Am 18. Oktober erschien ihr neues Album "Bang".

Für Mando Diao ist das alles nicht so einfach. 2015 ist das Gründungsmitglied Gustaf Norén aus der Band ausgestiegen – und hat eine echte Lücke hinterlassen. Zwei Jahre später veröffentlichten sie zwar das Album “Good Times”, aber irgendwie waren das nicht dieselben Mando Diao. Wie auch? Sie wollten neu klingen, anders sein. Das resultierte in einem smoothen, poppigeren Sound. The Rock was lost.

“Oh Gott, wir haben es vermisst, richtige Gitarrensongs zu spielen!”, erinnert sich Björn Dixgård an diese Zeit. Eine Erkenntnis, die man im Nachhinein, wohl als Schlüssel für die Entstehung zu “Bang” werten kann, ihrem nunmehr neunten Studioalbum.

“Als Gustav uns verlassen hatte, haben wir angefangen wie wild zu touren, als ob wir damit etwas kompensieren wollten. Es hat sich angefühlt, als würden wir eine neue Band starten. Dabei haben wir uns Stück für Stück wieder entdeckt – die Riffs, die Gitarren. Auf einmal haben wir uns wieder sexy gefühlt", erinnert sich der Sänger an diese Zeit. Auf einmal war er alleine der Frontmann einer Band, die jeder kannte, aber die nicht mehr dieselbe war.

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Vor dem ersten Auftritt nach Gustavs Abgang hätten sie alle richtig Schiss gehabt, blickt Bassist und ebenfalls Gründungssmitglied Carl-Johan Fogelklou zurück. Der Auftritt war irgendwo im nirgendwo im Norden Schwedens, ein seltsames Setting. Im Nachhinein, so erzählen sie, hätte es sich wie ein Neuanfang, eine Wiedergeburt angefühlt.

Und genau damit hätten sie sich auch auf andere Dinge fokussiert, die ihnen wichtig sind. Ein bisschen hätten sie sich wie Superhelden gefühlt, die ihre Power wiederentdeckt haben. "Wir wollten uns mit diesem Album frei machen von allem. Es sollte gute Laune verbreiten, die Leute aufmuntern", so Sänger Björn – und es solle auch andere ermutigen, sich zu fühlen, wie sie es getan haben, als sie die Songs aufgenommen haben.

Sind wir also alle irgendwie Superhelden?

Auf den Songs in ihrem Album geht es um Liebe, durchfeierte Nächte – aber zwischendrin werden sie auch ernst. Dann singen sie auf einmal in "Don't Tell Me" von Machtmissbrauch und dass man sich dass alles nicht einfach so gefallen lassen sollte.

“Klar haben wir eine Verantwortung für unseren Planeten. Wir sind Eltern, haben Kinder, die auf der Erde groß werden sollen”, sagen beide. Dass ausgerechnet eine schwedische Schülerin die Welt wachrütteln muss und ihr sagen muss: 'Hallo! So geht das nicht weiter!', kommt für die Band nicht so überraschend.

Als ich Mando Diao getroffen habe, um zumindest mit Björn und Carl-Johan über ihre neue Platte zu reden, war es Mitte August. Greta Thunberg hat sich gerade erst auf den Weg gemacht, um Klimaneutral nach New York zu segeln. Sie hatte noch nicht ihre mittlerweile zum Meme-gewordene "How Dare You"-Rede gehalten. Dass das Thema und vor allem die Person Greta Thunberg nicht an Brisanz verloren hat, konnte zu diesem Zeitpunkt keiner so genau ahnen.

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"Jeder in Schweden kennt sie – und mittlerweile eben die ganze Welt", erzählt Björn mit etwas zurückhaltenden Stolz, den Schweden an den Tag legen, wenn sie über etwas reden, bei dem sie zwar Vorreiter sind, aber eigentlich keine große Sache draus machen wollen. Als ich sie frage, ob sie sich selbst als politische Band sehen, zögern sie ein bisschen.

