Kann man vor Berliner Clubs bald seine Drogen testen?

Julia Vorkefeld

Queer, Clubkultur und Gesellschaft
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Mit Drug-Checking könnte man sicherer feiern. Foto: suicide circus / clubmap

Der Berliner Senat setzt das Thema wieder auf seine Agenda.

In letzter Zeit ist die Debatte über Drogenprävention wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, nicht zuletzt wegen des Todes einer amerikanischen Touristin, die an zwei Ecstasy-Pillen aus dem Berliner Berghain starb. Die Berliner Politik möchte nun handeln und stellt zunächst einmal einen Etat zur Verfügung, um in den Clubs über die verschiedenen Substanzen aufzuklären. Sogar das Drug-Checking, also das Testen der Drogen auf Reinheit und Zusammensetzung, wird als Option diskutiert. Die 300.000 Euro teure Aufklärungskampagne, die der Senat aktuell anstößt, würde jedoch noch kein Drug-Checking beinhalten.

Drug-Checking ist in einigen unserer Nachbarländer wie den Niederlanden oder der Schweiz bereits Realität. Die Argumentation ist einfach: In Clubs wird nun mal konsumiert, egal wie streng Drogen reguliert werden. Also kann man die Konsumenten auch gleich dabei unterstützen, herauszufinden, ob die Substanzen auch wirklich rein sind. Gerade bei Drogen wie Ecstasy lässt sich das mit bloßem Auge natürlich nicht feststellen.

Keine neue Idee

Wie das genau abläuft, erklärt Dr. Torsten Jeck vom Drogenpräventionsverein Eve & Rave: „Beim Drug-Checking nimmt der Konsument selbst eine Probe und gibt diese im mobilen Labor ab. Würde dies der Tester selbst machen, wäre er im Besitz von Drogen und würde sich strafbar machen. Nach zirka 20 Minuten kann er das Ergebnis dann einsehen. Dies ist meist auch mit einer begleitenden Beratung verbunden. Die Polizei hält hierbei Abstand zum Labor, beobachtet dies nicht und belangt die potentiellen Konsumenten in diesem Bereich auch nicht.“

Dieser Ansatz in der Drogenpolitik ist nicht neu: Eve & Rave wurde bereits in den 90er Jahren gegründet, als sich die Technokultur erst langsam einem größeren Publikum erschloss. Der Verein war nicht nur in Berlin ansässig, sondern auch in anderen Städten in Deutschland und der Schweiz.

Die Mitglieder gehen bis heute in Clubs, auf Raves und sogar in Schulen, um über verschiedenste Substanzen aufzuklären. Drug-Checking gehörte schon in den frühen Jahren zu den Themen des Vereins. Das Konzept dafür kommt ursprünglich aus Amsterdam. Drogen sind zwar illegal in Deutschland, Drug-Checking selbst befindet sich aber in einer rechtlichen Grauzone, sagt Dr. Torsten Jeck weiter:

„Grundsätzlich haben Drug-Checking und die Legalität von Drogen nichts miteinander zu tun. Auch in Österreich und der Schweiz sind Drogen nicht legal, können aber getestet werden. Im Prinzip ist es eine rechtliche Grauzone, die von der Polizei beziehungsweise den Behörden geduldet werden kann – falls gewünscht.“

Für die weltweit geschätzte Party-Metropole Berlin wird es langsam Zeit, diesen nicht ganz so neuen Ansatz wieder aufzugreifen, damit wir alle sicherer feiern können. An den legalen und gesellschaftlich akzeptierten Drogen Alkohol und Nikotin sterben schließlich jedes Jahr mehr Menschen als an verbotenen Substanzen.

Quelle: Noizz.de

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