Irgendwie ein unbosshafter Move.

Verhalten sich "Alphas" so, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen? Wenn es nach Kollegah geht, offenbar schon.

Mittlerweile dürften alle wissen, was gelaufen ist. "VICE" und "Buzzfeed News" schleusten sich in Kollegahs Coaching-Programm "Alpha Mentoring" ein, um aufzudecken, wie "gefährlich" es sei und wie der Rapper damit "seine Fans abzockt". Kollegah reagierte zuerst in Form eines fast 40-minütigen YouTube-Videos, in dem er die Aktion als "ekelhaft" bezeichnete (etc.). Außerdem kündigte er am Ende des Clips an, dass er juristisch dagegen vorgehen würde.

Jetzt sind die Abmahnungen bei den besagten Medien – und anderen, die darüber berichtet hatten, wie zum Beispiel "rap.de" und wohl auch "Cicero" und "GWUP" – eingegangen, wie "VICE" und "BuzzFeed News" Donnerstagfrüh jeweils in einem ausführlichen Artikel mitteilten. Elf Abmahnungen seien verschickt worden; der Vorwurf: die Recherche von "VICE" und "BuzzFeed News" "würde in Persönlichkeitsrechte eingreifen und wäre üble Nachrede und Diffamierung". Gut fünf Seiten sei das Anwaltsschreiben lang (einen Screenshot davon gibt's im "BuzzFeed News"-Artikel). Außerdem ist von Schadensersatzansprüchen die Rede.

Im "VICE" bzw. "BuzzFeed News"-Artikel heißt es dazu: "Weder BuzzFeed News noch VICE werden die verlangten Unterlassungserklärungen unterzeichnen. Alle von Kollegah und seinen Geschäftspartnern angegriffenen Passagen sind unserer Ansicht nach entweder Meinungsäußerungen oder belegte Tatsachen." Die Vorwürfe halten die beiden Medien für "haltlos".

Auch die Baulig Consulting hat "VICE" und "BuzzFeed News" jeweils fünf Abmahnungen geschickt. Darin geht es um Änderungen im Artikel und um Gebühren zwischen 1000 und 4000 Euro an die Kanzlei. Unfreiwillig lustig ist dabei ein Aspekt, der die Charakterisierung der Gebrüder Baulig betrifft. Im Enthüllungs-Artikel von "VICE" heißt es nämlich: "Die Chefs der Firma, Markus und Andreas Baulig, sind zwei Brüder, Mitte Zwanzig und Anfang Dreißig, mit dicken Uhren und Gelfrisuren. Sie tragen Philipp-Plein-Hemden, treten auf wie das Klischeebild von Brokern an der Wall Street, beraten aber Hundetrainerinnen aus Krumbach oder Creußen."

Nun schreiben die Anwälte, dass Andreas Baulig gar keine Philipp-Plein-Hemden besäße. Tatsächlich hatten sich "VICE" und "BuzzFeed News" dieses Detail aber nicht ausgedacht. In ihre Replik integrieren sie den Screenshot eines relativ aktuellen Instagram-Posts, auf dem Baulig ein Philipp-Plein-Hemd trägt.

Letztgenanntes Detail scheint stellvertretend für das Niveau der Abmahnungen zu stehen.

ml

Quelle: Noizz.de