Eine Chronik.

Och, Mensch, was ist denn gerade mit dem Alphatierchen los? Vor gut einem Jahr wirkte es noch so, als könne den erfolgreichen Deutschrapper gar nichts aufhalten – im Gegenteil: Neben seiner Musik launchte Kollegah Bücher, Coaching-Programme, YouTube-Kanäle, Kleidungsstücke, Shisha-Bars und unterhält seit 2016 sein eigenes Label. Doch in der letzten Zeit ziehen dunkle Wolken auf über Felix Blume, wie der Rapper bürgerlich heißt. Skandale, Beef mit anderen Rappern, angepisste Fans und Drama. So richtig rund läuft es offenbar gerade nicht.

Nun löschte Kollegah alle Bilder seines Instagram-Accounts und postete am 23. September lediglich ein Kinderbild von sich. Ist das Ausdruck seiner Trauer? Vor wenigen Tagen verstarb immerhin die Großmutter des 35-Jährigen. Der Verlust muss ihn tief getroffen haben – vor allem weil er in den letzten Momenten nicht vor Ort sein konnte, wie er in seiner Insta-Story verlauten ließ.

Kollegah in seinen Instastories. Foto: Screenshot / Instagram @Kollegahderboss

Ob neben der Trauer auch das Ende von Kollegahs Karriere mit dem Aus auf den Socials einhergeht? Es wird zumindest darüber gemunkelt, allerdings weiß keiner Genaueres zum aktuellen Stand um den selbsternannten Boss.

Wir fragen uns: Geht es seit der Echo-Verleihung mit Kollegah etwa stetig bergab? Ist das von Farid Bang und Kollegah provozierte Ende der Preisverleihung etwa wie ein langer Schatten, der sich nun auch über Blumes Karriere legt? Ist das hier eine Verschwörungstheorie? Möglich.

Damit wir unsere Argumentationskette allerdings nicht einreißen lassen, liefern wir hier die 10 einzelnen Stationen der Abwärtsspirale des Kollegah seit der Echo-Verleihung, mit Liebe zur Flexibilität chronologisch sortiert.

April 2018: Das Ende des Echo

Es war ja eigentlich lange überfällig: Das Ende der unsäglichen Echo-Verleihung. Eigentlich konnte und wollte keiner diesen Musikpreis ernst nehmen. Die ganze Veranstaltung zielte nicht auf Qualität sondern einzig und allein auf Verkaufszahlen ab und wirkte wie eine ins Fernsehen übertragene Selbstbelobhudelung und Egogewichse der Musikbranche.

Dass es aber dann so zu Ende gehen musste, hat keiner erwartet: Aufgrund eindeutig antisemitischer Zeilen auf ihrem Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" standen die Rapper Kollegah und Farid Bang in der Kritik. Als sie den Echo in der Kategorie "Hip Hop/Urban National" gewinnen, gehts richtig ab: Tagelang wird diskutiert, was Kunst darf, warum man so unmenschliche Inhalte auch noch mit einem Preis kürt und wofür der Echo eigentlich noch steht.

Viele Fragezeichen, eine Antwort: Der Echo wird abgeschafft.

September 2018: Kollegah auf der Suche nach dem Alphatier

Keine Frage: Der Kollegah, das ist so ein richtiger Boss. Der hat einen Stiernacken, auf dem eine eigene Nation leben könnte – so vom Umfang her. Und der hat eine Attitüde, bei der jeder andere direkt zum Angestellten wird. Als Boss hat man natürlich auch Verantwortung seinen Jüngern gegenüber, weshalb Kollegah mit seinem Buchstabensalat zwischen zwei Hardcoverdeckeln "Das ist Alpha" seine geballte Weisheit weitergibt.

In diesem Buch lernt man(n) wie das geht mit den Millionen, mit der Loyalität und vor allem mit den Frauen. Die wichtigsten Erkenntnisse: Geld ist gut, Loyalität ist gut, Frauen sind doof (weil sie einen eigentlich nur ausnehmen wollen – alle. Jede Einzelne. Außer vielleicht Mutti, aber sonst alle.)

Das Buch für 22 Euro mutiert zwar zum Bestseller, zeigt aber auch, dass Kollegah seinen Fans erstens so ziemlich jeden Mist verkaufen kann und er das zweitens auch gnadenlos tut.

>> So oft hat Kollegah sein Buch verkauft

März 2019: Von Aluhüten und sterbenden Fischen

Kolle launcht seinen YouTube-Channel – und zwar unter seinem bürgerlichen Namen Felix Blume. Hier zeigt er sich echt, zeigt sich ohne seine Sonnebrille, zeigt, dass es da auch noch mehr gibt als den Testosteronbolzen aus dem Hessischen Friedberg.

Im Prinzip passiert hier dasselbe wie in Kolles Buch – gewollt breitschultriges Lifecoachgehabe. Und Verschwörungstheorien. Leider können wir hier keines der Videos mehr einblenden, da der Boss ja auch seinen gesamten YouTube-Kanal leergeräumt hat. Aber es gibt noch andere Zeugnisse von Kollegahs Überzeugungen: Hier etwa widerlegt er beeindruckend die Evolutionstheorie anhand toter Fische:

Kollegahs Verschwörungstheorien schlagen übrigens erste Wellen: Seine Fans folgen ihm zwar immer noch ergeben – alle anderen fragen sich, was der Blume eigentlich neuerdings raucht und warum er so viel Blödsinn verbreitet.

