„Forever Neverland“ heißt ihr neues Album und, ja, es geht ums Erwachsen werden – und um L.A.

MØ  bedeutet auf Dänisch so viel wie „junge Frau, Mädchen“.  Eigentlich heißt MØ aber Karen Marie Ørsted und die ganze Welt kennt sie, dank dieses einen Songs. 2015 featurte sie Major Lazer und DJ Snake in dem Über-Sommerhit „Lean On“.

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Danach ging alles ziemlich schnell. Es folgten unzählige Features mit der Crème de la Crème der Popmusik: Diplo, Justin Bieber, eben Major Lazer, Iggy Azalea, Avicii, SOPHIE, Charli XCX, Noah Cyrus – mit allen stand MØ schon im Studio. Dementsprechend hat sich auch in ihrem privaten Leben viel geändert. Inzwischen pendelt sie zwischen Dänemark und L.A.

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Zwar hatte sie bereits im Jahr 2014 ihr Debüt „No Mythologies To Follow“ veröffentlicht, ihre erste Single „Pilgrim“ erreichte in ihrer dänischen Heimat sogar auf Anhieb Platz elf der Charts – aber: „Für mich hat ‚Lean On’ eigentlich alles verändert“, wird MØ in so ziemlich jeden Interview zitiert.

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Und ja, in drei Jahren kann ganz schön viel passieren. Vielleicht erklärt das auch, warum ihr Nachfolger „Forver Neverland“ ganze vier Jahre lang in der Mache war. Auch wir können der Versuchung nicht widerstehen, MØ nach ihrem lebensverändernden Moment zu fragen.

Sängerin MØ im NOIZZ-Interview: „Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist!“

NOIZZ: Wie war das damals für dich, als „Lean On“ vor drei Jahren herauskam?

: Es fühlt sich etwas komisch an – weil ich im Moment super fokussiert bin auf mein Album. Aber gleichzeitig fühlt es sich einfach gut an. Es ist Teil meiner Reise. Ich hoffe, ich kann auch in Zukunft beides machen: meine Kunst im Album zeigen und mich von anderen, auch Pop-, Künstlern inspirieren lassen.

Du kommst eigentlich aus der Punk-Szene. Glaubst du, manche fühlen sich verraten, dass du jetzt Pop-Musik machst?

Ich glaube, es ist egal was du tust – irgendjemand wird es nicht mögen. Das ist fair. Jede einzelne Zusammenarbeit hat Spaß gemacht! Und ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich der größte Pop-Fan bin. Ich liebe die Spice Girls! Ich liebe es aber auch, politische Songs zu machen. Ich finde beides gut, beides gehört zu mir.

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Du hast vier Jahre für dein neues Album gebraucht. Das ist eine verdammt lange Zeit ...

... oh ja, ich weiß. Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist.

Dann fangen wir doch von vorne an ...

Okay! Ich denke nachdem „Lean On“ ein Hit wurde, war es schwierig für mich, vom aufstrebenden Indie-Newcomer zum weltweit bekannten Popstar zu werden. Ich war super aufgeregt, ich wollte den Moment einfach mitnehmen. Genau als das passierte, hatte ich aber auch angefangen, mein zweites Album zu schreiben. Ich brauchte Zeit, um meine eigene Stimme in diesem Sturm an Aufregung zu finden.

Ich glaube, ich bin nicht die Art von Künstlerin, die immer das Gleiche machen will. Ich könnte nie zehn Pop-Hits raushauen und daraus ein Album machen. Das würde sich nicht richtig anfühlen. Ein Album muss etwas erzählen. Ich will damit etwas ausdrücken. Vielleicht bin ich da aber auch einfach nur super empfindlich.

Außerdem kommt hinzu: Ich bin einfach verdammt schlecht im Neinsagen! Ich meine, ich mag es, wenn sich Dinge ergeben. Wenn es passt und ich es machen will, dann tu ich es.

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Wieso hast du dich für den Titel „Forever Neverland“ entschieden?

Der Titel stand schon bereit 2016 fest – im Gegensatz zum Rest (lacht). Ich pendelte zwischen Los Angeles, wo all die Musik-Industrie ist, und Europa, noch dazu war ich auf Tour. „Neverland“ bezieht sich natürlich auf Peter Pan, aber darin steckt auch Eskapismus. Während ich das Album schrieb, dachte ich, dieser Gedanke passt ganz gut zu dem Leben, das ich im Moment führe.

