Die Band steht für Moshpits, nächtelanges Feiern und ein Gefühl von ewiger Jugend. Doch hat eine Band mit einem so großen Following wie Kakkmaddafakka neben dem Spaß auch eine politische Verantwortung?

Ein Konzert von Kakkamaddafakka verlässt du verschwitzt und ausgelaugt. Sie sind großzügig lang und eine einzige Party mit alten Hits, fremden Hits (Shout-out an euer O-Zone-Cover von "Dragostea Din Tei", Ohrwurm ist immer noch da) und neuen Bangern. Der Dancefloor ist ein riesiges Moshpit, kein Schuh sieht danach aus wie davor.

Ihre Musik bietet sich auch genau dafür an: Schneller, rhythmischer Indie-Pop mit eingängigen Hooks und Texten zum Mitsingen. Dafür lieben sie auch ihre Fans, und zwar schon seit fast 10 Jahren. Ihre größten Hits "Reckless" und "Your Girl" zählen mehrere Millionen Streams auf Spotify.

Am 3. April haben Kakkmaddafakka ihre neue EP "Ontas?" rausgebracht. Die Singles "Echoes" und "Baby" veröffentlichten sie schon vorab – und konnten damit ihre Fans mit einem altbekannten Sound auf eine neue Runde Kakkmaddafakka begeistern.

Die sechs Jungs aus Norwegen sind weird – und stehen auch dazu. Kurz bevor ihr wildes Konzert in Berlin losging, haben Sänger Pål Vindenes (Pish) und Drummer Kristoffer van der Pas (Pas) mit NOIZZ über Toxic Masculinity und ihre politische Verantwortung als Musiker geredet. Ein Streitgespräch – mit widersprüchlichen Aussagen.

NOIZZ: Ihr seid schon ziemlich verrückt. Von euch allen, wer ist der Verrückteste?

Pas: Das haben wir mittlerweile sogar bewiesen.

Pish: Es ist der Bass-Spieler!

Pas: Er dachte für lange Zeit sogar, dass er ganz normal wäre. Er dachte, er ist der normalste Typ der ganzen Welt. Dann hat er uns eines Tages gefragt: Sagt mal, wer von uns ist eigentlich der Verrückteste? Und ohne uns abzusprechen, haben wir alle auf ihn gezeigt. Seine Welt ist zusammengebrochen.

Pish: Er ist einfach so merkwürdig. Schon wie er rumläuft.

Und wer ist der Normalste von euch?

Pish: Ich, natürlich.

Pas: Ich, natürlich.

Ihr porträtiert nicht den typische Stereotyp eines "Mannes". Manche von euch tragen lange geflochtene Zöpfe und ihr lässt nicht eure Muskeln auf Instagram spielen. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Pish: Um ehrlich zu sein, wir denken gar nicht so viel darüber nach. Wir machen das, was sich für uns natürlich anfühlt. Ich glaube, die ganze Band ist sehr komfortabel mit ihrer Sexualität. Es hilft, wenn du dich wohl in deinem Körper fühlst. Sei dir selber treu – dann kannst du sein, wer du willst.

Wurdet ihr schon einmal dazu gedrängt, jemand anderes zu sein?

Pish: Nein.

Pas: Doch, einmal in Spanien haben uns die Booker gefragt, ob wir bitte mehr nach Rockstars aussehen können.

Pish: Nein, sie wollten, dass wir professioneller wirken.

Pas: Ja, professioneller AUSSEHEN.

Eure Musik hört sich so an, wie ihr ausseht: unbeschwert.

Pish: Ich finde unsere Musik gar nicht so unbeschwert. Wenn du die Lyrics anhörst, dann sind sie gar nicht so unbeschwert.

Pas: Es sind ganz dunkle Texte, verpackt in einer heiteren Verpackung.

Damit seid ihr ziemlich erfolgreich.

Pish: Darauf sind wir auch sehr stolz!

Warum arbeitet ihr so?

Pish: Über die Jahre haben wir gelernt, dass dunkle Musik und dunkle Texte über eine lange Zeit hinweg langweilig werden. Du musst immer wieder in diesen dunklen Ort zurückkehren. Bei leichter Musik hast du mehr Spaß bei der Arbeit. Insofern sind wir etwas egoistisch.

Auf Instagram sagt ihr euren Fans, ihr wollt die Politik vergessen und euch auf die Tour konzentrieren. Inwiefern habt ihr als Musiker die Verantwortung, über Politik zu reden?

Pish: Die Kunst, die ich generell mag, ist politisch, aber die Message ist nicht zu offensichtlich. Wenn du Kunst und Politik zu sehr mischt, wird es oft ziemlich langweilig.

Warum?

Pish: Weil du dann nicht mehr für dich selber denkst. Die Kunst denkt für dich.

Aber existiert Kunst nicht, um dich dazu anzuregen, über Dinge nachzudenken?

