Heute wird sie 34.

Seit ihrem Debüt gilt sie als eine der ehrlichsten Sängerinnen auf unserem Planeten: Lily Allen. Die Londonerin feierte ihren Durchbruch mit dem Hit "Smile", in dem sie mit ihrem Exfreund abrechnet. Bis heute hat sie vier Alben veröffentlicht, ein Buch geschrieben und war das Gesicht vieler Modekampagnen, unter anderem für Chanel.

Heute ist ihr 34. Geburtstag, und ich finde, dass es an der Zeit ist, dass sie in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Wie ich darauf komme?

Ihr Album "No Shame" von 2018 hat keiner so richtig mitbekommen, ihr Buch "My Thoughts Exactly" ging in England auf Platz eins der Bestersellerliste, erhielt hier aber kaum Beachtung.

Das Besondere an Lilys letzten Werken: Sie ist so ehrlich wie nie zuvor. Sie spricht über ihre Co-Abhängigkeiten, ihren Drogen- und Alkoholmissbrauch, über Sex. Sie war schon immer ihrer Zeit voraus, wurde 2006 über MySpace berühmt, sang 2013 über Feminismus bevor die "MeToo"-Debatte entflammte und prägte eine ganze Generation von Singer-Songwritern.

Lily ist in erster Linie nämlich genau das: Songwriterin. Das ist es, was sie am besten kann. In "The Fear" singt sie über die Angst, die in ihr aufsteigt, in Zeiten von Kapitalismus zu leben. Es ginge nicht mehr um Gefühle, sondern nur um teure Autos. Sie sei emotional verwirrt, konzentriere sich nur auf Reichtum, der in unserer Gesellschaft am meisten zählt, und beschreibt unsere heutige Zeit damit perfekt in etwas über drei Minuten. Damit geht "The Fear" auch auf heutige Instagram-Generation ein, noch bevor es Instagram überhaupt gab.

Wie jeder respektable Künstler, musste auch Lily durch eine Identitätskrise gehen. 2014 veröffentlichte sie das Album "Sheezus". Ein Album, das perfekt produziert ist, jedoch wenig von Lily beinhaltet. Es sei ihr nur um Radio-Plays und Geld gegangen, erklärte sie Jahre später. Auf Tour trank sie so viel, dass sie Vodka nicht mehr von Wasser unterscheiden konnte. Sie schlief mit Escort-Damen. Sie betrog ihren Mann. Sie hasste sich selbst. All diese Gefühle verarbeitet sie in ihrer Musik. Auf "Trigger Bang" singt sie: "Everyone know what cocaine does, numbing the pain when the shame comes."

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Lily Allen wahrt nicht das Bild des vermeintlich perfekten Popstars. Sie steht zu ihren Fehlern, zu ihren Süchten. Sie gibt sich politisch und hat keine Angst davor, auch eine Schelle zurückzubekommen. Sie legt sich mit Leuten an, weil sie etwas verändern möchte. Auf Twitter bekommt sie regelmäßig Shitstorms ab, wenn sie sich zum Beispiel zu "Grenfell" äußert oder sagt, dass die heutige Chartmusik scheiße ist.

Dieses Jahr wird Lily Allen wieder neue Musik rausbringen. Sie ist 34 Jahre alt, hat eine Menge erlebt und hat noch so viel zu erzählen. Sie ist politisch. Sie setzt sich für die LGBT-Szene ein. Sie ist wahnsinnig kreativ und talentiert. Sie ist ehrlich und hält nichts zurück. Sie ist eine Modeikone. Lilly Allen ist so viel.

Vor allem ist sie aber eins: Sie ist eine Inspiration für Menschen, in Zeiten, in denen es wenig Authentizität und Wahres gibt. Danke dafür, Lily!

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Quelle: NOIZZ-Redaktion