Wahrscheinlich sehr surreal ...

Super surreal! Aber zur gleichen Zeit auch sehr inspirierend. Ich fühle mich, als ob immer vor etwas fliehen möchte. Es hätte auch „Forever Escaping“ heißen können. Aber irgendwie ist L.A. für mich zu „Neverland“ geworden. Es ist toll dort, ich liebe es da zu sein! Aber es ist auch eine verdammte kleine, eigene Blase! Alle dort sind entweder Musiker, Schauspieler oder Künstler. Jugend wird glorifiziert, und alle scheinen voller Energie. Es wirkt wie ein Wirklichkeit gewordenes Nimmerland.

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Wie fühlt es sich dann an, wieder nach Dänemark zu kommen?

Es sind einfach zwei verschiedene Welten, die da aufeinander prallen. Ich habe manchmal Angst, meine künstlerische Identität zu verlieren. Ich brauche es, einfach auch mal wieder, nach Hause zu kommen, um zu meinen Wurzeln zu finden. In Dänemark habe ich schließlich gelernt, Songs zu schreiben, und herausgefunden, was den Kern meiner Musik ausmachen soll. Sich darauf zu besinnen, ist gut. Ich hatte manchmal Angst, von L.A. regelrecht weggespült zu werden.

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L.A. ist also sehr ambivalent. „Forver Neverland“ genauso. Das Spiel mit dem Doppeldeutigen beherrscht MØ ziemlich gut. Die Songs wirken sonnig-süß und nach Party, die Lyrics sind aber alles andere als das. Sie sind zutiefst nachdenklich. Hin- und hergerissen zwischen der Freiheit der Jugend und dem Unwissen, darüber, wo man eigentlich hin will.

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Bestes Beispiel dafür ist „Purple Like the Summer Rain“, der das Album abschließt. Kühle, schwingende Beats läuten das Stück ein:

„Take me back to California, they are making hits on every corner (....)

– ja, so kennt man die Traumfabrik. Dass dahinter aber nicht nur Glück steht, verdeutlicht dann folgende Zeile:

„to be a child again, to not worry about the responsibilities of adulthood. What is a girl suppose to do?“

Den Kontrast von Traum und unterschwellig Düsterem, er kommt auch in ihren Musikvideos zu der neuen Platte zum Vorschein – fast schon wie ein Konzept.

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Im Interview fällt mir dann erst auf, dass MØ eigentlich jedes Mal anders aussieht, wenn man ihr begegnet. Wenn Mode und Frisuren Ausdruck unserer Persönlichkeit sind,  könnte man bei MØ gut Hobby-Psychologe spielen. Als ob sie den traumhaften Einstieg in ein Feature über sie vor Augen gehabt hätte,  hat sie sich passend zum Album-Titel „Forever Neverland“ eine Peter-Pan-Frisur, einen strohblonder Wuschelkopf-Kurzhaar-Schnitt verpasst.

NOIZZ: Wie spiegeln sich die Kontraste in deiner Musik wider?

: Na ja, es gab Momente, da habe ich wirklich gehadert: Soll ich umziehen oder nicht? Dann dachte ich aber wieder: Eigentlich lebe ich nirgends so richtig. In den letzten vier Jahren war ich ständig unterwegs. Dieses Gefühl findet sich natürlich auch in meine Songs: Nichts ist konstant.

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Die Songs klingen aber auch nicht mehr so schwermutig. Liegt das vielleicht an der kalifornischen Sonne?

Haha, ich glaube schon ein wenig. Es geht dir einfach gut, wenn du lange das Gefühl von Sommer erlebst. Ich habe mich aber nicht irgendwie trauriger gefühlt, als ich mein erstes Album geschrieben habe. Ich glaube, in den Songs kommt aber auch gut das Gefühl einer verdrehten Wirklichkeit zur Geltung. Ich denke, nichts ist nur fröhlich und toll oder nur traurig. Es ist immer ein bisschen von beiden Seiten. Das Lebensgefühl in L.A. ist ein Sinnbild dafür.

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  • Quelle:
  • Noizz.de