Pish: Nicht politische Kunst. Die bringt dich nur dazu, über Politik nachzudenken. Du kannst ja politische Kunst machen, aber ohne durchscheinen zu lassen, für wen du wählen würdest. Du kannst Themen aus der Gesellschaft in deiner Kunst mit einem Fragezeichen versehen, aber du darfst nicht die Antworten geben. Kunst, die ich mag, ist nicht politisch.

Kann man gleichzeitig gute Kunst machen und politisch sein?

Pish: Ich glaube nicht, dass das möglich ist.

Pas: (zu Pish) Aber dann sagst du ja, dass der Zuhörer keine eigenen Meinungen formulieren kann.

Pish: Naja, es kann ja politisch sein. Aber ich will einfach nicht wissen, wofür sich der Künstler einsetzt!

In einem Liebeslied würde dir der Künstler doch aber auch seine/ihre Meinung erklären und eine Message rüberbringen. Warum ist eine politische Meinung anders?

Pish: Weil Liebe ein Gefühl ist. Politik ist schwieriger. Es ist ein Beliebtheitsspiel. Politiker sind gierig nach Macht. Politik ist wirklich sehr merkwürdig.

Würdet ihr je darüber nachdenken, politische Nachrichten auf Instagram zu teilen, selbst wenn ihr keine politische Musik macht?

Pish: Weißt du, heute werden 1.000 Menschen unser Konzert sehen. Wenn wir diesen 1.000 Menschen etwas sagen, dann sind die eh schon unserer Meinung. Wir würden nur vor Menschen mit der gleichen Meinung predigen.

Aber es geht ja darum, deine Plattform zu nutzen um eine wichtige Message zu verbreiten.

Pish: Aber die Leute, die dir zuhören, sind doch eh schon deiner Meinung!

Ich würde nicht sagen, dass das bedingungslos stimmt.

Pish: Ich schon.

Aber wenn du keine politische Musik machst, dann sind deine Zuhörer ja Fans deiner Musik, nicht deiner politischen Ansichten.

Pish: Ich denke, dass die Leute, die heute hier sind, ähnliche politische Meinungen haben, wie wir.

Pas: Echt?

Ich glaube sie werden viel Spaß haben, weil sie alle eure Musik lieben. Aber das schließt ja nicht auch, dass euch Menschen zuhören mit unterschiedlicher politischer Meinung.

Pas: Wir machen keine politische Musik, also denke ich, dass wir auf jeden Fall Zuhörer haben mit unterschiedlichen politischen Meinungen. Sie haben keine Seite ergriffen.

Pish: Ich stimme dir dabei nicht zu. Ich finde, sie sind sehr politisch.

Pish, würdest du dich als politische Person mit politischen Meinungen beschreiben?

Pish: In einer Art. Aber ich würde darüber nicht predigen.

Also wenn ein Fan von euch eure Musik feiern würde, aber auch offensichtlich Faschist wäre – würdest du deinen Einfluss auf diese Person nutzen wollen, um Personen zu schützen, die unter den politischen Ansichten dieses Fans leiden?

Pish: Nein.

Gibt es Künstler, die diese Verantwortung haben?

Pish: Nein.

Pas: Ich glaube, es gibt die professionelle Figur und die private Figur. Als Musiker ist es manchmal schwierig, diese zu trennen. Aber wenn ein Faschist unsere Songs benutzen würde, dann würde ich mich wehren. Ich will nicht, dass er sie benutzt.

Pish: Aber das ist doch nicht die Frage.

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Ist das nicht genau die Frage? Wenn eine politische Partei deine Songs zu ihrem Nutzen benutzen würde, dann würden Leute mit deren politischer Meinung eure Songs hören. Bist du dann dagegen, dass deine Songs im politischen Kontext überhaupt gespielt werden?

Pish: Wir haben für politische Parteien in Norwegen gespielt. Links und rechts. Wir gehen einfach danach, wer uns will. Wir diskriminieren niemanden. Sobald ein Künstler politisch wird, ist das ein billiger Trick, weil alle deine Fans deine Meinung haben und dich sowieso unterstützen. Alles, was sie tun, ist dir zuzustimmen. Was macht daran denn Spaß? Du machst nichts für die Welt, du vereinst niemanden. Du sagst nur: Wir haben recht, du nicht.

Das kommt darauf an, wie du Sprache benutzt. Polarisieren ist möglicherweise nicht der beste Weg, aber du könntest deinen Zuhörern zum Beispiel Fakten beibringen.

Pish: Aber warum in Musik?

Weil du mit deinen Fans eine sehr große Plattform an Menschen erreichst.

Pish: Das ist nicht das, was ich will. Ich rede nur für mich selber, aber ich finde nicht, dass Kunst und Politik zusammengehören. Politik macht keinen Spaß. Politik ist nicht schön. Politiker sind Menschen, die über dich entscheiden wollen. Es ist böse.

Obwohl wir uns nicht einig geworden sind, solltest du dir trotzdem Kakkmaddafakkas heute veröffentlichte EP "Ontas" anhören – auf Spotify oder Apple Music.

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Quelle: Noizz.de