In der Interview-Reihe "Allein zu Haus" zeigen Künstler und Musiker ihr Zuhause und erzählen, was sie in der Corona-Krise gerade bewegt. Vol. 1 startet mit King Mami.

Von Releases bis Videodrehs, das Jahr 2020 hatte der Berliner Schauspieler und Sänger Daniel Zillmann alias King Mami von vorne bis hinten durchgeplant – jetzt hat ihm Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch King Mami wäre nicht King Mami, wenn er die Gelegenheit nicht beim Schopf gepackt und sich umorientiert hätte – the show must go on! Als erstes Ergebnis dieser Neuorientierung erscheint heute seine Single neue "House of Hope" – eine Hoffnung-Hymne, die wir in der Isolation gerade alle brauchen können.

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Warum und an wen er die gesamten Einnahmen der Single spendet, wie er das Musikvideo mithilfe seiner Hausmitbewohner in Zeiten von Social-Distancing gedreht hat und was ihn sonst in der Isolation bewegt, verrät King Mami im NOIZZ-Interview. Am Ende gibt er uns außerdem einen Einblick in seine eigenen vier Wände – und erzählt, was er dort in Isolation am liebsten tut.

NOIZZ: Wie lange bist du schon in Isolation und wie geht es dir damit?

King Mami: Ich bin seit drei Wochen in Isolation und habe schon alle möglichen Gefühlslagen durch. Zuerst überkam mich ein fatalistisches Ohnmachtsgefühl, eine Art Schockstarre. Dann bekam ich Existenzangst, weil sämtliche Projekte verschoben wurden. Kurz darauf kam noch eine Art Klaustrophobie dazu (meine Wohnung ist toll, aber nicht so groß), Sorgen um Freunde und Angehörige, Weltschmerz ... Außerdem habe ich eine hypochondrische Veranlagung und dachte plötzlich in jeder Situation: "Oh scheiße, jetzt habe ich’s. Oder hatte ich es vielleicht schon längst und habe zig Leute angesteckt?" Aber mir ging es körperlich die ganze Zeit gut und deshalb habe ich mich in diesem Punkt schnell beruhigt.

NOIZZ: Was genau bedeutet "Isolation" in deinem Fall? Triffst du bestimmte Leute immer noch? Machst du Ausnahmen?

King Mami: Ich habe mein Cluster an Leuten, zu denen ich weiterhin Kontakt habe, auf das Nötigste beschränkt. Wir stecken ja mitten in den Aufnahmen zu meinem ersten Album und wie es der Zufall so will, wohnt meine Produzentin Lucina in meinem Haus und wir können uns weiterhin mit Mundschutz im Treppenhaus begegnen. Wenn sich die Lage etwas entspannt, werde ich weiter in ihrem Studio bei ihr zuhause einsingen. Das gibt Hoffnung!

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NOIZZ: Wie gefällt es dir, so viel zu Hause zu sein? Wie verbringst du deine Zeit? Was vermisst du am meisten?

King Mami: Wir hatten das Jahr eigentlich durchgeplant mit allen Releases, aber jetzt müssen wir umdenken. Den Song "House of Hope" wollten wir ursprünglich gar nicht rausbringen, aber jetzt erschien er uns als so passend, weil ja alle zuhause bleiben sollen, so dass wir ihn jetzt am 3. April rausbringen. Wir wollen den Erlös an die Karuna Corona Task Force spenden, die sich um die Obdachlosen in Berlin kümmert, die ja jetzt nicht zuhause bleiben können, weil sie kein Zuhause haben. Sämtliche Einrichtungen zur Unterstützung dieser Betroffenen sind aufgrund der Situation geschlossen und die Helfer von Karuna gehen auf die Straße und übergeben den Obdachlosen, wenn möglich, zehn Euro am Tag zum Überleben.

Wer Karuna in der Obdachlosenhilfe unterstützen möchte, kann hier spenden.

"Als alter Exzentriker habe ich kein Problem mit den Safety-Outfits."

