Deutschraps Altherrenverein meldet sich zurück.

Holt eure Baggy-Hosen und Snapbacks wieder raus: Gleich vier Deutschrap-Urgesteine haben gerade neue Projekte angekündigt. Dabei überbieten sich die Künstler gegenseitig an Alter und Jahren, die seit ihren jeweils letzten Soloalben verstrichen sind.

Ali As & Motrip – „Mohammed Ali”

Ein Kollabo-Album, dessen Titel sich aus den Vornamen der beiden Rapper zusammensetzt.

Ali As (39) war fleißig: Mit drei Soloalben, geschickt gewählten Feature-Gästen, als Voract von Kollegah und einem massentauglichen Sound hat sich der gebürtige Münchner in den letzten Jahren an die Spitze gearbeitet. Er kann tatsächlich gut rappen und hat sprachlich einiges in petto. Obwohl seine Musik recht modern klingt, ist er mittlerweile mehr Geschäftsmann als spannender Künstler.

Um Motrip, der gerade in die 30er aufgestiegen ist, war es deutlicher ruhiger. Sein letztes Soloalbum „Mama” kam 2015 und chartete auf der Drei. Seine Musik besteht aus simplen, greifbaren Texten für die breite Masse und ist superangenehm zu hören. Stilistisch gehört er eher der alten Schule an.

Motrip-Fans und die Charts werden sich über „Mohammed Ali” sicher freuen. Wer hingegen Lust auf spannenden, neuen Rap hat, der hört sich vielleicht besser was anderes an. Das Album erscheint am 14. Dezember 2018. Die erste Single mit Musikvideo kommt am 19. Oktober.

Kool Savas – „KKS”

Der (einstige) King of Rap, Kool Savas, ist mittlerweile Anfang 40 und hat 2014 sein letztes Soloalbum „Märtyrer” releast. Das ist mit über 100.000 verkauften Einheiten sogar Gold gegangen. Fans weinen trotzdem dem Kool Savas hinterher, der um die Jahrtausendwende als erster deutscher Rapper mit richtig gutem Flow gespittet hat und einfach dope as hell klang. Songs wie „Pimplegionär” oder „LMS” sind legendär.

Savas rappt heutzutage (meistens) immer noch gut. Auf der anderen Seite ist er ein in die Jahre gekommener, gut situierter Mann mit – nichts für ungut – Wohlstandsplauze, dessen Songs sich thematisch weiterhin ums battlen und seine tollen Skills drehen. Irgendwie hängen geblieben.

„KKS” steht für King Kool Savas, ein aka aus alten Zeiten. Angekündigt ist das Album für Januar 2019. Die erste Single dürfte also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Dendemann – „Da nich für”

Dendemann ist ein Jahr älter als Kool Savas und damit 44. Acht Jahre sind vergangen, seit sein letztes Album „Vom Vintage verweht” das Licht der Welt erblickte. Dendes Stimme ist durch seinen nordischen Dialekt und ein latentes Krächzen unverkennbar. Er war seinerzeit ein Pionier in Sachen Wortspiele und Reimtechnik.

So konnte er auch den jungen Kollegah inspirieren, der 2005 mit seinem ersten „Zuhältertape” durch intelligenten Wortwitz, eine herausragende Raptechnik und nicht enden wollende Kettenreime einen künstlerischen Meilenstein produzierte.

Zuletzt gastierte Dendemann als fester Bestandteil in Jan Böhmermanns Show „Neo Magazin Royale” im ZDF. Passend zum Album startet ab Februar 2019 die „Da nich für”-Tour. Ein erstes Musikvideo sollte längst erschienen sein.

Rap 2018

Rap hat sich in den letzten Jahren mehr verändert, als je zuvor. Künstler, die noch vor einigen Jahren total angesagt waren, sind auf einmal vom alten Eisen. Wie erfolgreich können Comebacks von Dendemann oder Motrip also sein? Wie lange kann sich ein Kool Savas noch halten und gibt es eine langfristige Zukunft für kommerziellen Rap à la Ali As? Das wird wohl nur die Zeit und die kommenden Alben zeigen.

Quelle: Noizz.de