Festivals sind diesen Sommer gestrichen, Clubs weiterhin zu: Die Londoner Partyreihe Homodrop bringt euch trotzdem zum Tanzen – mit einer Compilation, die trans* Menschen unterstützt. Geil!

Scheiß Zeiten für alle Partygänger und Partygängerinnen, anders kann man es nicht sagen. Denn klar, so viel Freizeit, wie wir sie gerade an unseren Wochenenden haben, ist ungewohnt schön. Sich aber mal wieder eine Clubnacht um die Ohren zu schlagen, morgens mit dem Bass im Ohr und weichgetanzten Knien nach Hause laufen – das dürfte auch gerne mal wieder sein.

Clubatmosphäre für zuhause – und beim Raven auch noch für die gute Sache spenden? Träumchen!

Wir haben da aber eine Idee, um ein bisschen Clubatmosphäre zu euch nach Hause zu bringen – mit der ihr auch noch Gutes tut: Die queere Partyreihe Homodrop hat auf Bandcamp nämlich einen Sammler veröffentlicht, der euren Durst nach elektronischer Musik zu stillen vermag. Allerlei DJs haben Tracks dafür produziert, darunter die ein oder andere Technolegende, talentierte Newcomer und Berghain-Residents. Wer sich das Album gönnt, spendet automatisch für einen guten Zweck: Der gesamte Erlös kommt einem Londoner Verein zugute, der sich nicht nur für trans* Menschen einsetzt, sondern auch ordentlich was für Geschlechteraufklärung tut.

Wir haben Homodrop-Gründer Florian Dovillez gefragt, wie er auf die Idee kam, wen er alles für die Compilation gewinnen konnte und was seine Vision für die queere Partyreihe ist.

Florian hat Homodrop ins Leben gerufen: Der 35-jährige Franzose ist in einer Künstleragentur tätig und lebt in Berlin.

NOIZZ: Florian, erzähl doch mal, was genau ist Homodrop?

Florian: Homodrop ist eine queere Partyreihe, die 2014 in einem Keller in East London geboren wurde. Wir sind dann schnell in den Dalston Superstore (bekannte Londoner Gay-Bar, Anm. d. Red.) umgezogen, ganze fünf Jahre hat unser Event dort stattgefunden. Seit Kurzem veranstalten wir unsere Partys in der Eventlocation Grow Tottenham. Die Idee ist einfach, queere Menschen bei guter Musik zusammenzubringen. Wir wollen den Leuten eine Nacht lang das Gefühl von völliger Freiheit geben, jeder hat hier die Möglichkeit, sich komplett wie man selbst zu fühlen und das auch genauso auszudrücken. Neben London haben wir auch schon Partys in Paris und Montreal veranstaltet – immer mit grandiosen DJs und Producer*innen: Darunter Residents des Berghains und der Panorama Bar wie Boris, Roi Perez, Cormac und Massimiliano Pagliara, Legenden wie Alex Smoke und viele, viele, supertalentierte queere DJs aus den entsprechenden Städten, etwa Marie Malarie, Super Drama oder Kasra V.

Die aktuelle Situation trifft die Club- und Partyszene hart – wie geht deine Community damit um?

Florian: Die aktuelle Situation zieht uns alle runter. Auf Partys können Leute frei sein, leben, sich mit neuen Menschen connecten – für viele ist es nicht einfach, alleine zuhause zu sein. Außerdem haben viele ihre Jobs verloren, weil Bars und Clubs zu haben – DJs, Promoter*innen, Produzent*innen – so viele kreative Menschen, die jetzt alle nicht arbeiten können. Aber ich merke gleichzeitig auch, dass etwas Starkes passiert – Menschen helfen sich gerade gegenseitig viel mehr als sonst. Es ist wunderschön, das zu sehen.

Gibt es eine Party, an die du dich in solchen Zeiten besonders gerne zurückerinnerst?

Florian: Schwer zu sagen, jedes unserer Events ist unterschiedlich und die Energie immer eine ganz andere – je nach Line-Up! Wir beschränken uns nicht auf Laune musikalische Stilrichtung: Manchmal wird richtig harter Techno gespielt, bei der nächsten Party entspanntere House-Musik. Die Vibes sind immer anders. Ich hab mich sehr gefreut, als die Traición Crew aus Mexico bei uns aufgelegt hat – die haben die Hütte echt zum Beben gebracht.

