etwas fantastisches." Das Artwork seiner aktuellen EP "Crying In The Prettiest Places" zeigt, wie gut diese Zusammenarbeit zwischen Musiker und Grafiker funktioniert. Selbst wenn das Cover vor dem ersten Kontakt mit Romes Musik noch abstrakt wirkt, ergibt das optische Konzept nach dem ersten Anhören der sechs Songs Sinn.

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Musikalisch ist sein aktueller Release seit Jahren in der Mache. "Ich bin sehr wählerisch, was meine Songs betrifft. Wenn ich es nicht fühle, dann möchte ich es nicht veröffentlichen. Wenn man alle Songs miteinbezieht, habe ich Jahre an der EP gearbeitet. 'Cashmoney' habe ich vor drei Jahren geschrieben und habe es so verändert, wie ich es heute singen würde." Seitdem hat sich nicht nur sein Schreibstil verändert, sondern auch Rome selbst.

"Damals hatte ich einen eingeschränkte Blickwinkel. Ich habe auf den Philippinen in einem Callcenter gearbeitet und habe versucht einen Song darüber zu schreiben, wie es ist, wenn man viel Cash verdient."

Mittlerweile lebt No Rome in London und sitzt regelmäßig mit Matty Healy im Studio. Der Frontmann von The 1975 hat den 21-Jährigen sogar zu seiner Muse ernannt. "Es ist so schmeichelhaft. Dass Matty mich seine Muse nennt, ist definitiv inspirierend. Es hält mich auf Trab", erzählt der Sänger mit einem Grinsen. "Ich kann mich so glücklich schätzen, es ist ein wahrer Segen mit ihm und George zusammenzuarbeiten. Matty hat mich durch sein Label Dirty Hit gefunden und hat mich von den Philippinen nach London eingeflogen. Seitdem arbeiten wir zusammen." Eine Kollaboration, die einfach passt, wie der Song "Narcissist" beweist.

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Musikalisch ist das neue, gemeinsame Projekt "Crying In The Prettiest Places" Teil eines Indiepop-Kanons in the making, den The 1975 mit ihrem Album "I like it when you sleep for you are so beautiful yet so unaware of it" 2016 eingeläutet hat. Auch visuell hat die Musik von Rome viel mit der Musik seiner Produzenten gemein, auch dank Samuel Burgess-Johnson, der mit beiden auf visueller Ebene zusammenarbeitet und seit Jahren die atemberaubenden Bühnenshows von The 1975 konzipiert.

No Rome sticht nicht nur doch seinen Genremix, sondern durch auch durch seine moderne Interpretation von Männlichkeit hervor. Sowohl optisch als auch textlich versucht sich der 21-Jährige von stereotypischen Männlichkeitsbildern zu verabschieden. Für ihn eine ganz natürliche Sache, obwohl sein Umfeld ihm das nicht immer vorgelebt hat. "Ich bin in einer sehr maskulinen, philippinischen Community aufgewachsen. Männlichkeit war so steif und es gab so viele Regeln, die man als Mann zu befolgen hatte. Ich bestärke andere Seiten an mir – das bin einfach ich. Es ist cool, dass Leute das registrieren."

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Das liberale Umfeld seiner Wahlheimat London wirkt wie ein klarer Vorteil in Sachen toxische Männlichkeit. Doch No Rome ist skeptisch. "Solche [toxischen] Menschen findest du überall. In meinem Ort waren es nur mehr davon. Es gab nicht wirklich die Freiheit, zu tragen, was man will oder über solche Dinge zu reden. In London gibt es ein bisschen mehr Freiheit und die Menschen dort verstehen es besser. Generell gibt es aber überall traditionelle Menschen, die einfach auf dein Bild von Männlichkeit oder Feminismus scheißen", so der Künstler mit den blauen Haaren.

Bereits vor zwei Jahren ist der Sänger dauerhaft in die englische Hauptstadt gezogen und hat damit einen essentiellen Schritt für seine Karriere gemacht: "Wenn du mit Menschen zusammenarbeiten willst, egal ob Print oder Radio, kannst du nicht in Asien sitzen. Dann kannst du nicht im amerikanischen, englischen oder europäischen Radio stattfinden. Um deine Existenz bekannt zu machen, musst du in gewisser Weise vor Ort sein." Auch seiner Kunst hat der Umzug von der sonnigen Insel ins graue London keinen Abbruch getan: "Es ist eine andere Atmosphäre, aber ich glaube für meine Musik hat es funktioniert."

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Neben Dichtern wie Robert Frost und Frank O'Hara lässt sich der Nachwuchskünstler auch von berühmten Malern und Grafikern maßgeblich inspirieren, wie man seinen Lyrics und seinen Visuals entnehmen kann. Einen bestimmten Lieblingskünstler zu nennen, fällt dem 21-Jährigen trotzdem nicht leicht: "Es wirklich schwierig. Ich würde sagen David Hockney, Andy Warhol und vor allem Jean-Michel Basquiat. Ich liebe die Herangehensweise von Andy Warhol, es war ihm egal wie andere seine Kunst finden und gleichzeitig hatte er diesen Drang nach Berühmtheit. David Hockney dagegen will einfach nur malen. Er ist alt aber er malt immer noch, weil er die Natur so sehr liebt und sie ihn so inspiriert."

Diesen künstlerischen Tatendrang fühlt auch No Rome, wie er mir schildert: "Immer wenn ich oder meine Freunde etwas erleben, möchte ich es auf Papier bringen und dafür sorgen, dass es richtig klingt." Wie sich das anhört, kannst du dir auf seiner neuen EP "Crying In The Prettiest Places" anhören.

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>> The 1975 von morgen und in weiblich: The Japanese House

  • Quelle:
  • Noizz.de