Kollegah disst Journalistin – wegen Doku zu Judenhass im Deutschrap

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Mit dem Boss ist nicht immer gut Kirschen essen Foto: kollegahderbossofficial / Instagram

„Vielleicht besorgst du dir mal ne seriösere Email Adresse als gmail.“

Dass der Boss nicht zimperlich ist, wissen wir spätestens seit seiner „Imperator“-Tour 2017. Damals hatte der Deutschrapper einen Fan verprügelt, weil dieser ihm seine Sonnenbrille wegnehmen wollte. Das Ergebnis: 18.000 Euro Strafe (NOIZZ berichtete).

Kollegah schlägt Fan Foto: Screenshot / YouTube

Auch der Antisemitismus-Vorwurf gegen ihn ist ein alter Hut. Anfang letzten Jahres hatten der Zentralrat der Juden, andere jüdische Organisationen und mehrere Kirchen vermeintlich antisemitische sowie homophobe und sexistische Passagen in Songs von ihm ausgemacht. Das Resultat: Der Rüsselsheimer Bürgermeister lud den Straßenrapper vom „Hessentag“ aus (auch hierüber berichtete NOIZZ).

Jan Böhmermann rang Kolle daraufhin bei dessen Besuch im „Neo Magazin Royale“ das Versprechen ab, sich mit Shahak Shapira und Kat Kaufmann zu treffen und mit ihnen über (seinen mutmaßlichen) Antisemitismus und den Nahostkonflikt zu sprechen – was dann auch im März passierte.

An jenem Abend beteuerte Kollegah mehrmals und explizit: Er habe nichts gegen Juden oder das Judentum, er habe auch nichts gegen Menschen anderer Kultur oder anderen Glaubens, er habe nichts gegen irgendeine Nation. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Diskriminierung irgendeiner Religion sei ihm gänzlich fremd.

Das alles scheint die Kritiker nicht zu befriedigen.

Wie aus Kollegahs Instagram-Story vom Donnerstag hervorgeht, arbeitet der WDR gerade an einer Doku über Antisemitismus im Deutschrap. Dafür wollte der Sender auch den Boss interviewen. Dieser lehnte ab. Daraufhin schickte man ihm eine E-Mail, in der man ihn darum bat, doch wenigstens schriftlich Stellung zu nehmen.

Es folgt die Beschreibung von drei Szenen aus Kollegahs gut 13-minütigen Video „Apokalypse“, die ein Politikwissenschaftler als judenfeindlich interpretiert.

1. Der Jude als Diener des Teufels

In der ersten Szene sitzt eine Person an einem Computer und trägt einen Ring mit Davidstern. Laut dem Experten würde hier – so der Wortlaut in der E-Mail – „der Stellvertreter des Bösen, der Diener des Teufels als [jüdisch] markiert [...]. In Kombination mit Kollegahs Rap und der textlichen Einblendung, sei es eine antisemitische Darstellung“.

2. Der jüdische Banker als Endgegner

Im selben Video gibt es eine Stelle, wo es um eine finale Schlacht in Ost-Jerusalem geht. Der Politikwissenschaftler sieht darin einen Kampf zwischen Kollegah und seiner Armee des Guten und der Übermacht auf dem Tempelberg. Der Anführer jener „Übermacht auf dem Tempelberg“ sitzt „in einem Bankenturm in der City of London“. Hier würden – so der Experte laut E-Mail – „antisemitische Codes und Mythen bedient“.

3. Weltfrieden (nur) ohne Juden

Am Ende des Videos geht es um den Frieden zwischen Buddhisten, Muslimen und Christen. Der Experte: Das Judentum würde nicht mehr als Teil einer in Frieden lebenden Gemeinschaft benannt werden. Es würde hier die Interpretation zugelassen, „dass die Welt vom schändlichen Jüdischen gereinigt werden muss“.

In den darauffolgenden Snaps spricht Kollegah die Urheberin der E-Mail persönlich mit ihrem Vornamen an. Denn natürlich hat das Schreiben nicht der WDR verfasst, sondern jene freie Journalistin, die hinter der Doku steht. Und natürlich hat eine solche freie Journalistin keine WDR-Adresse, sondern eine von Googlemail.

Das nutzt Kolle aus, um die Journalistin herablassend zu behandeln.

Er schreibt: „Hier Stellungnahme für dich [...]. Lasst euren Experten da ruhig mal rumanalysieren, hat er was zu tun auf seine alten Tage. Und [Vorname der Journalistin] vielleicht besorgst du dir mal ne seriösere Email Adresse als gmail, sowas wird auch Praktikantinnen heutzutage in der Regel zugestanden. Bosshafte Grüße, Kollegah.“

Damit aber nicht genug. In einem Videosnap sagt er – oben ohne –: „Das Pentagram und das Hexagram sind magische Symbole, die weit über die Anfänge des Judentums zurückdatieren [...].“ Er würde eine Stellungnahme erwarten, die bei einem der nächsten Clubgigs von ihm mit Farid Bang erfolgen sollte – „im Backstagebereich unter sechs Augen bei einer warmen Milch mit Honig“.

Ob die zwei bosshaft herablassenden, lakonischen Snaps ausreichen, um die Skeptiker umzustimmen? Und ob die Journalistin bei einem Clubgig auftaucht? Falls ja, hoffentlich mit Kamerateam! Auf dass wir das Honigmilch-Date auch sehen können – in der „Antisemitismus im Deutschrap“-Doku des WDR, die wir heiß ersehnen.

Quelle: Noizz.de

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