“Ich würde nicht sagen, dass wir politisch sind. Wir haben keine wirkliche Ahnung, kein Wissen über Lösungen oder wie man etwas verändern kann. Wir können nur darauf aufmerksam machen", sagt Björn. Carl-Johan nickt, während Björn weiter philosophiert: "Greta Thunberg aber hat das Wissen dazu. Sie weiß, was zu tun ist und was wir verändern müssen. Sie ist sehr intelligent.”

Mit ihrer Musik helfen sie anderen, das sei ihr Teil daran. Innerhalb der Band sei Nachhaltigkeit aber schon lange ein Thema. Bereits vor vier Jahren nahmen sie den Song "Leave No Trace" auf, also übersetzt "Hinterlasse keine Spuren". Damit leisten Mando Diao im Frühjahr 2015 einen Beitrag zum schwedischen Umweltprojekt Låt Östersjön Leva unter der Schirmherrschaft des WWF. Dabei ging es um den Schutz der stark verschmutzten Ostsee und ihrer Bewohner.

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“Wir selbst versuchen umweltfreundlich zu touren. Wenn es geht, fahren wir Zug – auch wenn es länger dauert”, sagt Björn. Ob Greta eine Superheldin sei? Schon irgendwie, auf ihre Art, findet Carl-Johan. Superhelden haben sie auch zum Titel ihres neuen Albums gebracht.

"Wir lieben Comics", schwärmen beide und zählen ihre Helden auf: Heman, Ghost in The Shell, Batman, Spiderman – alles Charaktere, die anpacken und eine düstere Gesellschaft retten wollen. Ob sie darin Parallelen in unserer Gesellschaft sehen? Nun ja, manchmal sei es für sie schwer zu ertragen, dass bestimmte Menschen Macht haben, die eigentlich besser keine hätten.

Gerade auch deswegen wollen sie mit ihrer Haltung und Musik zum Nachdenken anregen:

"Du musst immer an deine Grenzen gehen – das heißt jetzt nicht, dass du ein Arschloch sein sollst. Handle so, dass es den anderen hilft und dich selbst befreit. Insofern kann man unser Album schon politisch sehen. Es ist vielleicht naiv, aber auch ein universaler Gedanke. Immer wenn es den Menschen schlecht ging, wurde auch getanzt und es gab Musik, um dem Schlechten zu entfliehen.”

Im Song "Society" geht es auch um Aktivismus – und das man nicht einfach zu sehen sollte, sondern aufstehen und handeln. "Wir mögen es auch, mit negativen Ideen zu spielen. Wir stellen das ja auch in Frage, Die Gesellschaft gibt darauf die Antwort", sagt Björn. Das resultiert dann in solchen Zeilen:

"People passing by afraid to realize. Oh Society! When will we change society – will we ever change society? (...) We gonna face the end of society"

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Die Gesellschaft am Ende ihres selbstverschuldeten Abgrunds. Ganz so drastisch wollen Mando Diao dann aber auch nicht sein. Musik sei immer voll von Übertreibungen, vor allem die Rockmusik. "Auch wir haben mal über die Stränge geschlagen, früher – aber das überlegt man sich jetzt zwei Mal", sagt Carl-Johan und lacht dabei. "Es gibt Momente – das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber so sind wir halt – da buchen wir uns Doppelzimmer, damit wir nicht so alleine sind.”

Die Zeit bleibt eben auch bei den schwedischen Indie-Rockern nicht stehen. In diesem Jahr feiert die Band ihr 20-jähriges Bestehen, alle Bandmitglieder gehen auf die 40 zu. "Aber es ist nie zu spät für Rock'n'Roll", grinst mich Björn an, während er den Satz sagt. Es sei wie mit Sex: "Das verlernt man nicht."

Und plötzlich hab ich einen Ohrwurm – es ist ein Song von Mando Diao aus dem Jahr 2006: "Long Before Rock'n'Roll". Mando Diao sind wieder da angekommen, wo sie angefangen haben – und retten dabei sogar ein bisschen die Erde.

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"BANG" von Mando Diao ist am 18. Oktober erschienen. Hier kannst du es dir anhören

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Quelle: Noizz.de