Lasst uns über Kontraste sprechen. Oder über LANY – kommt aufs selbe raus.

Offenkundigstes Indiz: Das aktuelle Album „Malibu Nights“. Die Platte versprüht auf dem Cover heiße Sonnenaufgänge und tiefpinke Fröhlichkeit. Entstanden ist es allerdings in den Nachwehen der Trennung zwischen Dua Lipa und Frontmann Paul Klein. Entsprechend sehnsüchtelt es auf der Platte auch: Nach einer zweiten Chance mit der Geliebten fragt Klein im Song „Taking Me Back“. In „I don't wanna love you anymore“ geht es um Schmerz und Fassungslosigkeit des Verlassenen: „How'd you change your mind just like that?“ fragt Klein.

Der Sound LANYs ist trotz des Trennungsthemas weiterhin sprudelig tanzbar – vom Drama des gebrochenen Herzens ist hier jedenfalls nicht auf Anhieb etwas zu hören. Intime Einblicke und tiefmelancholische Atmosphäre gibt es dafür aber intensiver in den Lyrics. Sänger und Songwriter Klein macht sich buchstäblich vor Fans und seiner Ex nackig und gibt jede Gefühlsregung offen zu. Im Interview darf jedoch nicht auf die Verflossene eingegangen werden – da isser wieder, der Kontrast!

Dabei ist Dua Lipa dafür verantwortlich, dass es so schnell überhaupt zu einer zweiten Platte kam. „Malibu Nights“ ist nämlich eher so passiert:

„Ich wollte eigentlich gar kein Album schreiben. Ich habe mich einfach sehr intensiv mit meinen Gefühlen beschäftigt und diese aufgeschrieben. Plötzlich hatten wir die Platte zusammen.“

Ganz so einfach ging das alles dann natürlich nicht: Die Band wollte beim zweiten Album anders klingen, als beim Debüt. Es sollte neuen Input geben, man arbeitete erstmals mit Songwritern zusammen – etwa mit Newcomerin Sasha Sloan (die Klein seither als seinen „brother for live“ nennt) und Produzenten zusammen, arrangierte ordentlich an allem herum und suchte intensiv danach, wie die Fortsetzung des erfolgreichen Debüts denn nun klingen sollte. Man wurde sich letztendlich einig: „Wir sind wirklich stolz darauf, dass die Platte so klingt, als sei sie aus einem Stück gemacht. Sie hat einen roten Faden“, findet Schlagzeuger Jake Gross.

Einmal gegen die Sonne schauen bitte: LANY
Foto: / Jonas Gödde

Klar – die Einheitlichkeit kann an dem über allem hängenden Trennungsschmerz liegen, oder daran, dass hier so kompakt und schnell gearbeitet wurde. Vielleicht ist die Band aber auch gewachsen und konnte sich besser fokussieren. Klein stimmt dem zu „Ich merke, dass wir immer besser werden. Wir entwickeln uns und das ist wahnsinnig wichtig. Wir machen Musik, weil es unsere Leidenschaft ist und da ist Stillstand inakzeptabel.“

Egal wie sehr Klein in den Plaudermodus kommt und etwa auch offenlegt, dass er aufgrund der Ruhelosigkeit und Aufmerksamkeit als Musiker hin und wieder einen Instagram-Detox einlegt – so richtig in die Gänge scheint er nicht zu kommen. Er kommt zu spät zum Gespräch, ist müde und hin und wieder etwas hölzern.

Als wir jedoch einige Stunden später vor der Bühne stehen und Klein im ausverkauften Berliner BiNuu mit seiner Band anfängt zu spielen, kommen wir aus dem Staunen nicht raus. Kleins Präsenz, seine Aufmerksamkeit und seine Art sich zu geben überstrahlt alle im Raum – und begeistert alle. Kreischende Fans, die jeden Song ins Detail mitsingen können, fliegende Rosen (als Analogie zum Cover des ersten Albums) und atemlose Mittanzende, die aufgrund der mitreißende Show abgehen – LANY und vor allem Paul Klein sind die Band der Kontraste. Oder kennt ihr irgendeine andere Musikertruppe, die mit einem Heartbreak-Song und einem Video mit Klavier am Strand immer noch ein solches Level an Coolness aufbringen kann?

Quelle: Noizz.de