BTS sind nicht mehr aufzuhalten.

Taylor Swift nennt viele Rekorde ihr eigen. Doch einen musste sie kürzlich abgeben: Die meisten Aufrufe für ein Musikvideo innerhalb der ersten 24 Stunden. Diesen Rekord hält nämlich nicht mehr ihr Song „Look What You Made Me Do“, sondern dieser Song hier:

„Idol“ von der koreanischen Boygroup BTS konnte an nur einem Tag über 45 Millionen Views sammeln und steht jetzt an der Spitze. Und es ist bei weitem nicht der einzige koreanische Song auf der Liste: Nach der Zweitplatzierten Taylor Swift folgen auf den Rängen drei und vier die koreanische Girlband Blackpink und Sänger Psy. Und auf Platz fünf? Wieder BTS.

Was hat es mit der Gruppe auf sich?

BTS heißen auf koreanisch 방탄소년단, in Umschrift Bangtan Sonyeodan, was sich auf Deutsch in etwa mit „kugelsichere Pfadfinder“ übersetzen lässt. Die Gruppe stammt aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, hat sich dort aber nicht etwa in der Schule oder an der Uni kennengelernt, wie man es aus Europa oder den USA kennt.

Musikalische Erfolgsgeschichten im K-Pop gehen in der Regel woanders los: beim Casting. Die Musikfirma Big Hit Entertainment hat die Jungs aus einer Reihe von Bewerbern ausgewählt und mehrmals umbesetzt, bevor die Karriere in Angriff genommen wurde.

Während zusammengewürfelte Casting-Bands hierzulande nicht mehr den besten Ruf genießen, ist es in Korea typisch, dass man den Weg über die Entertainment-Industrie gehen muss – und der ist knallhart, erfordert Disziplin, Training und manchmal auch die Unterschrift unter einem jahrelangen Knebelvertrag, was viele an der Branche kritisieren.

Dennoch steht das System. Denn für viele junge Koreaner ist es ein großer Traum, eines Tages K-Pop-Ruhm zu erlangen. Die koreanische Castingshow „Superstar K“ hatte im Jahr 2012 mehr als zwei Millionen Bewerber! Etwas Vergleichbares hat es in Europa oder den USA nie gegeben.

BTS haben den Rest der Welt geknackt

K-Pop ist für das Land in Fernost längst ein Wirtschaftsfaktor geworden, die drei größten Labels SM, YG und JYP machen Umsätze im dreistelligen Millionenbereich. Deswegen hat sich das Genre im Laufe der Zeit gewisse Tricks angeeignet, um auch außerhalb Koreas Fans zu erreichen.

Auch BTS nutzen das aus: Neben ihren drei koreanischen Alben haben sie auch drei japanische Alben veröffentlicht. Auf denen befinden sich nicht nur übersetzte Versionen ihrer koreanischen Songs, sondern auch neue Lieder, die eigens auf den dortigen Markt abgestimmt sind.

Auch Englisch spielt eine Rolle: BTS streuen, wie andere K-Pop-Acts auch, immer wieder englische Phrasen in ihre Texte ein. „Idol“ fängt gleich damit an: „They call me artist, they call me idol“, lauten die ersten beiden Zeilen. Danach geht es zunächst einmal auf Koreanisch weiter, doch im Refrain wird wieder geswitcht: „You can’t stop me lovin’ myself.“

Auf diese Weise sind BTS zwar für westliche Pophörer-Ohren etwas ungewohnt, doch man hat immer noch etwas, woran man sich klammern kann. Zusammen mit kunterbunten Videos und spektakulären Tanzchoreos ist eine Mischung entstanden, die auch anderswo funktioniert. In den USA stand ihr Album „Love Yourself: Tear“ sogar auf Platz eins der Charts – als erstes asiatisches Album überhaupt. BTS haben den amerikanischen Markt geknackt.

Spätestens jetzt kann sie niemand mehr aufhalten.

Quelle: Noizz.de