Mit dem gleichen Problem mussten sich bereits Nick Cave, Lorde und auch Radiohead auseinandersetzen.

Vor kurzem kündigte das Meteor Festival, das zwischen dem 6. und 8. September in Tel Aviv stattfindet, an, dass Lana Del Rey zu den Headlinern gehören wird. Neben ihr treten dort Künstler wie Ariel Pink, DJ Koze oder Flying Lotus auf. Naja, und wie das seit einer geraumen Zeit so ist, wenn sich ein Künstler dazu entscheidet irgendwo in Israel aufzutreten: Sie oder er bekommt eine Welle der Empörung zu spüren.

So nun Lana Del Rey. Seit einigen Tagen muss sie sich mit den kritischen Stimmen ihrer Fans, Pro-Palästina-Aktivisten und Anti-Israel-Gruppierungen auseinandersetzen. Der Vorwurf ist immer der Gleiche: Jeder, der in Israel auftritt, unterstütze das israelische Regime und die Unterdrückung sowie Besetzung Palästinas. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Auf Twitter verteidigte sich die Sängerin nun für ihre Entscheidung – und macht damit anders, als etwa Lorde im vergangenen Jahr, keinen Rückzieher bei ihrem Konzert in Tel Aviv. Sie verstehe zwar voll und ganz die Bedenken und Argumente derjenigen, die gegen diesen Auftritt sind, aber: „Alles, was ich Euch sagen kann, ist, dass ich daran glaube, dass Musik universell ist und dafür genutzt werden sollte, uns alle zusammen zu bringen.“

Der Auftritt in Israel sei kein politisches Statement, betonte die Sängerin in ihrem Tweet. Genauso wenig wie ein Konzert in Kalifornien automatisch eine Pro-Trump-Veranstaltung sei. Lana Del Rey ist bei Weitem nicht die erste Musikerin, die ihre Entscheidung, ein Konzert in Israel zu spielen, verteidigen muss. Auch Nick Cave und die Band Radiohead mussten ihre Tourneen in dem Land verteidigen.

Fast immer steckt hinter dem öffentlichen Druck die Protestbewegung BDS (für „Boycott, Divestment and Sanctions“), die es sich seit 2005 zum Ziel gemacht haben, den Staat Israel kulturell und politisch zu isolieren – und so die von ihnen als Besatzung empfundene Situation auf den palästinensichen Gebieten zu beenden. Die Gruppierung konnte dabei im Laufe der Zeit viele prominente Unterstützer finden, darunter etw Pink-Floyd-Gitarrist Roger Waters, Sonic Youths Frontmann Thurston Moore oder die Bands Massive Attack und Young Fathers.

Apropos Young Fathers: Die Band hat in Sachen BDS für einen Eklat beim Ruhrtriennale Festival in Nordrhein-Westfalen gesorgt. 2017 sagte die Band ihre Teilnahme beim Berliner „Popkultur Festival“ ab, weil eine israelische Sängerin einen Reisezuschuss der israelischen Regierung erhalten hat. Dies begründete die Band mit ihrem BDS-Engagement.

Daraufhin reagierte die Ruhrtriennale und lud die Band für das Festival 2018 zunächst aus und dann doch wieder ein. Nun wird offen über Kunstfreiheit diskutiert. Zwar sagte die Gruppe schließlich von sich aus ab. Die parteilose NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sieht in der zeitweiligen Ausladung allerdings keine Einschränkung der Kunstfreiheit.

„Wenn man sich im BDS engagiert, muss man sich bewusst sein, dass es dort auch radikale Positionen gibt und dass man sich die auch zurechnen lassen muss.“ BDS light gebe es eben nicht. „Kunstfreiheit ja, Boykott und Ausgrenzung nein.“ Bei der Ruhrtriennale müsse man auch heftigste Debatten aushalten. „Aber man muss auch Grenzen erkennen und Grenzen beachten, die für uns in Deutschland klar gezogen sind“, sagte Pfeiffer-Poensgen weiter. Mal schauen, wie die Diskussion im Falle Lana Del Reys noch weitergeht.

Quelle: Noizz.de