Schon einmal hat Rapper Kanye West angekündigt, ins Rennen um das Weiße Haus einzusteigen. Jetzt erklärt der Popstar erneut per Twitter seine angebliche Kandidatur. Es ist unklar, wie ernst es ihm ist. In vielen Staaten ist es schon zu spät, um auf den Stimmzettel zu kommen. Andere gehen davon aus, er wolle mit der Aktion junge Wähler*innen für Trump sammeln.

Der amerikanische Rapper Kanye West (43) hat erneut angekündigt, für die US-Präsidentschaft zu kandidieren. "Mit der Hilfe von Gott müssen wir nun das Versprechen Amerikas in die Tat umsetzen, unsere Vision zu einen und eine Zukunft zu gestalten", schrieb der Musiker am Samstag auf Twitter. Mit dem Hashtag #2020Vision und inklusive US-Flagge erklärte West, sich um das Amt des Präsidenten zu bewerben.

Der für öffentlichkeitswirksame Ankündigungen bekannte Rapper – Ehemann von TV-Star und Unternehmerin Kim Kardashian (39) – machte keine weiteren öffentlichen Angaben, ob er noch zur Wahl in diesem Herbst ins Rennen ziehen wolle.

Kanye West war schon immer religiös, seit 2019 nahm sein Glauben aber neue Ausmaße an. Er wolle nur noch christliche Musik machen und seine alte, "teuflische" Musik nie wieder aufführen. Zwei Gospel-Alben hat er seitdem releast, das Dritte steht in den Startlöchern: "God's Country".

US-Präsident? Das sind Kanyes Chancen

Am Wochenende blieb auch unklar, ob West jenseits des Tweets überhaupt eine ernsthafte Wahlkampf-Struktur unterhält: In der Datenbank der landesweiten Wahlkommission FEC gibt es unter dem Namen Kanye Omari West keinen Hinweis, dass er die nötigen Dokumente eingereicht haben könnte.

Weil mit Donald Trump bei den Republikanern und Joe Biden bei den Demokraten die beiden wichtigen Parteien ihre Kandidaten bestimmt haben, könnte West höchstens als Unabhängiger ins Rennen gehen.

Die Frist, um überhaupt auf den Stimmzettel zu kommen, ist in vielen Bundesstaaten schon verstrichen. In Texas und New York endete sie bereits im Mai, in weiteren kleineren Staaten im Juni.

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In Florida müsste West bis 15. Juli mehr als 132.000 gültige Unterschriften sammeln, um als unabhängiger Kandidat geführt zu werden – ein Unterfangen, für das Kampagnen normalerweise Wochen oder Monate brauchen. Ohne die Wahlleute aus diesen Staaten ist es so gut wie unmöglich, die nötige Mehrheit für das Weiße Haus zu gewinnen.

"Ich liebe diesen Mann" – Kanye West über Donald Trump, bei seinem Besuch im Weißen Haus im Oktober 2018.

Kanye West und Donald Trump

Gemutmaßt wurde darüber, ob die Kandidatur des bisher klar erklärten Trump-Fans West Anhänger von Joe Biden umstimmen soll und ob es dem Musiker gelingen könnte, vor allem bei Jüngeren und Schwarzen Bidens Position zu schwächen.

Allein Wests Tweet führte schnell zu einer Flut von Reaktionen. "Du hast meine volle Unterstützung!", schrieb der ebenfalls für exzentrische Aussagen bekannte Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter. Demokraten befürchten, Trump und West könnten gemeinsam einen Plan ausgeheckt haben, um Bidens Kandidatur zu sabotieren.

Seine politischen Ambitionen hat Ye schon häufiger geäußert. 2015 bei den MTV Video Music Awards erklärte er, bei der US-Wahl im Jahr 2020 antreten zu wollen.

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Vor zwei Jahren sagte er dann in einem Radiointerview, möglicherweise im Jahr 2024 für das Präsidentenamt zu kandidieren. Nach eigener Aussage wollte er als gemäßigter Kandidat antreten. In mehreren Interviews hatte West zudem erklärt, eine bipolare Störung zu haben, dies aber später auch häufiger als Fehldiagnose widerrufen.

West war einer der wenigen Promis, die Trump öffentlich unterstützt haben. 2018 traf er Trump im Weißen Haus und trug dabei eine Baseball-Mütze mit dessen Wahlkampf-Slogan "Make America Great Again". Im vorigen Herbst brachte der vierfache Vater und Hobbyprediger das durch und durch religiöse Album "Jesus Is King" heraus.

[Text zusammen mit: dpa]

Quelle: Noizz.de