Leon Bridges spricht über sein neues Album, seinen Auftritt vor dem ehemaligen Präsidenten und seinen Kleidungsstil.

Das „Provocateur Hotel“ in Berlin möchte seinem erotisch angehauchten Namen alle Ehre machen. Roter Samt, schwere Vorhänge und eine ganze Armee von intensiven Duftstäbchen sorgen für schwülstige Puff-Stimmung.

Passt nicht so wirklich zu Leon Bridges – wobei: Was passt schon zu einem Typen, der in rostfarbenen Cordschlaghosen, Beanie, Feinstrick-Shirt und dunkelroten Budapestern an den Füßen wahnsinnig cool aussieht, als er den grünen Tee schlürft, den ihm sein Manager soeben brachte?

Leon Bridges hat einen Look, mit dem er locker als der modisch Ausgeflippte der Jackson 5 hätte durchgehen können oder neben Otis Redding am Dock Of The Bay die Zeit vertrödeln dürfte. Er wäre jedenfalls nicht aufgefallen.

Aber auch musikalisch wandelte der Texaner mit seinem Debüt „Coming Home“ (2015) auf Retro-Pfaden. Seitdem sind drei Jahre vergangen und Bridges legt mit seinem zweiten Album „Good Times“ nach – ein phantastisches Album, dass sich nicht mehr dem Retro verschreibt, sondern alles vereint: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir können guten Gewissens sagen: Das wird das Sommeralbum 2018. Aber bevor wir darüber sprechen wollen wir vom sichtlich gut gelaunten Bridges wissen:

Wie kommt man für seinen Auftritt vor Obama eigentlich an Ray Charles’ gold-kariertes Jackett?

Leon Bridges: Wir haben sein altes Studio besucht und dort ist noch alles wie früher. Ray Charles hatte dort eine ganze Sammlung an Kleidung. Ich habe mich da natürlich umgeschaut – das war wie ein Schlaraffenland für mich. Irgendwann fiel mir der goldene Blazer ins Auge und ich war total begeistert. Mir wurde gesagt, dass ich ihn einfach ausleihen darf und ich konnte es nicht glauben.

Unglaublich ist auch die Tatsache, dass man als junger Newcomer für den Präsidenten singen darf, oder? Hast du die Nacht vorher geschlafen?

Haha – ja habe ich. Ich kann immer schlafen. Aber ich musste ja diesen Gang entlang zur Bühne laufen und der Kameramann hat – Gott weiß warum – die ganze Zeit mein Gesicht gefilmt und man sieht mir meine Nervosität extrem an!

Es ist so Einiges passiert, seit du dein Debüt herausgebracht hast – deine Welt hat sich ganz schön verändert. Kommst du damit klar?

Ja man – die Musik war immer gut zu mir. Ich habe die außergewöhnlichsten Orte besucht, die krassesten Gigs gespielt, konnte das Haus meiner Mutter für sie abbezahlen. Da macht einem der Stress oder Nervosität echt nicht mehr viel aus.

Erzähl mir von deiner neuen Platte: Was habt ihr beim Aufnehmen anders gemacht?

Wir haben vieles anders gemacht: Wir haben viel moderner aufgenommen und hatten viel weniger Zeit (lacht). Wir haben wirklich pro Tag einen Song geschrieben und aufgenommen und das in etwa acht Stunden.

Warum habt ihr euch so beeilt?

Wir hatten eine Menge Freiheit zu tun, was wir musikalisch wollten. Unser Label hat da gar nicht mitgemischt. Aber es gab durchaus einen Zeitdruck. Ich wollte nach meinem ersten Album nicht zu lange warten und außerdem nicht noch mal dasselbe machen – ich habe keinen Bock darauf, immer nur so extrem diese Retro-Schiene zu fahren.

Das ist gar nicht so einfach, wenn man Erwartungen erfüllen muss – immerhin war dein Debüt wahnsinnig erfolgreich.

Das ist in der Tat schwierig. Ich wollte mir selbst treu sein und dennoch die Fans glücklich machen. Ich wollte zeitloser klingen und dennoch nicht, dass alle meine Musik plötzlich scheiße finden. Dann dachte ich irgendwann „Whatever!?“ und habe einfach Musik gemacht – und bin echt stolz auf das Ergebnis.

Kannst du auch sein! Du legst auf „Good Times“ einen ziemlich eleganten Spagat zwischen traditioneller schwarzer Musik und sehr neuem Sound hin.

Das war mir auch wichtig. Ich möchte den schwarzen Wurzeln huldigen – immerhin ist daraus vieles entstanden, was wir heute im Hip Hop, im R’n’B und auch im Pop so hören. Die Jungs und Mädels damals, die konnten es einfach. Hör dir die Motown-Klassiker mal an, da steckt so viel Seele, so viel Sex und so viel Leidenschaft drin. Das ist großartig!

Wie stellst du sicher, dass du nicht einfach nur deine Helden imitierst?

Ich weiß einfach ganz genau, was mein eigener Sound ist! Weißt du, bei mir fließen so viele Einflüsse ein, neue und alte Sachen, aber an einem bestimmten Punkt musst du die Musik einfach packen und dein Ding draus machen.

Dir ist neben der Musik dein Kleidungsstil wahnsinnig wichtig.

Ja – neben dem Ausdruck in der Musik ist auch meine Kleidung eine Möglichkeit, mich zu zeigen. Aber auch auf diejenige schwarze Kultur zu verweisen, die ich bewundere. Die Jungs damals sahen so elegant und trotzdem cool aus – da kann man ja gar nicht anders, als sich inspirieren zu lassen.

Was möchtest du unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Hört euch meine Platte an und nehmt den Titel ernst „Good Times“! Wir werden eine gute Zeit zusammen haben. (lacht)

Quelle: Noizz.de