Ist der Gangster-Rapper ein Antisemit? Darüber hat er mit Kat Kaufmann und Shahak Shapira diskutiert ...

Das Video ploppte am Dienstagabend völlig unvermittelt auf – mitten in der Debatte um Kollegahs Fan-Prügelei. Kalkuliert oder Zufall? Bei dem Vollprofi weiß man nie.

Die Vorgeschichte ist fast in Vergessenheit geraten: Kollegah war bei Jan Böhmermann, es ging um seine Palästina-Doku, um ein Konzert in Rüsselsheim, das abgesagt wurde, weil der Zentralrat der Juden Druck gemacht hatte. Dabei wurde dem Rapper nicht nur Antisemitismus vorgeworfen, sondern auch Frauenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung.

Kollegah wehrte sich dagegen, Böhmermann rang ihm das Versprechen ab, sich mit der Autorin Kat Kaufmann, dem Autor Shahak Shapira und dem Grünen-Politiker Volker Beck zu treffen und über den Nahostkonflikt sowie Antisemitismus zu sprechen.

Shahak Shapira diskutiert mit Kollegah – im Hintergrund die Crew des Rappers Foto: Sreenshot / YouTube

In dem 49-minütigem Video, das Kollegah jetzt auf seinem YouTube-Kanal Bosshaft TV veröffentlicht hat, sitzt er mit Kat Kaufmann und Shahak Shapira im Backstage. Mit dabei ist Kollegahs Crew – sie steht im Hintergrund rum, zeigt Muskeln, guckt, hört zu. Rapper Ali As und Koree sitzen mit am Tisch und mischen sich ab und an ein.

So verlief die Diskussion

Um es zusammenzufassen: konfus, aber ergiebig. Kat Kaufmann hielt sich zurück, rauchte elegant-abgefuckt, verteidigte Kollegah-Lines, in denen er von seinen jüdischen Anwälten rappt, disste den Zentralrat der Juden, sagte, dieser würde nicht verstehen, dass das Props seien und nicht Cons, gab die Battle-Rap-Versteherin ...

Autorin Kat Kaufmann Foto: Screenshot / YouTube

Am meisten sprach Kollegah mit Shahak Shapira, der ein bisschen wirr wirkte. Shapira kritisierte an Kollegahs Texten, dass er darin frauenfeindlich, homophob und gewaltverherrlichend sei; Kollegah konterte, dass Battle-Rap eine Kunstform sei und solche Lines nicht ernstgenommen dürften. Das wollte Shapira bis zum Ende der Diskussion nicht akzeptieren.

Worin sich beide einig waren: Der israelische Siedlungsbau sei so nicht tragbar. Kollegah beeilte sich, klarzustellen, dass er – auch in seiner Palästina-Doku – nicht das Judentum kritisieren würde, sondern ausschließlich den Staat Israel, dass es ihm nie um Religion gehen würde, sondern immer nur um Politik.

Shapira lud ihn ein, sich doch auch einmal die andere Seite anzuschauen: die israelische. Beide waren sich einig, dass der Nahostkonflikt verdammt kompliziert sei und beide Seiten Schuld trügen.

Shapira und Kollegah verstanden sich am Ende ganz gut Foto: Screenshot / YouTube

Das beteuerte Kollegah an jenem Abend mehrmals und explizit: Er habe nichts gegen Juden oder das Judentum, er habe auch nichts gegen Menschen anderer Kultur oder anderen Glaubens, er habe nichts gegen irgendeine Nation. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Diskriminierung irgendeiner Religion sei ihm gänzlich fremd.

Am Ende schenkte Shapira dem Rapper sein Buch, lud ihn zu einem seiner Auftritte ein, und Kollegah bot ihm an, in seinem mobilen Studio ein paar Rap-Lines aufzunehmen – für (s)ein Mixtape. Das tat der Buchautor nach der Diskussion wohl auch. Auf das Ergebnis freuen wir uns schon jetzt!

Quelle: Noizz.de