Vor einer Weile hat Homodrop ein Fundraising-Projekt auf Bandcamp gestartet, wie sieht das aus und wie bist du auf die Idee gekommen?

Florian: Um das fünfte Jubiläum von Homodrop gebürtig zu feiern, habe ich mich dazu entschlossen, eine Compilation mit DJs und Producer*innen herauszubringen, die in der Vergangenheit auf unseren Partys gespielt haben. Jede*r Künstler*in durfte selbst entscheiden, welchen Track sie oder er beisteuern will. Insgesamt haben dreizehn Musiker*innen mitgemacht, darunter Massimiliano Pagliara, Jonny Rock, Timothy Clerkin, Kiwi, Dan Beaumont, Cheriiii, Super Drama, Zombies In Miami & Mystery Affair, The Black Mailer, Mikey, Bonasforsa und Prince Of Deptford. Das Mastering für den ganzen Sammler hat Krzysztof Kozber übernommen, dem ich dafür total dankbar bin. Und das tolle Cover stammt von Sbivka, ein Illustrator, mit dem ich schon seit zwei Jahren zusammen arbeite – er hat auch alle bisherigen Homodrop-Poster gestaltet.

Homodrop: So cool sieht das Album-Cover aus, das Illustrator Sbivka gestaltet hat

Der gesamte Erlös der Platte geht an den in London ansässigen Verband "Gender Intelligence". Dessen Mission ist es, das Verständnis der Geschlechterdiversität zu verbessern. "Gender Intelligence" hat die Vision einer Welt, in der die Menschen nicht länger strengen Erwartungen an ein bestimmtes Geschlecht unterworfen sind, in der sich auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten frei ausdrücken dürfen, sichtbar und geschätzt sind.

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Warum ist das für dich persönlich wichtig?

Florian: Seit ich mit Homodrop angefangen habe, habe ich wahnsinnig viele trans* Menschen getroffen und verstanden, mit welchen Schwierigkeiten sie ihr ganzes Leben lang konfrontiert sind. Ich versuche auch immer trans* Künstler*innen für unsere Partys zu buchen, damit sie dort die Möglichkeit haben, sich so auszuleben wie sie sind – ohne von anderen verurteilt zu werden.

Welche Musik muss ich mögen, um mir die Compilation zu kaufen?

Florian: Es ist ein ziemlich eklektischer Mix, zu dem man super raven kann. Von Techno, über House, Acid bis zu Nu-Disco. Wir haben Bandcamp übrigens gewählt, weil das die einzige Plattform ist, die zu 100 Prozent unabhängige Künstler*innen unterstützt.

Diese KünstlerInnen sind auf der Homodrop-Compilation vertreten

Wie lang wird die Compilation verfügbar sein?

Florian: Für immer! Wir wollen dieses Jahr noch mehr releasen. Also egal, wann man den Sammler kauft, man bekommt immer auch alle vorherigen Tracks. Es ist aktuell wirklich wichtig, sich gegenseitig zu helfen und Minderheiten zu unterstützen. Viele Menschen arbeiten hart dafür, dass es anderen im Alltag besser geht. Alle Tracks unseres Albums können auch einzeln, für jeweils einen Euro, downgeloadet werden. Für einen selbst ist das nicht viel – aber uns bedeutet es eine ganze Menge. Ich freue mich über jeden, der seinen Freunden von dem Projekt erzählt, damit es so viel Unterstützung wie möglich bekommt.

Denken wir an die hoffentlich nicht all zu ferne Zukunft: Wo würdest du, wenn die Corona-Ausgangssperren rum sind, gerne eine Party veranstalten?

Florian: Da ich ja mittlerweile in Berlin lebe, wäre es natürlich ein Traum, auch hier mal eine Party zu schmeißen. Aber dafür müssen wir noch die perfekte Location finden, außerdem würde ich gerne mit vielen anderen quern Kollektiven in ganz Europa zusammenarbeiten – es ist immer super interessant, sich musikalisch auszutauschen. Das macht die meisten Veranstaltungen erst so einzigartig.

Du interessierst dich für Homodrop und die Fundraiser-Compilation? Die queere Partyreihe findest du auf Soundcloud und Instagram, den Sammler gibt es auf Bandcamp.com

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  • Quelle:
  • Noizz.de