King Mami: Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde, aber wir chatten im Moment so viel, dass ich bestens über ihr Leben upgedatet bin. Einmal die Woche gehe ich in voller Corona-Montur (Mundschutz,Handschuhe, Desinfektionsmittel, Hoodie und großer Brille) in einem Supermarkt am Stadtrand einkaufen. Als alter Exzentriker habe ich kein Problem mit den Safety-Outfits. Mal sehen, was mir da noch so einfällt. Ich gehe außerdem dreimal die Woche auf eine Wiese am Stadtrand und mache CrossFit Training, um am Ende der Isolation-Time gestählt und wunderschön in die Freiheit zurückzukehren.

NOIZZ: Hast du irgendein DIY-Projekt angefangen, jetzt wo du zu Hause bist und viel Zeit hast?

King Mami: Im Zuge des Single-Releases von "House of Hope" haben wir auch ein Video gedreht. Da mussten wir natürlich improvisieren, um uns an die Social-Distance-Regeln zu halten. Zum Glück haben wir einige tolle Nachbarn, die Bock drauf hatten, uns zu unterstützen und sich gegenseitig mit den Smartphones gefilmt haben, quasi von Balkon zum Schlafzimmerfenster, in den Hof, vom Hof zu den Fenstern und so weiter. Das Video soll einfach Hoffnung und Spaß bringen. Wir veröffentlichen auch eine Karaoke-Version und Dateien zum remixen des Songs, gegen die Langeweile zuhause auf meiner Website. Die Remixe veröffentlichen wir dann auf YouTube, die Karaoke-Videos sollen auf Instagram mit #houseofhope gekennzeichnet werden.

NOIZZ: Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was sollten wir alle als Lektion aus dieser Krise mitnehmen?

King Mami: Nach diesen ersten Weltuntergangsgefühlen habe ich auch Hoffnung bekommen. Sie ist mein ständiger Begleiter, mein ganzes Leben lang schon. Wir müssen nach der Krise über viele Dinge sprechen, zum Beispiel übers Grundeinkommen, und darüber wie wir die Säulen unserer Gesellschaft besser schützen und stärken können. Ich komme aus einer Krankenpfleger-Familie und fand schon immer, dass die Pflegekräfte unterbezahlt sind.

"Man muss den Beruf der Krankenpflege wieder für junge Leute attraktiv machen."

Jetzt kann man endlich mit Nachdruck darüber reden und die Politik wachrütteln, weil wir alle plötzlich im selben Boot sitzen und dankbar für jede Hilfe sind. Das muss aber auch anhalten und darf in drei Monaten nicht verklingen. Außerdem muss man den Beruf der Krankenpflege wieder für junge Leute attraktiv machen. Dazu gehört eine gewisse Anerkennung, die sich nicht nur, aber doch vor allem durch eine angemessene Bezahlung ausdrückt. Und warum müssen Krankenhäuser Profite abwerfen? Sowas kann man dann mal diskutieren."

NOIZZ: Welches sind derzeit deine Lieblingsorte in deinem Zuhause und warum?

King Mami in Corona-Isolation

King Mami: Auf meiner Couch liege ich im Moment am liebsten. Hier kann ich den Müßiggang betreiben und dabei aus dem Fenster in den Himmel schauen. Natürlich gucke ich von hier aus auch Serien oder ich hänge den ganzen Tag bei FaceTime mit meinen Leuten ab.

Sänger King Mami

King Mami: Das Bett! Es ist vor einiger Zeit eingekracht und somit eher ein improvisiertes Futonbett, aber von hier aus beginnt mein Tag. Manchmal verläuft er aber auch gerade hier, und zwar nur hier. Im Moment bleibe ich gerne mal bis mittags liegen und wenn mich einer anruft, tue ich schnell so, als wäre ich schon lange auf und hätte die gesamte Hausarbeit erledigt oder Sport gemacht. Natürlich trage ich immer solche Outfits at home!

"Natürlich koche ich immer nackt!"

King Mami in seiner Küche

King Mami: "Sexy cooking time! Seit Beginn der Quarantäne hatte ich Panik, dass ich in so eine Weihnachts-Fress-Phase reinschlittere, aber ich habe mich im Griff und koche jeden Tag krass gesund für mich selbst. Ok, das ist dann auch nicht so lecker wie auswärts essen oder bestellen, aber bietet viel Raum für Experimente. Und natürlich koche ich immer nackt!"

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Quelle: Noizz.de