Die Pop-Diva ist mittlerweile 49 Jahre alt – und singt wie vor 30 Jahren.

Mariah Carey. Ein Name, der so viele Bilder hervorruft, wie sonst kaum einer. Diva, Oktaven-Akrobatin, Christmas-Queen. Am Sonntag spielte sie das einzige Konzert ihrer "Caution"-Welttournee in Deutschland. NOIZZ war vor Ort.

Ein wenig traurig wirkt es, wie die Oberränge hinter schwarzen Stoffbahnen versteckt und zwei der Unterränge ebenfalls abgehangen wurden. Knapp 4.500 Menschen sollen in der Barclaycardarena sein. Wenig, für einen Superstar wie Mariah Carey. Viel, für ein Land wie Deutschland, das mit Mariah offenbar so wenig anfangen kann wie mit Erdnussbutter-Marmeladen-Toast.

Sie scheint zu viel für das deutsche Publikum – zu wenig Helene Fischer oder Revolverheld, zu amerikanisch und over the top. In London verkaufte sie gleich dreimal hintereinander die Royal Albert Hall aus. Dort ist Mariah ein Erfolg.

Kann der Carey aber auch egal sein. Sie singt nach 30 Jahren im Musikbusiness immer noch wie keine andere.

Das Konzert in Hamburg startet ohne Vorband, nur mit einem DJ. Mariah scheint zu sagen: Hier bin ich der Star, die Bühne teile ich nicht. Mit knapp 30 Minuten Verspätung betritt die Diva die Bühne. Düdüm, düdüm, düdüm beginnt ihre aktuelle Single "A No No". Mariah tänzelt im kurzen Glitzerkleid eine Treppe hinunter. Schon jetzt ist klar: Der Managementwechsel und die Führung unter Sony tun ihr gut. 2016 wirkte die "A Sweet Sweet Fantasy"-Welttournee noch sporadisch zusammengekloppt, als wolle vor dem Urlaub an der Côte d'Azur noch schnell die Cash Cow gemolken werden.

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Nicht so 2019. Mariah promotet mit der "Caution"-Welttournee ihr mittlerweile 15. Studioalbum. Auf "A No No" folgen Hits aus den 90ern wie "Dreamlover" und "Anytime You Need A Friend". Mariah spielt auf dieser Tour Songs, die sie zuvor noch nie gespielt hat. Das Feature "You Don't Know What To Do" mit dem Rapper Wale zum Beispiel. Oder Songs von ihrem Album "Glitter", das 2001 fast "ihre Karriere zerstörte", wie Mariah selbst sagt.

Letztes Jahr verhalfen Careys Fans dem Album auf Platz eins der US-iTunes-Charts. 17 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Nun scheint es auch legitim für Mariah, Songs daraus zu spielen. Mit ihren 18 Nummer-eins-Hits in den USA gibt sie sich mit Nichterfolgen eben nicht ab. Von der neuen Platte singt sie den Titeltrack "Caution", "GTFO" und "Stay Long Love You".

Kurzer Blick in die Halle. Das Publikum ist gut durchmischt. Überall sind Schmetterlinge zu sehen, Mariahs Markenzeichen, Teenager, ältere Paare, Jungs, die offensichtlich Hip-Hop hören, diverse Paare. Alle stehen. Die Halle wirkt auf einmal gar nicht mehr so leer. Ob das am stehenden Publikum, auch im Stehraum, wo Stuhlreihen aufgebaut wurden (sehr amerikanisch eben), oder an Mariahs Präsenz liegt, ist schwer zu sagen.

Im Publikum findet sich auch DJ Tomekk. Der Produzent feierte vor 15 Jahren Erfolge mit Hits wie "Kimnotyze" und "Jump, Jump". Wie hat ihm Mariah gefallen? "Mariah lässt auch die harten Jungs ganz weich werden. Hab' ein paar Tränen vergossen", sagt er.

Minerva ist ebenfalls Fan. Die Grundschullehrerin ist extra aus Hessen angereist und war schon bei den letzten zwei Mariah-Konzerten in Köln (2016) und Berlin (2018) dabei. "Ich fand den Auftritt ihrer Kinder süß. Und ihre Bühnenshow war diesmal richtig gut."

Zu "Always Be My Baby" holt Mariah regelmäßige ihre Zwillinge auf die Bühne. Die Tour wird zum Familien-Business. Ihr Freund, Bryan Tanaka, ist Mariahs Choreograf. Und es stimmt: Mit der "Caution"-Welttournee hat sich Mariahs Team mehr Mühe gegeben.

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Mariah erzählt von dem Glanz der 90er, sie ist ein New Yorker Show-Girl, hat ihre fünf Oktaven, die die Hallen mit geballter Energie füllen. Mariah ist eine, die den neumodischen Scheiß nicht braucht. Sie setzt heute mehr auf den Fan-Kontakt, schaut ins Publikum und verteilt Komplimente: "I love your ensemble, Dahling!"

Obwohl sie die größte Diva der Musikbranche ist, sind es die kleinen Momente, die ihr Konzert so besonders machen: Zum ersten Mal auf der "Caution"-Tour improvisiert sie ihren Song "Circles" von 2005. "Wir haben den gar nicht geprobt", entschuldigt sie sich, als sie die Melodie nicht ganz findet. Während sie dort steht und trällert, kommen ihr Make-up- und Hair-Stylist, um sie aufzufrischen. Eine echte Diva eben. "We're having a moment", sagt Mariah und hat damit auf vielen Ebenen Recht. We're having a moment, Mariah.

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Quelle: NOIZZ-Redaktion