Mai 2019: Verhindertes Kollegah-Coaching

Nee, also der Kolle, der will wirklich nur helfen. Der will, dass alle zum Boss werden und dann richtig happy durch ihr Leben hüpfen. Der will keinem die Kohle aus der Tasche ziehen – denn um die Kohle gehts dem gar nicht. Allerdings, so Blume selbst, hat seine Arbeit einen Wert – und den kennt er ganz genau.

Bis zu 2500 Euro sollten seine Anhänger und Bald-Bosse für eine eintägige Coaching-Veranstaltung in der Kölner Lanxess-Arena bezahlen. Hier wollte Kollegah und Geschäftspartner Dirk Kreuter in der sogenannten "Alphaoffensive" mal so richtig aufräumen – Mindset, Motivation, Business und Erfolg. Quasi feucht durchwischen bei seinen Schäfchen. War diesen aber doch nicht so viel Wert, vor allem bezichtigten sie Kollegah der Abzocke, manche meinten gar, er sei ein kaltblütiger Geschäftsmann.

Die "Alphaoffensive" fand dann am Ende doch nicht statt – der Boss bleibt also vorerst ein Einzelexemplar.

Juli 2019: Vice will Boss sein

Die Vice veröffentlichte im Juli dieses Jahres gemeinsam mit BuzzFeed einen Enthüllungsartikel: Johann Voigt, Paul Schwenn und Daniel Drepper meldeten sich undercover bei Kollegahs Online-Coaching an. Hier soll dem gemeinen schwachen Lauch das Leben umgekrempelt werden. Kostenpunkt: Schlappe 2500 Euro zahlen die Teilnehmer für Ratschläge wie "Reiß dich mal zusammen und such dir einen Job!" – Auch hier ließen die Vorwürfe der vorsätzlichen Abzocke seiner ergebenen Fans nicht lange auf sich warten.

Der Aufschrei war ziemlich groß, Kolle versuchte das alles irgendwie abzustreiten – geht ihm ja mal wieder nicht ums Geld, sondern darum, die Welt zu verändern. So richtig nimmt dem Boss das aber keiner mehr ab.

August 2019: Böhmi ist der bessere Boss

Zum Start der neuen Staffel "Neo Magazin Royal" veröffentlichte Böhmermann ein Video, das Kolle komplett auf den Arm nimmt. Das ganze geht durch die Decke, zeigt leider ziemlich drastisch, wie lächerlich Kolle sich manchmal benimmt und vor allem: Es beweist, dass Böhmi der bessere Boss ist. Ja, es ist wahr: Der Stiernacken muss sich von dem bleichen Polizistensohn geschlagen geben. Eine grausame Bilanz.

September 2019: Klamotten-Klage

Eine Dresdner Online-Handelsfirma hat Kolle auf schwere 250.000 Euro Schadensersatz verklagt. Problem: Der Boss hatte hier Klamotten seiner Labels "Deus Maximus" anfertigen und verkaufen lassen. Anders als abgemacht, hatte er aber vor Ende des Vertrags aufgehört, die Produkte zu bewerben und sich eine neue Firma für seinen königlichen Zwirn gesucht. Die Sache wird noch verhandelt.

Später im September 2019: Was zur Hölle raucht der da, Digga?

Nur wenige Tage nachdem Blume in Düsseldorf seine Shisha-Bar "Alpha Lounge" eröffnete, gab's direkt die erste Razzia: Die Polizei beschlagnahmt 3 bis 4 Kilo Tabak, der eventuell unversteuert im Laden vertickt wird. Es kam zur Strafanzeige, im schlimmsten Fall muss Kolle 5.000 Euro blechen. Wir berichteten.

Noch später im September 2019: WhatsApp-Leaks

Plötzlich waren sie im Netz: Sprachnachrichten, die Kollegah seinen Rap-Kollegen in ganz schlechtem Licht dastehen lassen dürften. Der Rapper Samarita veröffentlichte Sprachmemos zwischen Kollegah und seinen Labelangehörigen. In diesen schlägt Kolle Rappern wie Capital Bra, Farid Bang oder KC Rebell gegen den Bug. Ist jetzt aber nicht die vielzitierte Loyalität, die im Rap ja angeblich herrschen soll.

Schwer enttäuscht zeigen sich die einen, richtig wütend die anderen, gut ist die Sache für Blume insgesamt jedenfalls nicht.

Aktuell: Bei "Alpha Signings" ist Schluss?

In seinem derzeit einzigen sichtbaren Post auf Instagram verabschiedet sich Kollegah auch von seinen einstigen Schützlingen. "Ich wünsche allen Ex-Alpha-Künstlern das beste auf ihrem weiteren Weg." Kussi, Bye, Winke-winke, das war's! Oder wie? Wir wissen hier bisher nicht Genaues, nur so viel: Nach blühendem Musikbusiness hört sich das jetzt nicht an.

Und wie gehts weiter?

An alle Alpha-Jünger: Der Kolle, der scheint erst mal weg vom Fenster. Sucht euch doch bitte einen neuen Anführer. Vielleicht dieses Mal jemanden, der euch nicht für 2500 Euro Lebensweisheiten bietet, die ihr auch im Abreisskalender findet.

An alle anderen: Wer weiß, was Blume plant. Vielleicht gibt es ja bald ein fulminantes Comeback? Wir wissen es nicht. Unsere Nachfrage an unsere redaktionsinterne Kollegah-Expertin ließ jedoch nichts Gutes verheißen. Ihr Statement: "Die Kacke ist wohl mächtig am Dampfen."

Quelle: Noizz.de